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ein Heller Tag historischer Gerechtigkeit kommen werde, wo
Deutschlands Christen sich beeilen werden, die Schmach sol¬
cher Entbehrung von sich'abzuthun, und, in gleichen Rechten
und Pflichten durch ein Wand der Liebe vereint, mit ihren
jüdischen Mitbürgern auf Freundesfuße zu leben, sich
werden angelegen sein taffen. Einmal war es nöthig,
darüber ein Wort der Verständigung auszusprechen.
Ungarn.
Pesth, 1. Dec. (A. Z. d. I.) Jst's auch vielleicht
in Deutschland schon überflüssig, so ist's doch in Un¬
garn gegenwärtig in doppelter Beziehung, nach innen
und außen nämlich, nicht unwichtig, auf die scientisischen
und artistischen Leistungen derZsiaeliten von Zeit zu Zeit
aufmerksam zu machen. Was nun diese betrifft, so
sind folgende Männer gewiß würdig, den Lesern dieser
Blätter näher bekannt zu werden. Sie gm und Sa¬
phir, Doctor der Medicin in Pesth, lieferte eine gute
lateinische Ueberfetzung der Hempetschen Anatomie. Dem
deutschen Publikum ist er als Uebersetzer einiger Dramen
von Victor Hugo und als umsichtiger Redacteur des
Pesther Tageblattes rühmlichst bekannt. Baruch Schön¬
feld aus Scenitz l), einer der hebräischen Prosaiker un¬
serer Zeit, bekannt durch mehrere im schönsten Hebräisch
abgefaßce Schriften, und der gerade' jetzt im Begriffe
ist, ein neues Werkchen herauszugeben, das bei dm
Liebhabern der neuhebräischen Literatur gewiß die freund¬
lichste Aufnahme finden wird. Karl Beck, aus Pesth,
dessen gepanzerte Lieder in Deutschland zu bekannt sind,
als daß ich über ihn hier umständlicher sprechen solltet)
Herr mann Klein, verdienstvoller Uebersetzer mehrer
Jäsikaschen Romane. Aron Chorin, Rabbine in
Arad, der in Deutschland bereits Anerkennung gefunden,
und auch in vielen Blattern bei mehren Gelegenheiten,
rühmlichst genannt wurdet). Wilhelm Schlesin-
1) Mitarbeiter an der zu Men bei v. Schmid erschienenen
Jahresschrift Bikure Ha-Ittim. Das Werkchen, das er
jetzt herauszugeben gedenkt, ist eine hebräische Anthologie.
2) Später hat er den fahrenden Poeten, Stille
Lieder und ein Drama Saul geschrieben; er ist im Kreise
feiner Freunde in Leipzig auch durch die Sonderbarkeit be¬
kannt, sich deshalb nur nicht raufen zu lassen, damit man
nicht dadurch merken soll, daß er ein Jude geboren sei.
3) Bekannt durch seine für Reformen im Kultus und
Erleichterungen des rabbinischen Joches herausgegebenen Bro¬
schüren: Jgeret Elasaf. Prag, 1826. 8. — Schirjon
Kaschkaschim — Kuntras Imre Noam — Emek ha¬
ger aus Pesth, dessen geistvolle Recensionen und Kriti¬
ken sehr beliebt sind. Weniger Regsamkeit haben die
ungarischen Israeliten bisher auf dem Gebiete der Kunst
gezeigt, doch sind sie auch hier nicht müßig geblieben.
Ich nenne nur Greiner aus Sar Dahel, der in Wien
als erster Kalligraph bekannt ist, und in seinem Fache
wirklich Bewundernswerthes leistet; den renommirten und
beliebten Porträtmaler Fischer und den Violm-Virtuosen
Marcus R'oßavolgyi (Roftnthal) aus Pesth, der
nicht sowohl seiner mechanischen Gewandheit, als der
Originalität wegen gerühmt wird, welche er in Auffassung
und Erecutirung der Nationallieder und Tanze beurkun¬
det. Er wurde in Pesth, Raab, Pnpa, Steinamanger
und Preßburg mit vielem Enthusiasmus gehört, und
seine magyarischen Cowpositionen finden vielen Anklang.
Wahre Anerkennung fand auch der hoffnungsvolle Vio-
linspiele Michael Hauser in seiner Vaterstadt Pre߬
burg, wo er öfters in öffentlichen Concerten, und einige
Mal bei einem kunstliebenden, hohen Prälaten spielte.
Allgemeine Bewunderung erregt der junge, achtjährige
Joachim in Pesth, welcher bedeutend auf der Violine
zu werden verspricht. Am wenigsten wird das eigentlich
wissenschaftliche Gebiet des Judenthums bearbeitet. Außer
den Schriften Chorin's, welche mehr practische als
wissenschaftliche Tendenzen haben, und denen Schön-
feld's, welche pädagogische Zwecke erstreben, sind noch
die Leistungen M. Stern's^) und der L. Dukes^)
aus Preßburg zu erwähnen. (Schluß folgt).
S ch a w e und Rösch A m a n a, 1803 — Maa m ar Ni f ch -
mat Chaja und Maamar Dirat Aharon. — Dabar
ba - Itto, ein Wort m seiner Zeit, hebr. und deutsch, Wien,
3 820. — AirNeeman, der treue Bote, hebr.,deutsch, Prag, 1831.
4) Von ihm ist eine metrische Uebersetzung des Liedes über
die Gotteseinheit (Schir ha Iichud), das hebräische Epos
Tiferet ha -Tischbi, der Tisbite, nach der Weise der
Wessely'scherr Mose',de, in zwei Theilen, dann jüngsthin
eine schöne hebr. Elegie, betitelt Ebel Mosche, über Moje
Sofer,u. s. w. erschienen. Herr Stern ist gegenwärtig in Wien.
5) Für jüdische Literaturgeschichte unter allen genannten
der wichtigste. Im Jahr 1837 gab ec in Wien das Büchlein
heraus: Ehrensäulen und Denksteine zu einem künftigen Pan¬
theon hebräischer Dichter und Dichtungen. Ein Versuch mit
hebräischen Beilagen und deutschen Uebersetzungen. Im Jahre
3839 gab er zu Altona die Monographie heraus: Moses
Ben Esra aus Granada. Darstellung seines Lebens und
literarischen Wirkens, nebst hebr. Beilagen und deutschen
Uebersetzungen. Weniger von Werth ist seine zu Prag er¬
schienene Raschi-Uebersetzung zum Pentateuch und seine Mit¬
theilung in den Isr. Annalen.
Verlag von C. L. Fritz sch (U
Druck von I. H. Nagel.