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Im deutschen Reich.
Ullmo blutwenig interessiert haben und sich aus seiner
Verurteilung zu lebenslänglicher Deportation keine zweite
Dreyfus-Affäre entwickelt hat, ist leicht verständlich!. Ganz abge¬
sehen davon, daß an derSchuldUtlmos kaum zu zweifeln war und
dem sittlich haltlosen Menschen höchstens mildernde Umstände
hätten zuerkannL werden können, geht uns ein nur v o n I itben
stammender, aber nicht mehr dem Jüdentum ungehöriger
Marinefähnrich nicht das geringste an. Nicht die Geburt,
sondern die Erziehung und der Umgang sind für die Charakter¬
bildung bestimmend und Ullmo ist weder von Juden erzogen
noch etwa durch den Umgang mit Juden zum Landesverräter
geworden. Daß ihn einige Antisemitenblätter auf Grund der
pseudo-wissenschaftlichen Rassentheorie zum „Juden" machen,
ändert daran wenig; derartige Kunstgriffe gehören zu ihrem
traurigen Geschäft.
M. ö. £., Berlin. Aus Ihre Mitteilung, eine Villa in
Salck am Gardasee betreffend, erwidern wir, daß nur
Angaben unter voller Namensnennung berücksichtigt werden
können.
D. VTL, Lhcrrlottenburg. Der akademische Bund
„Ethos", der bereits vor zwei Jahren seine jüdischen Mit¬
glieder zum Austritt gezwungen hat, beschäftigte sich neuer¬
dings wieder mit seiner Stellung zur Judenfrage, wobei es
zwar zu lebhaften Auseinandersetzungen kam, der Antrag auf
Zulassung jüdischer Kommilitonen aber doch schließlich! infolge
der Stellungnahme des Vorsitzenden, stack. Boelicke, ab gelehnt
wurde. Die Erklärung dieses eigentümlichen „Ethikers" lautete
wörtlich: „Selbst wenn man zugibt, daß der Ausschluß der
Juden, rein ethisch betrachtet, eine gewisse Ungerech¬
tigkeit bedeutet, so ist doch aus taktischen Gründen
eine Organisation, die in der deutschen Studentenschaft wirken
soll, zu diesem Schritte gezwungen, da sie sich andernfalls selbst
den Lebensfaden abschneidet. Diese Stellung des Bundes
hat natürlich nicht das geringste zu tun mit der Stellung
des einzelnen zum Judentum." — Eine durch taktische Gründe
beeinflußte Ethik ist ein echt antisemitisches Gewächs bester
Güte!
R. G., Aor-Hausen. Von dem in der „Westerländer
Kurzeitung" vom 4. August d. I. veröffentlichten Aufruf