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X.W. ZLÄrg. Berlin, Dezember 1908 . Ur. 12
Aakuttäten oder Ministerien?
Der Tod des früheren Ministerialdirektors Althosf hat
der Presse aller Schattierungen Anlaß gegeben, über das
sagenannte „System Althofs" kritische Erwägungen anzn-
stellen. Dabei ist das Urteil rramentlich der liberalen Presse
für die Wir'kßamkeiL des Verstorbenen größtenteils recht un¬
günstig gewesen.
Unter anderem ist ihm zum Vorwurf gemacht worden, daß
hauptsächlich er schuld daran gewesen sei, daß jüdische De¬
zenten die bekannnt schlechte Behandlung und Beförderung er¬
leiden mußten. Wir sagen „die bekannt schlechte Behandlung":
denn über die Tatsache systematischer Zurücksetzung von Juden
an den deutschen Hochschulen brauchte jeden Einsichtigen -doch
nicht erst der in letzter Zeit soviel besprochene Arrikel des
„Berliner Tageblatts" vom 22 . Oktober aufzuklären. Da¬
gegen dürfte iiber die Frage, wer denn eigentlich an diesen
traurigen Verhältnissen schuld ist, noch tu vielen Kreisen eine
große Unklarheit herrschen.
Zunächst mnß das eine festgestellt werden: Schon die
Zulassung zur Privatdozentur ist für Juderr mit außerordent¬
lichen Schwierigkeitell verbunden. Mit dieser Zulassung hat
aber i n P r e n ß e n das Ministerium nicht das Allergeringste
zu tun; sie liegt lediglich in denn Händen der Fakultäten,
während zum Beispiel bei den bayerischen lluiversitäten das
Ministerium die Aufnahme eines Privatdozenten in die
Fakultät zil genehmigen hat. Trotz dieser wichtigen Ver¬
schiedenheiten sind die Erfahrungen so reo hl in Preußen als