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Im deutschen Reich.
macht hat.*) Das aber scheint uns unzweifelhaft, daß auf
vornehm und edel denkende Naturen das bloße Wiederkäuen
längst widerlegter antisemitischer Verleumdungen und brutaler
Hetzereien widerwärtig wirken muß und keinen vorurteils¬
freien Mann zum Judengegner machen kann.
Hingegen ist es nicht ausgeschlossen, daß die beständige
Wiederholung von Unwahrheiten, wenn sie ohne Widerlegung
bleiben, in den Kreisen, die gedankenlos jedem Schreier Nach¬
läufen, schließlich als Wahrheiten Geltung findet und Leute
gegen die Juden aufreizt, die diesen bisher gleichgültig
gegenüberstanden. Es verdient auch Beachtung, daß durch
Schriften wie „Der Kampf gegen das Judentum", uralte Schlag.
Worte bei denen aufgeftischt werden, die stets auf die schlimmsten
Instinkte der Massen, Eifersucht, Argwohn, Neid und Haß,
spekulieren, um ihre eigene Schuld an dem Elend zu ver¬
tuschen und den gerechten Zorn auf die Juden abzuwälzen.
Die neue Aufiage des Stilleschen Werkes enthält nichts
wesentlich Neues und das wenige Neue müßte Leute mit guter
Geistes- und Herzensbildung abstoßen. Wir widmen dem Buche
Stilles nur deshalb eine längere Betrachtung, damit unsere
Freunde sehen, mit welchen Waffen man uns bekämpft, und da¬
mit in unseren Reihen die Ueberzeugung gefestigt wird, wie not-
wendig Eintracht ist äußeren Feinden gegenüber, die in zähester,
beharrlichster Weise den „Kampf gegen das Judentum" teils
*) Bei der Versendung des Stilleschen Buches war, wie wir
nachträglich erfahren, ein Zettel beigelegt, in dem u. a. folgendes
gesagt ist:
„Von diesem Buche sind 10 000 Stück an gebildete Volks¬
genossen gesandt worden. Die Mittel dazu wurden aufgebracht
von Männern, die ihr Volk geliebt haben. — Wenn Ihnen viel¬
leicht Einzelheiten in dieser Schrift weniger gefallen sollten, so
wollen Sie bedenken, daß sie nicht von einem politischen Schrift¬
steller kommt, sondern von einem Manne aus rastloser, segens¬
voller Tätigkeit im ärztlichen Berufe, der sein Herz» seine Sorge
und Angst deutschen Brüdern und Schwestern offenbaren wollte.
Der Verfasser selbst — und nur er allein — möchte für den Inhalt
dieser Schrift verantwortlich sein. — Möchten Sie an unserer Auf¬
klärungsarbeit teilhaben und uns in den Stand setzen, noch mehr
dieser Bücher zu versenden, so sind uns Geldbeiträge für diesen
Zweck sehr willkommen. Wir haben den Mut zu glauben, daß
nach und nach Zehntausend« guter Schriften, in deutsche Hände ge¬
legt, eine groß« völkisch« Gemeinde erwecken und zu gemeinsamer
Tat aufrufen werden. Täuschten wir uns aber» lehnten Sie dieses
Buch ab, so dürfen wir Sie. wohl bitten, es an uns zarückzuschicken;
die verursachte Müh« bitten wir freundlichst zu ^entschuldigen:*