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einstens, zu Zeiten des Arrtiochus Epiphanes, nur wenige
ahnten, daß ein Makkabäersproß unter ihnen weilte. Aber die,
die sich aufs innigste sunt dem Judentum verbunden fühlen,
die wissen, daß diese Kraft doch da ist! Sie haben das Ver¬
trauen auf ein Ueberwinden der Not niemals aufgegeben. Und
zu denen, die am stärksten diese Erkenntnis haben, gehört die
jüdische Jugend. Wenn mau sieht, wie regsam jüdischer Geist
in der jüdischen Jugend lebt, dann fühlt man, daß ein Grund
zum Verzweifeln nicht gegeben ist. Aus der Jagend quellen
uns neue, rauschende, schäumende Ströme jüdischer Kraft ent¬
gegen. Wir werden diesen Kraftstrom von manchen Beimen¬
gungen reinigen müssen, wir dürfen ihm jedoch niemals seinen
Weg abschneiden- Tragen wir wie zu Zeiten der Makkabäer alle
unser Scherfleiu bei zu dem großen Kräftezusammenfluß, und es
wird' erreicht werden, was erreicht werden muß.
Diese Hoffnung ist der nie versiegende Segen, der uns aus
der Erinnerung an die Makkabäerzeit kommen muß.
Und nun noch einige persönliche Worte:
Wenn ich hier noch einmal über die dringende Notwendig^
keit des engsten Zusammenarbeitens zwischen Älter und Jugend'
in der jüdischen Bewegung, im Kampf gegen die Gegner des
Judentums reden konnte, so soll der Wunsch, daß diese Ver¬
bindung glücklich hergestellt werde, zugleich ein Abschiedswunsch
an dieser Stelle sein. In der Arbeit mit der jüdischen Jugend habe
ich die erste Erkenntnis der ungeheuren Bedeutung des Schaffens
für die jüdische Gemeinschaft kennengelernt. Wer hier mit
ganzem Herzen mitgearbeitet hat, der weiß, welchen Antrieb das
ganze jüdische Leben durch die Jugend bekommt. Er muß
als innigsten Wunsch den nach einheitlicher Arbeit haben.
Auf dieses Ziel hinzuarbeiten, muß der Wille aller Teile
des Vereins sein. Wenn in nicht zu ferner Zeit dieses Blatt
in anderer Art und häufiger seinen Lesern zugänglich gemacht und
damit ein Wunsch erfüllt wird, der seit anderthalb Jahrzehnten
sin unserem Verein rege ist, so wird die Verbindung zwischen
Leitung und Lesern hoffentlich eine noch engere werden. Daß
ich die Vorbereitung für diese grundlegende Umänderung noch
leisten und treffen durfte, ist nur eine besondere Befriedigung.
Ich nehme Abschied mit dem Wunsche, daß die Arbeit, die
wir leisten, gekrönt werde durch die unbedingte Anerkennung
der beiden Begriffe, die ja letzten Endes doch nur einen
Begriff darstellen: deutscher Jude. Es gibt einen Weg,
der allein und sicher zu diesem Ziele führt. Diesen Weg sind
die Makkabäer gegangen, diesen Weg müssen wir gehen, und
das, was uns zielsicher den Weg weist, ist der Wille zum
I u d e n t um.
. - 9..'Dezember 1920. K. A.