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Gelehrten jüdischen Glaubens auch sogar außerland wis¬
senschaftlichen Sinn verbreiten zu lassen, wie Munk in
Paris, Valentin in Aürch, Fürst in Leipzig beweisen;
denn alle sind preußische, Preußen liebende Unterthanen.
„Thatsache ist es, daß gerade in der neuern Zeit,
welche die Juden als solche zu drücken doch immer
mehr aufhört, sie sich in großer Zahl dem Christen-
thume zuwenden, und wieder geschieht dieß dort am
meisten, wo sie den Christen im bürgerlichen Gesetze ganz
gleich gestellt sind. In Frankreich lassen die jüdischen
Familien ihre Kinder in der Lieget christlich erziehen, und
so schwinden sie allmahlig in die Nation hinein.
Druck und Noch haben noch Niemanden bekehrt,
viele verderbt. Der Jude kann mit größerer Ehre
sich dem Christenthum zukehren (natürlich ich meine
ehe er dieses genauer kennt), wenn er durch dessen öf¬
fentliches Bekenntniß keine weltliche Vortheile erwirbt,
als wenn er deren dadurch erlangt. Je naher und inni¬
ger die Juden mit den Christen verkehren, desto mehr
Anregung und Gelegenheit suchen sie auch den christlichen
Geist kennen zu lernen, und sich ihm ganz cmznfchließen."
Wer seit einem Jahrzehend einen Blick auf die her¬
vorgetretene Gesinnung der Juden geworfen, der wird vom
Gegentheile überzeugt seym Früher freilich hat Berlin
allein ein Drittel zum jährlichen Contingent der Juden-
christen geliefert, aber es ist gewiß, daß die Hälfte der
Apostaten nur durch Noch und durch Harte der Gesetz¬
lichkeit ihren eigentlichen Charakter verlaugmt haben.
Jetzt beim erwachten Bewußtseyn im Judmthume ist der
jüdische Charakter auch gegen Noch gestählt; in Frank¬
reich, in Holland und auch in Berlin hat das Christen-
thum gegen das erstarkte Bewußtsein jene oft gerühmte
Uebergewalt der Ueberzeugung verloren. Die etwa hie
und da noch verlornen, verirrten Kinder Israels, die für
ein Stück Schweinefleisch sich jetzt noch dem Christen-
tzume in die Arme werfen, können gewiß nicht als
Trophäen des Evangeliums angesehen werden. Wenn
von einem feindlichen Entgegensetzen dieser zwei Reli¬
gionen die Rede sein kann, so könnte der Jude fast
mit Recht sagen, daß solche Apostaten dem Judenthume
einen zweifachen Dienst lcistendenn das Befreien des
Zudenthums von einem verkümmerten Charakter ist ein
Dienst, und die Zuschiebung desselben dem Christenthume
wäre noch ein größerer. „Der Umstande, welche wohl
anderwärts der Judenemancipation im Wege stehen,
Hiebt .es in Deutschland nur wenige. Eine eigenthüm-
Liche Stellung nehmen die Juden in vielen östlichen Län¬
dern Europas^ein, namentlich in Schlesien, Ungarn,
Polen, und merkwürdiger Weise findet hier und
da das nackte Prmcip ihrer Emancipauon, weil dar¬
über im liberalen Geist so viel gesprochen wird, eifri¬
gere Freunde als selbst die Begründung eines blühenden
Städtewesens und die Emporhebung des Bürgerstandes,
was doch jedenfalls mehr Noch thate. Dazu kommt,
daß die Juden dort große Capitale des Landes in Harr-
den haben, und dem bedürftigen Theil des Adels Hülss-
quellen eröffnen. In Ungarn vermehrt sich die Zahl
der Juden mit jedem Jahre, das Geld ist mil dem
Handel in ihren Händen, sie finden in mannigfacher
Hinsicht Begünstigung. Dies erinnert an die beherzt
genswerthe Geschichte der Juden ln Polen. (Sa fU
mir til., der Große, suchte auf alle Weise die Civil!-
satkon und den Wohlstand in seinem Reiche zu erheben,
er erleichterte das Loos der Leibeigenen, gab ihnen einige
Rechte (z. B. das, Soldat zu werden), schuf Städte,
rief Handwerker, Kaufleute, Künstler, Juristen und Ge¬
lehrte aus Deutschland herbei, und suchte aus den Com«
munen sogar einen neuen Stand im Staate zu errich¬
ten: zugleich führte er zuerst die Juden in Polen ein.
Man sagt, er habe eine Jüdin geliebt, und von ihr
bewegt, ihrem Volke Aufnahme und Rechte im Lande
verliehen; wahrscheinlich ist es aber, daß er in diesem
für Polen, wie jetzt für Ungarn geschieht, ein Civilisi-
rungselement sah. Was geschah nun? Von allem was
asimir gegründet und eingeführt hatte, blieben nach
seinem Tode fast nur die Juden im Lande. Denn der
Adel, eifersüchtig auf die wachsende Größe der Städte,
fühlte nichts weniger als Eifersucht auf die Juden, die
keine politische Existenz im Staate, nur eine commer-
cielle im Lande begehrten, ihm in allen Dingen, schon
weil ihr eigener Vortheil dem der Städte <. gegenüber
war, dienstlich zu Hand gingen, und ihm die Hülfs-
quelten einer steigenden Civilisation eroffneten, denen
Genüsse und Bequemlichkeiten verschafften. Adel und
Juden hielten gegen das Aufkommen eines freien, kräf¬
tigen Städtethums zusammen, und wahrend die Rechte
der Städte zum größten Theil wieder verloren gingen,
was Polens Unglück gew.orden ist, bewahrten die Juden
in Polen ihre vollen Privilegien. Die Juden konnten
abrr doch am Ende das gediegene Sradtewesen nicht
ersetzen, und haben iw Polen in mannigfacher Weise
nur einen zerstörenden Einfluß ausgeübt. Es ist ge¬
wiß zu wünschen, daß sich Aehnliches nicht in Ungarn
gestalte, wo die Juden auch anfangen, die Städte zu
ersitzen, sich dabei mit einer eommerciellm Existenz be¬
gnügend, während die Städte eine festere politische er¬
ringen wollen, ohne welche ein frisches, reiches Gedeihen
derselben unmöglich wird." — Die nackte Geschichte
widerlegt schon hinlänglich diese niedrigen Betrachtungen,
welche der Neid über die liberale Besprechung der Eman-
ciparionsfrage bei den Ungarn hervocgelockt. Der mär¬
kische Politiker kann es nicht verschmerzen, daß der Ma-
gparenstamm, ein nach seiner Meinung noch halbwilder
Volksstamm, über religiöse Freiheit der Juden klüger
sein will, als die Publicisten der Mark Brandenburg.
Und vollends erst das Slcwenvolk, wie Polen und Ober-
schlest'en, sollte doch erst bei der Hegel'schm Philosophie der
Residenz um die Erlaubniß nachsuchen, liberal denken