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Im deutschen Reich.
Kaufmann auch bei dem weiblichen Teile unserer Glaubens¬
gemeinschaft größere Verbreitung zu schaffen, indem er 1893
der Frage: „Wie heben wir den religiösen Sinn unserer
Mädchen und Frauen?" eine kleine Schrift widmete, die wir
ebenfalls in der vorliegenden Sammlung finden. Sicher ent¬
halten die darin gemachten Vorschläge viel Beachtenswertes,
wenn auch nicht alles durchführbar erscheint. Besonders her¬
vorgehoben fei noch die treffliche Charakteristik der so
häufigen literarischen Zerrbilder der Juden. Kaufmann sagt
darüber S. 58: „Haben die gezeichneten Schwächen und
Sünden mit dem Judentum schlechterdings nichts zu tun,
in dessen Kerbholz sie aber nichtsdestoweniger eingeschnitten
werden, dann hat sich der Dichter zum Anwalt einer Ruch¬
losigkeit, zum Anschürer niederer Leidenschaften, zum Ver¬
leumder und Lügner erniedrigt. Wer vom Judentum nichts
anderes als krumme Nasen, verderbte Sprache, Wucher und
schmutzigen Geiz auszusagen weiß, den kann aller poetische
Firnis von dem Vorwurf barer Roheit nicht entlasten." . . .
„Jedes Zerrbild eines Juden steigert den schlummernden oder
lauernden Judenhaß". Es mag erlaubt fein, bei dieser Ge¬
legenheit unseren Mitgliedern die Notwendigkeit einzuschärfen,
dramatischen Aufführungen, in welchen derartige Karrikaturen
Vorkommen, unter allen Umständen fernzubleiben. C. G.
Gingesandt.
Der Bismaräkfcrckelzug der Bonner Studentenschaft.
In früheren Jahren wurde der Bismarekfackelzug von
der „Vertreter-Versammlung der Bonner Korporationen mii
Ausschluß der konfessionellen Verbindungen" (V.-V.) ver¬
anstaltet, der alle Bonner Korporationen mit Ausnahme der
katholischen Verbindungen und der (jüdischen) Verbindung in
K. C. „Rheno-Silesia" angehören. In diesem Jahre hatte di«
V.-V. der dankenswerten Anregung des Rektors Folge ge
geben und auch den katholischen Verbindungen, nachdem dies
ein schriftliches Gesuch an die V.-V. eingereicht hatten, di
Teilnahme am Fackelzug gestattet. Um die Einigung de
Bonner Studentenschaft vollständig zu machen, suchte de
Rektor auch die Teilnahme der Verbindung im K. C. „Rhenc