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Vermischtes.
Sj Zuderrfeitrdliches rrnd Juderrfreurrdlrches.
Ausschreitungen gegen Br. BeermaLd. Eine Versammlung der
nationalsozialistischen .deutschen Arbeiterpartei in München, von Ende
September endete mit pöbelhaften -Ausschreitungen gegen Rabbiner
Dr. Baerwald, der in der Diskussion das Wort ergreifen wollte. Unsere
dortige Ortsgruppe richtete darauf an Dr. Baerwald ein Schreiben, in
dem ihm der Dank für sein. mannhaftes Verhalten im Interesse des
Judentums ausgesprochen wurde. Diese Erklärung erschien in der baye¬
rischen Presse. Der Münchener Erzbischof Dr. Faulhaber und D. Veit,
der Präsident des protestantischen Oberkonsistoriums, die beide die Er¬
klärung-, zugesandt erhielten, erwiderten folgendermaßen:
Präsident des Protestantischen München, den 8. Oktober 1920.-
Oberkonsistoriums.
Mn die Ortsgruppe München
; des CenLralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen . Glaubens.
Hoch geehrte Herren!
Für die gütige Zusendung der an Herrn Rabbiner Dr. Baerwald
gerichteten Kundgebung, die gleicherweise den Empfänger wie die Ab¬
sender ehrt, danke ich ergebenst. Es ist bedauerlich, daß in einer Zeit,
in der alle Kreise, die es mit unserem armen Vaterlande gut meinen,
nur darauf bedacht sein sollten, vor allem in ihrer eigenen Mitte, alles
-Bose und dem Gemeinwohl Schädliche zu bekämpfen und abzutun,
fanatische Leidenschaft an der Arbeit ist, einen Haß zu 'schüren, der die
wahren Quellen unseres Elends verkennt und die inneren Zusammen¬
hänge Übersieht, wie sie die Offenbarung Gottes zwischen Judentum und
Christentum für alle Zeiten geknüpft hat. Von diesem Glauben aus kann
allein bie Spannung, die durch die Jahrhunderte her bestanden hat
und zuweilen zu den beklagenswertesten Ausbrüchen gediehen ist, in
einer für beide Teile erfreulichen Friedsamkeit gelöst werden.
In Verehrung
ergebenst gez. D. Veit.
München, den 4. Oktober 1920.
An den verehrlichen Eentralverein deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens, Ortsgruppe München,
Sendlingertorplatz 6a., I.
Für die Uebersendung einer an Herrn Rabbiner Dr. Baerwald
gerichteten Kundgebung beehre ich mich ergebenst zu danken. Da ich per¬
sönlich in gleicher Lage war und im vorigen Jahre in einer unerhörten
Weise in einer öffentlichen Versammlung persönlich beleidigt wurde, ohne
daß dafür irgendeine Sühne gefordert wurde, kann ich mich dem Wunsche
des Centralvereins nur von Herzen anschließen, es möge die öffentliche
Rede- und ebenso die Presse mehr Gewissenhaftigkeit lernen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Dr*. M, Faulhaber,
Erzbischof.
„Heiko", Lesergemeirrde des „Deutschen Wochenblattes". Die Leser¬
gemeinde des Deutschen Wochenblattes „Hello" wendet sich in
einem, vertraulichen Rundschreiben! an ihr geeignet erscheinende Mit¬
bürger, um von ihnen Mittel für die Lesergemeinde des Deutschen
Wochenblattes zu erhalten. Der Vorstand dieser Lesergemeinde setzt sich
nach diesem Rundschreiben aus folgenden Herren zusammen: Oskar
Berger, Gutsbesitzer, Berlin; C. Knaudt, Amtsgerichtsrat, Liegnitz;
R. Wittstock, Ingenieur, Berlin; Dr. Vetzer, praktischer Arzt, Pforten