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Korrespondenzen.
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unsere Auffassung von konservativer Weltanschauung so
herabgezerrt zu sehen, daß sie auf dieselbe Höhe mit dem
Boden gerät, auf dem es der s l a w i s ch e n Zer st ö r u n g s -
w u L 11 n b H i n L e r h a l L i g ke i t vergönnt ist, sich au
Verkörperungen höher gerichteten Geistes auszutoben."
In einem „Pestilenz und Politik" überschriebenen Artikel
hat der sonst so russenfreundliche Berliner Antisemiten-
Moniteur den russischen Schlendrian in der mongolischen
Sphäre gegeißelt und von den Kulturverhältnissen des Zaren¬
reiches gesagt: „Sie legen dar, wie wenig eine in Un¬
wissenheit und' A be r gl au b e u e r h nltene B e -
v ö l k e r u n g in sich das erforderliche Kulturbewußtsein tragen
kann, das etwaige Regierungsmaßregeln zur Abwendung von
S e u ch e n erleichtern, in letzter Linie überhaupt verwirk¬
lichen Hilft. Sie entblößen aber auch schonungslos die Unter¬
lassungssünden, die die Kulturwelt der russischen Regierung
aufs Konto setzen muß." Daß das auch für die anti-
s e mi t i s che S e u ch e in Rußland gilt, die von den deutschen
Antisemiten so milde beurteilt wurde, darüber schweigt deo
Sängers Höflichkeit. — Früher las man es in der „Staats¬
bürger-Zeitung" ganz anders über Rußland, da handelte es
sich freilich nur — um Juden!
— Dem Frankfurter „Israelit" wird aus Berlin über
einen Vorgang berichtet, der bezeichnend ist für die Mittel,
mit denen die Taufjuden das Bekanntwerden ihres Ueber-
tritts durch die Veröffentlichungen in dem von der Berliner
jüdischen Gemeinde begründeten Gemeindeblatt zu hinter¬
treiben suchen. Danach ist ein kürzlich aus dem Judentum
ausgetretener Gerichtsreferendar, nachdem er auf dem Bureau
der jüdischen Gemeinde die Verschweigung seines Namens
nicht erreicht hatte, sofort zu dem Polizeipräsidenten v. Jagow
gegangen, um ihm die Veröffentlichung der betreffenden Liste
als eine gesetzwidrige Bloßstellung und öffentliche Be¬
schimpfung darzustellen und das sofortige Verbot der monat¬
lichen Veröffentlichung zu verlangen. Er erlangte nun
die für einen juristisch gebildeten jungen Manne besonders
beschämende Belehrung: „Die katholische Kirche gibt nicht
nur die Namen der Ausgetretenen an den Portalen und
sonstigen frequentierten Orten der Kirchengebäude durch An¬
schlag bekannt, sondern läßt diese Anschläge sogar ein ganzes