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Korrespondenzen.
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Stadtrats hob der Erste Bürgermeister die Verdienste des
Vaters um unsere Stadt mit warmen Worten hervor. Herr
Stadtältester Weißstein hat sich auch um die hiesige jüdische
Gemeinde, für die er 16 Jahre als Repräsentant und 16 Jahre
als Vorsteher tätig war, große Verdienste erworben.
* M^slorvrtz, 12. August. Der „Myslowitzer Anzeiger"
berichtete am 2. August, daß ein ans Russisch-Polen deser¬
tierter Soldat j ü d i s ch e n Gl a u b e n s von dem in Mys-
lowitz stationierten Gendarmeriewachtmeister Howanietz ver¬
haftet, und in der Absicht weiter geführt wurde, ihn der russi¬
schen Behörde auszuliefern, daß er aber daran durch die
Polizeibehörde in Myslowitz verhindert wurde. Wie uns von
zuverlässiger Seite berichtet worden ist, handelte es sich bei
dem Vorgang tatsächlich um einen jüdischen Deserteur, der
sich am Bahnhof in russischer Uniform gezeigt, dann in der
Stadt sich Ziviltleider verschafft hatte, und von dem am
'Bahnhof stationierten Gendarm festgenommen wurde, um
der russischen Behörde zugeführt zu werden. Ein hiesiger
Beamter, der darauf aufmerksam wurde, machte der Polizei¬
verwaltung Mitteilung, worauf diese den erst kurze Zeit im
Amt befindlichen Gendarmen belehrte, daß sein Verhalten
den bestehenden Anordnungen nicht entspreche. Nach letz¬
teren sei es einem Russen, der nach Lage der Sache einer
Ausweisung aus preußischem Staatsgebiet unterliege, freizu-
stetlen, ob er nach Rußland zurück oder nach Oesterreich ab¬
geschoben werden wolle. Aus Befragen gab der Russe
selbstverständlich den Wunsch kund, nach Oesterreich aus¬
gewiesen zu werden, worauf er dorthin abgeschoben wurde. —
Der „Myslowitzer Anzeiger" hat zu dem Vorfall wörtlich be¬
merkt: „Es liegt uns fern, die Tat des Deserteurs zu be¬
schönigen, wenn sie auch nicht so zu beurteilen ist, als wenn
ein preußischer Soldat fahnenflüchtig wird. Denn man weiß
ja nur zu gut, in welcher Weise in Rußland die Soldaten¬
schinderei betrieben wird, und es s i n d w a h r l ich nicht
nur jüdische Soldaten, die ans R u ß l a n d deser¬
tieren. Aber das ist Nebensache. Wir fragen: Welche
Ursache haben wir den Russen gegenüber, ihnen ihre Deserteure
so ohne weiteres zuzusühren?"
)( Frankfurt a. M., 2. August. Der „Franks. Ztg." wird
geschrieben: „Die Mitteilungen des Vereins für