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Zei tschau
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Hier haben wir den Grnnd des Kampfes, der in jenem
Beschluß der Burschenschaften und der katholischen Verbindungen
noch scharfer zum Ausdruck kommt: nicht andersgeartet sollen
wir sein, sondern schlechtergeartet.
Der jüdische Bildhauer, der eine Statue entworfen hat, die
der: Schmerz des Volkes um seine im Kriege gefallenen Brüder
und Söhne oersinnbildlichen soll, gehört der Welt an, die mit dem
deutschen Volke nichts gemein haben soll. Wie kann er empfinden,
was deutsche Herzen fühlen, in die der Krieg Wunden gerissen
hat? Wie kann er es wagen, diesem Schmerz durch sein künst¬
lerisches Schaffen Ausdruck Zu geben? (Das Herz der jüdischen
Mutter, die ihren Sohn dahingegeben hat, sieht offenbar anders
aus als das Herz der nichtjüdischen Frau, die am Grabe ihres
Kindes weint!) So aber heißt es nicht nur hier, sondern aller»
wärts: das geistige Leben des deutschen Volkes muß rein
werden von jüdischem Einfiuß. Nichts Jüdisches darf in ihm
bleiben, nicht darf die Presse, nicht darf die Wissenschaft, nicht
darf die. Kunst mit Juden in Berührmlg bleiben, wenn sie
deutsche Presse, deutsche Wissenschaft und deutsche Kunst heißen soll.
Vollkommener Ausschluß aller Juden nom geistigen
Leben des Volkes, das ist der Weg, den die Gegner gehen.
Herr Kunze will als letztes Mittel irn Karnpse das
„Deutsche Witzblatt" herausgeben. Während des Krieges hat
man mitunter es empfunden, als ob durch all das Heulen und
Toben der Geschütze eine gellende Lache hindurchgetönt hätte,
als ob irgendeine Kraft in. der Welt in hohnlachender Ver¬
zweiflung sich über das Morden, sich über das Vernichten-hin¬
weggehoben hätte. Solch eine Lache möchte man hören, eine
Lache, die einem noch auf Jahre hinaus in den Ohren gellt,
wenn man dieses Schlachtfeld überblickt, aus dem nun auch
noch dieses Geschütz ausgestellt wird. Sprossende Saaten aus
einem Boden, der jahrelang nur mit Blut und mit Tränen und
mit Kummer gedüngt worden ist, wollen aufschießen, schon aber
werden sie aufs neue niedergetreten. Das ist das Werk der
Judengegner, die ein Volk, das aus der Not hochzukommen sucht,
in neues Elend zurückbringen wollen. Unzählige Summen, un¬
zählige Kräfte werden zu diesem scheußlichen Beginnen aufge¬
braucht. Und nur deshalb erwähnten wir diese Absicht eines
der dunkelsten Vertreter der antisemitischen Agitation, um zu
zeigen, welche Mittel angewendet werden.
Grund, Weg und Mittel! Sieht man nun, wie umfassend
der Plan angelegt ist, der gegen uns im Vermchtungskampf
verwirklicht werden soll!
Und das Ziel? Soeben erscheint in der „Deutschen
Zeitung" ein Artikel, der betitelt ist „Der Centralverein d.S. j.G."
Wir sind über die liebevolle Aufmerksamkeit,' die man uns