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Im deutschen Reich
(N.-L.); Armin Jrmisch, Ingenieur, Berlin; Kurt Tusche, Arbeiten
Charlottenourg; Or. K. £). Blümel, Facha^^^ -tSrrTf^ n förrnTp* $vr?phr?rf»
Veiegraphenjelretür,
Schmidt, Kaufmann, Berlin; Konrad
Görlitz; Eberhard Reimann, Buchdrucker, Berlin,
Antisemitismus bei d§rr Eisenbahnen. Auf das energische Vorgehen! der
Ortsgruppe Ludwigshafen Des C-. V. gegen die Verbreitung von antisemiti¬
schen Flugblättern durch Bahnbeamte erwiderte die Eisenbahndireltion
Ludwigshafen-, daß den betreffenden Beamten die Mißbilligung der Eisen-
bahndirekrion ausgesprochen worden fei, und daß die Eisenbahndirektion
auch in Zukunft eine derartige Tätigkeit der Beamten in den Dienst¬
stunden nicht dulden würde.
b) Nachrichten aus derrr Mdrschen Lebsrr.
Populär-rmssenschastliche, Vackräge. Das Mitglied unseres Haupt-
Vorstandes, Rabbiner Di. Iacob - Dortm u nd , har in drei
hintorsinanderfülgenden Monaten in der Synagoge zu D o r i ni u n d
populär-wissenschaftliche Vorträge über das Judentum, und zwar über
folgende Themata, gehalten:
1. Die 10 Gebote (Moral und Religion).
2. Moses und der Sozialismus.
8. Talmud und Schulchan aruch.
Die Vorlesungen waren von 800 bis 1000 Personen aller Konsessionen
besucht, die den Vorträgen mit äußerster Aufmerksamkeit folgten. Wir
würden es begrüßen, wenn in anderen Städten gleiche Veranstaltungen
stattfinden würden.
Der „Deutsch-Israelitische Gemcmdebrmd^ übersendet uns eine ^Ein¬
gabe, die er unter dem 16. November an die Preußische Landesversamm-
lung gerichtet hat, und in der er in ausführlicher Darstellung um Ma߬
nahmen zur Besserung der Lage der aus dem Osten .vertriebenen jüdischen
Lehrer ersucht.
Das 25. Stiftungsfest des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen
Glaubens. Am 5. Dezember 1920 leierte der Verein selbständiger Hand¬
werker jüdischen Glaubens zu Berlin sein 25jähriges Stiftungsfest.
Unter den ca. 1800 Erschienenen befanden sich Vertreter der Gemeinde¬
behörden fast sämtlicher jüdischen Organisationen sowie der Ortsvereine
Breslau, Beuchen, Hamburg, Hannover, Bielefeld und Düsseldorf. Herr
Louis W o lff, der 1. Vorsitzende, begrüßte die erschienenen Abordnungen
und gab einen kurzen Ueberblick über die Vereinsgeschichte. Von den
Ansprachen verdienen die Ausführungen des Herrn Obermeister Rettich,
Vorstandsmitglied der Berliner Handwer§skammer,besonders hervorgehoben
zu werden. Er lobte den-Fleitz der jüdischen Gehilfen und Lehrlinge und
wies darauf hin, daß die jüdischen Handwerksmeister zu denen gehören, die
nicht zur Schmutzkonkurrenz gezählt werden können. Es ist ein besonderes
Verdienst der jüdischen Handwerker, daß sie die Arbeiten genau kalkulieren,
wozu sie auf Grund ihrer gewissenhaften Ausbildung in der Lage seien.
Es sei nicht zu unterschätzen, daß der jüdische Handwerksmeister auf
angemessene Preise halte und jederzeit für das Ansehen des Handwerker¬
standes eintrete. Zum Schluß forderte er die anwesenden Meister,
Gehilfen und Lehrlinge auf, in den Innungen, Verbänden usw. die
falschen Vorurteile gegen die Juden durch ihr persönliches Auftreten zu
zerstreuen und dem Gegner Gelegenheit zu gebenden jüdischen Hand¬
werker aus eigener Anschauung kennenzulernen. Mit den besten Wünschen
für das Weitergedeihen des Vereins schloß der Redner. Der offizielle
Teil der Veranstaltung fand gegen 9 Uhr sein Ende.