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Zeitschrift
des
CMMVMWZ deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.
ErschernL elfmal im Jahre. —
Der „Central - Verein deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens" bezweckt, die deutschen Staats¬
bürger jüdischen Glaubens ohne Unterschied der
religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um
sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürger¬
lichen und gesellschaftlichen Gleichstellung/sowie in
der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zu üe-
siärlen. (§ 1 der Satzung des Vereins.)
XXVII. JshVg.
Berlin, Fsbrmav 1921. . $lv+ 2
Die Ir;der? irr der medizinischen Wiffenschnft
GeEchlands.
Bon Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin-Wilmersdorf.
Sultane und Päpste hatten Leibärzte aus der jüdischen Gemein¬
schaft. Und selbst ein päpstliches Edikt eines glaubensstarken Nach¬
folgers Ehnsti auf Erden gegen die Leibärzte hatte kein zu langes
Leben. Papst Sixtus nahm es zurück. Chasdai, Jehuda Halevi
'und Mairuonides waren Aerzte. An den Hochschulen Spaniens
itnb Südfrankreichs treffen wir jüdische Aerzte; in Deutschland
haben, sie bereits im frühen Mittelalter einen guten Namen, selbst
Jüdinnen dokterten schon in Würzburg im 14. Jahrhundert. In
Amsterdam konnte ich für die Zeit Spinozas ungefähr 20 jüdische
l'lerzte feststellen. In Hamburg ward damals ein jüdischer Arzt
vorn Kaiser so hoch geehrt, daß seine christlichen Kollegen vor
Neid dickleibige Pamphlete gegen die jüdische Konkurrenz verfaßten.
Wie groß muß die Bedeutung der jüdischen Aerzte gewesen sein,
wenn sie trotz all der Vorurteile, trotz der vielen Beschränkungen,
die ihrem fefuMitm entgegenstanden, in weiten Kreisen immer wieder
durchzusetzen 'sich verstanden.' lieber die Bedeutung der jüdischen
Aerzte für die medizinische Wissenschaft in Deutschland zu schreiben,
müßte uran unterlassen, wenn nicht selbst in jüdischen Aerztekreisen
das Wissen der geschichtlichen. Tatsachen allzuoft mangeln würde,
lind auch sonst ist die Erkenntnis, die Prof. Dr. A. Eulenburg in
der Broschüre „Judentaufen" (München, 1912) uiederlegte, doch
nicht Allgemeingut der Gebildeten. Eulenburg schrieb:
„Auf dem Gebiet der Medizin haben sich die Juden, wie alt¬
bekannt, seit nahezu einem Dezennium als ausübende Aerzte, als
Lehrer und Forscher unvergängliche Verdienste erworben. Wenn ich
an meinen eigenen Studiengang zurückdenke, so haben von allen
meinen akademischen Lehrern der große Kliniker Traube und der
berühmte Nervenarzt Nomberg,, den man seinerzeit als König/deZL