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Im deutschen Reich.
Unfälle kommen übrigens beim „Schlagen" der Schlacht-
tiere auch vor, bei dem diese, oft mit größter Gewalt um
sich schlagen.
— Die „Staatsbürger-Zeitung" hat zwar ihre bisherige
Haltung in der Judensrage in keiner Weise verändert, aber
in bezug auf ihre Stellung zu den großen politischen Fragen
unverkennbar einen neuen Kurs Angeschlagen, um vielleicht
als oppositionelles Organ neue Anhänger zu gewinnen. Das
ist nicht nur in bezug auf das Verhältnis dev Reichsregierung
zu Oesterreich der Fall, dem gegenüber der Antisemiten-
Moniteur plötzlich den größten Pessimismus zur Schau trägt
und vor einem angeblich durch „deutsche Renegaten" er¬
leichterten völligen Einlenken in tschechische Bahnen warnt,
sondern auch dem Zarenreich gegenüber, für das die „Staats¬
bürger-Zeitung" in heller Begeisterung schwärmte, so lange
dort nur Juden verfolgt wurden. Damals konnte die
„Nowoje Wremja" .sogar täglich gegen die Deutschen hetzen,
ohne daß die Antisemitenpresse daran Anstoß nahm, jetzt
ist ihr endlich klar geworden, daß der russische Antisemitismus
weit mehr ans den Haß gegen das Deutschtum als aus
religiöse Vorurteile zurückzuführen ist, weil den Altrussen
stets der Jude als Pionier des Deutschtums gegolten hat. In
einem Artikel „Nach den Potsdamer Küssen" hat sich die
„Staatsbürger-Zeitung" schon kürzlich denen angereiht, die
es sonderbar finden, daß inan die Potsdamer Monarchen¬
begegnung als den Ausgangspunkt einer „neuen Phase" der
auswärtigen Politik Rußlands hinzustellen bemüht isst während
die russische Regierung eifrig an der A r b e i t i st, d i e
i n R u ß l ft n d ii ci 1 11 r alisiert e n Deut s ch e n z u
e n t r -e ch ten, durch wirtschaftliche Benachteiligung zu ent¬
kräften und, wenn möglich, zu entwurzeln. Sie sagt im
schroffsten Gegensatz zu der offiziösen Presse, welche Deutsch¬
land und Rußland vereint als Träger der konservativen
Weltanschauung verherrlichen wollte: „A n g e s i ch t s der
b e w u ß t e n Gewalttaten und V e r h ö h n u n g e n ,
denen in Rußland das Deutschtum wie überhaupt jede ger¬
manische Wesensäußerung ausgesetzt ist, muß man sich da¬
gegen wehren, daß unter dem Begriff „konservativ" zwei
Dinge von so entgegengesetzter Anlage und so ungleichem
Knltnrwerte verkoppelt werden. Wir müssen dafür danken,