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Das Buch Kuzari von Brecher. Literarische Ankündigungen.
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Das Buch Kuzari
mit einem Commentar herausgegeben
von
G. Brechen
Erster Artikel.
Die philosophische Bildung eines Volkes beruht
größtenteils auf dessen Nationalität, deren getreues
Spiegelbild sie auch astreine Behauptung, deren Richtig¬
keit hoffentlich für den Geschichts kundigen keines Beweises
bedarf,- da die philosophischen Systeme aller Völker die¬
selbe bestätigen, indem alle — freilich mehr oder minder
durch äußere Einflüsse, Individualitäten der Begründer
tu s. w. wodificirt -— das Product der Nationalcha¬
raktere sind. Einen schlagendn Beweis dafür giebt aber
die jüdische Philosophie in ihrer doppelten, hier zu er¬
örternden Eigenthümlichkeit. Dieser Zweig der jüdischen
Literatur nämlich, bei; lediglich ein Product der Ver¬
bannung Israels ist, giebt eben dafür einen kräftigen
Beleg. Denn so lange Israel eine Nation war, konnte
es keine Philosophie haben, ohne seine volksthümliche
Besonderheit aufzugeben« Denn aller Philosophie Zweck
ist ein doppelter. Den Menschen über die höheren,
geistigen Kräfte des Weltalls, über den Gott in der
Natur, über den Gott in ihm, über sein Verhaltniß
als Geschöpf zum Schöpfer aufzuklären — das ist die
eine Absicht, welche sich alle Philosophen gefetzt haben:
das Verhaltniß der Menschen unter einander, ihre gegen¬
seitigen Pflichten, das sociale, staatliche Leben festzusetzen
und zu bestimmen, das ist der andere Theil aller
philosophischen Bestrebungen. Beide Zwecke aber vereinte
in sich, über beide gleich wichtige Wissenszweige enthielt
genügende Auskunft das, was der Urquell von Israels
Dasein iss, was ihm 7:0 ’A %al ro ’Sl ist, die gött¬
liche Offenbarung auf Sinai und in ihren Fortpflanzun¬
gen. Seine Religionsphilosophie, wie seine Politik, seine
Metaphysik, wie seine Ethik, Alles fand Israel in der
Bibel. (Fortsetzung folgt.)
Literarische Ankündigungen.
In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, -so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und
Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen.
[7.] In Z 0 lkiew bei Sa ul Meyerh 0 ffer ist erschie¬
nen, und sowohl bei dem Verfasser, als auch bei jeder Buch¬
handlung in Lemberg ist zu bekomwen:
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min
oder
Abhandlungen
m ü n bliches Gesetz,
über
Halacha rmd Hagada
von
Hirsch Chajas,
Rabbinen zu Zolkiew.
In 4w. Preis: ITHtr. 12Gr.
Inhalt der Hau'pttheile: 1) Ueber Verhältnis; der Pro¬
phetie, des heiligen Geistes (Ruach ha-Kodesch), des Bat-
Kol und der Mim und Tumim zur Halacha. — 2) Ueber die
Stellen im Talmud, wo der Entscheid dem kommenden Pro¬
pheten Elija überlassen wird. — 3) Ueber bloß zeitgemäße
und temporelle Halacha's in den .Talmuden und über die Um¬
zäunungen. — 4) die Majestätsrechte im jüdischen Staate und
ihr Verhaltniß zum Staatsgesetze. — 5) Ueber die exceptio-
nellen Gesetze gegen eine zum Götzendienst übergegangene
Stadt. — 6) Ueber das alte jüdische Kn'egsrecht. — 7) Ueber
die noachitischen Gebote. — 8) Ueber den Werth der vorsmai-
schen Gesetze.-— 9) Ueber die gänzliche Wegschaffung und Auf¬
hebung der sinaitischen Gebote durch Propheten und Rabbinen.
— 10) Die überlieferten Halacha's beginnen schon mit den
Propheten. — 11) Vollständige Stellenaufzahlung aus den
Talmuden, welche die Gleichstellung der Halacha dem Gesetze
besprechen. — 12) Ueber -die Halacha's von Sinai her über¬
Mrlag von C. L. Fritz sch e.
lieferte. — 13) Ueber Halacha's aus der Geschichte entnom¬
men, wo sie blos als Minhag gelten. — 14) Ueber Worcer-
klarung aus den Propheten. — 15) Ueber die Auslegungsar-
ten oder Midot. — 1(5) Ueber alle Takanot und Geserot, welche
die Talmuden den Propheten zuschreiben..— 17) Ueber die
Hinzufügungen zum mosaischen Gesetze (Bat-Tosif). — Itz) Sind
die Umzäun ungen und öke Takanot wirklich Hinzufügungen ? —
19) Wie weit erstreckt sich das Gebot Lo - Lasur? — 20) Ob
man von ernem Meinungsstreit sprechen kann bei Halacha's,
die Halacha le Mosche genannt werden. Ueber Halochot ft-
tumot.—
Die übersichtliche Anzeige des Inhalts wird hinreichen,
dieses Wcrk> allen .Forschern des jüdischen ALtcrthums zu
empfehlen.
[S.] Durch den Unterzeichneten, so wie durch alle Buchhand¬
lungen sind zu beziehen:
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oder
hebräisches Lrauerlied
über den Tod des gelehrten Lalmudisten
ItafrM Mosche Sofer,
Rabbinen zu Presbucg,
verfaßt von
M. jB. SteQ-n,
in Wien.
Zn 8. Preis: 4 Gv. n.
Dieses hebräische Gelegenheitsgedicht, von dem durch sein
Tis er et ha - Tisch bi bekannten Verfasser, dürfte sowohl
den Verehrern des seligen Sofer, als auch den Freunden der
neuhebraischeiZ Literatur vorzüglich zu empfehlen sein.
C. L. Fritz sch e.
Druck von I. H. Nagel.