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Die letzte der genannten Städte möge den Cyklus der
Berichte eröffnen, und eine historische Relation über die
Gemeinde zu Triest, wie sie die I. A. jüngsthin gege¬
ben, möge hier mit einigen Abänderungen seinen Platz
finden.
„Aus alten Chroniken erfahren wir, daß schon im
zehnten Sacutum Israeliten zu Triest wohnten. Ein
vorhandenes Aktenstück, eine Notar-Bescheinigung, ge¬
zeichnet 21. Febc. 949, giebt an, daß David Daniel,
ein. Färber, dem Bischof und Herrn dieser Stadt
46,081 fl. geliehen hatte; und als einige Zeit nachher
die Stadt vom Volke regiert ward, so. wurde ein Zsrae-
lite zum Banchiere des Gemeinwesens mit vielen Pri¬
vilegien ernannt. Jndeß hat man keinen Leichenstein
gefunden, welcher über 1325 zurückginge. Im siebzehnten
Jahrhundert wurde hier Emanuel Porto geboren,
der Verfasser mehrerer mathematischen Werke, wovon
eins dem Kaiser Ferdinand lll. gewidmet ist. Es
scheint, daß erst 1694 sich so viel Israeliten hier ein¬
fanden,, um eine kleine Gemeinde zu bilden, indem erst
in diesem Jahre von Kaiser Leopold I. ein Bezirk
für die Israeliten (Ghetto) angewiesen ward. Später
ward vermöge Decrets Joseps I. eine Synagoge eröff¬
net. 1747. wurden die ersten Gemeinde-Statuten ent¬
worfen und von der kaisert. Regierung bestätigt. So¬
bald die Israeliten sich des höchsten Schutzes. erfreueten
und als Triest zum Freihafen erklärt ward, zeigte sich
auch hier, wie an andern Orten, ihre Thätigkeit in ihrer
ganzen Ausdehnung. Im Jahr 1756 errichtete einLuz-
zatto eine Lederfabrik, 1759 Raffael Marsilio eine Pa¬
pierfabrik; 1760 ward Marco Levi, wegen seiner treuen
Dienste und großen Einsichten zum Hofagent Ihrer Ma¬
jestät Maria Theresia ernannt; 1771 gab diese Kaiserin
den Israeliten viele Privilegien, als Zeugniß, wie das
kaiserl. Decret besagt, ihrer Zufriedenheit über ihre Mit¬
wirkung zum Emporkommen der aufblühenden Stadt.
Sie ernannte in der Folge zum Hoffactor Joachim
Hirschel, Großvater -des jetzt lebenden Mose Hir¬
sch e l, welcher für den reichsten und wohlthätigsten Mann
in', der ganzen Stadt gehalten wird. •—■ Mit Joseph
ll. ging ihnen 1780 eine, neue Sonne auf; israelitische
Normalschulen wurden eröffnet; es ward ihnen vom.
Kaiser, was bisher nicht statt fand, erlaubt, die Hoch¬
schule zu besuchen; sie wurden für fähig erklärt, als Bör-
sendeputirte zu fungiren, und das Ghetto ward aufge¬
hoben, selbst dessen. Name abgeschafft. So klein auch
die Anzahl der Israeliten damals noch in. dieser Stadt
war, so 'waren sie doch die Ersten, welche den weisen und
verständigen Vorschlägen des Na ft all Wessely zur
Besserung des Erziehungswesens Gehör gaben, indem sie
1782 eine? Talmudschule nach den Grundsätzen dieses
würdigen Mannes errichteten.
Gleichzeitig bereicherten die Israeliten, welche man
mit Unrecht beschuldigt, nur für den Kleinhandel Sinn
zu haben, die Stadt mit vielen Fabriken. Isaak Cu¬
rie l errichtete 1787 eine, in riner Hafenstadt so nöthige
Pechfabrik,'1808 errichtete Anselmo Finzi eine Seifen¬
fabrik, welche jetzt so sihr sich ausgedehnt hat, daß sie
den Titel Nationalfabrik mit vielen Privilegien erhalten;
1816 entstand die Fabrik von ■Crernor Inrlnri unter
der Firma Coen e Finzi. In den letzten dreißig
Jahren hat sich die israelitische Bevölkerung ungemein
vermehrt und an Wohlhabenheit und schönen Anstalten
ebenfalls zugenommen, so wie auch einen bedeutenden
commerziellen Einfluß gewonnen. Die Gemeinde, welche
in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus etwa 20
Familien bestand, zahlt jetzt über 2,600 Seelen. ' Schon
seit 1821 besitzt sie eine Normal-Hauptschule für Kna¬
ben, welche das Prädicat kaiserl. königl. Hauptschule
führt, und eine Volksschule für Mädchen. In beiden
Anstalten unterrichten geprüfte Lehrer und Lehrerinnen.
Beide werden von der Gemeinde erhalten und kosten jähr¬
lich 4,200 fl. Die Zahl der Kinder belauft sich auf 150.
Es war in demselben Jahre 1821, als der mm verewigte
Kaiser Franz 8. verordnet, daß dm Israeliten seiner
Staaten, wie bisher, gestattet sein solle, ihre Gebete in
der alten hebräischen Sprache abzuhallen, weise hinzu-
fügend, daß die Gebete gleichzeitig in die jedesmalige
Landessprache übersetzt werden sollten. Damals war es
ein Triester Israelit, und zwar kein anderer als der jetzt
ziemlich berühmt gewordene Samuel David Luz-
zatto, welcher zur Zeit kaum das 4te Lustrum seines
Alters zurückgelegt hatte, er war es, welcher durch die Ue-
bersetzung den Gebete in's Italienische dem kaiserlichen
Decrete auf ehrenvolle Weise entsprach. Die Gemeinde
von Triest darf darauf stolz sein, ihren Landsleuten einen
solchen Mann gegeben zu haben, der durch philosophische
Untersuchungen, vortrefflche Verse und ausgezeichneten
Unterricht in der Rabbinenschule zu Padua die hebräische
Literatur in Italien so sehr gehoben hat, .und es.nicht
zuließ, daß die nicht-israelitischen Golehrten sich rühm¬
ten, für unsere Literatur mehr zu leisten als wir selbst.
Verschieden von dieser Schule ist die Anstalt für Reli¬
gionsstudien, welche der Ritter Abraham Cologna,
Rabbiner hieftlbst 1827 bis 1832 erneuerte und vor¬
trefflich ausstattete; eine Schule, wo Bibel und Tradi¬
tionswerke nach philofophischer und rationaler Methode
gelehrt werden.- Sie kostet 3,000 fl. jährlich. Es ist
zu hoffen, daß aus dieser Schule die jungen Leute besser
als bisher in der väterlichen Religion unterrichtet, und
vielleicht aucb einige Gelehrte besser hervorgehen wer^
den; leider sind wir jetzt so arm in der hebräischen Ge¬
lehrsamkeit, daß kaum noch eine kleine rpw sich hält,
und das mehr zur Erbauung weniger Frommen, als
zum öffentlichen Nutzen.
. Besser versehen sind die Wohlthatigkeitsanstalten, und
die Freigebigkeit in dieser .Hinsicht erregt Erstaunen.
Außer einem Hospital, welches schon 15,000 fl. Capital