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Literaturblatt -es Orients.
Berichte- Studiert und Kritiken
für
jüdische Geschichte und Literatur.
M 4 .
Leipzig, den 25. Januar
1S40.
Das Schach und die damit verwandten Spiele in den Lalmuden (Würfel- und Lotteriespiel; Nerdsprel; Pessosspiel; Jsken.-
derspiel). — Das Buch Kuzari von Dr. Brecher (Jüdische NeligionsphilosopHie; Lebensskizze Jehuda Haläwy's). — Jeled Seku-
aim (biographische Skizze Ahron Chorin's). — Literarische Ankündigungen. —
Ueöer das Schach
ri n d
die damit verwandten Spiele
in den
Talwirden.
Die Geschichte des Schachspiels ist von Thom.
Hyde, dem Professor der arabischen Sprache zu Opfert
und erstem Bibliothekar der Bodlejana, in seinem sehr
gelehrtem Werke „Mandrugorias“ (über die orientali¬
schen Spiele), und erst neulich wieder in einem großen
französischen Werke so umfassend und erschöpfend abge¬
handelt worden, daß zu dem bereits gesammelten Mate¬
rial nur eine geringe Nachlese übrig gelassen ist. Was
die bis jetzt zugängliche Sanskrit-Literatur darbietet,
hat Gildeweister in einigen Bemerkungen zu einem
Excerpte aus Masudi in seinem ebenso reichhaltigen als
originellen Werke „ Serifviorum Arabern de Rebus
hidicis hei et opusculu inediltd' zusammengestellt,
und damit zugleich einige für Hyde unvermeidliche Jcr-
thümer berichtigt, i) Die Zeugnisse der alten und mit¬
telalterlichen jüdischen Literatur über das Schach und die
damit verwandten Spiele fand ich zu meinem Erstaunen,
nach dem ich zu eignem Gebrauch eine Sammlung angelegt,
bei Hyde wieder, doch nicht Alles, und über das Problem, ob
das Schach in den Talmuden erwähnt sei, keine auch nur an¬
nähernde Entscheidung. Diese Frage ist in neuerer Zeit zuerst
von I. S. R e gg i o angeregt worden, im 28. Briefe des 2.
Theites seiner- Sammlung (-M in welchem er
i) So entscheidet sich Hyde wie scheu der Titel seines
Werkes besagt, irrthümlich zuletzt dafür, daß das Schach we¬
gen der menschenähnlichen Figuren persisch Satrerrgh heiße;
denn S a tre u gh ist der Name der Mandragore oder Al¬
raunwurzel, arabisch I a b r u h e s- S a n a m, vgl. rarg. talm.
h'TG’U welches das arabische Wort.selbst ist, und für das
Hebräische NN gebraucht wird.
das nun aus den von Rodciguez de Castro, Hyde
und zuletzt Meir Letteris besorgten Ab¬
drücken allbekannte Gedicht Zbn-Ezra's über das Schach¬
spiel mittheitt. In der Einleitung dazu theilt er ferm
Vermuchungen über die betreffenden Stellen der Tal-
müde mit; die von ihm begonnene Forschung wollen
wir hier fortsetzen und wo möglich in einem entscheiden¬
den Ergebnisse sistiren.
Zuerst stellt Reggio die Vermuthung hin, daß das
talmudische K’ülpS pirt^ (Sanhedr. 24, b.) auf das
Schachspiel deute, und er unterstützt dies mit folgenden
zwei Gründen. Erstens wird von ^rnp ein Substan¬
tiv abgeleitet, welches unter der Bedeutung Hazard-
spieler auch die eines Beutelschneiders oder Be¬
trügers im Allgemeinen hat; die Übereinkunft zwi¬
schen W2)p und Indus latmuculoruM ist über¬
raschend. Man erkennt aber bald, daß dies nur eine
alles Halts ermangelnde Combination ist. Denn 1) be¬
deutet ludus iali'unculorum, ein alt-lateinischer Name,
nicht das Spitzbuben-Spiet, auch nicht das Spiel der
Rauberlein, sondern das Spiel der kleinen Sol¬
daten, nach dem alterchümlichen ehrlichen Sinne des
Wortes latro; 2) hat das so genannte Spiel mit dem
Schachspiel schlechterdings nichts zu schaffen, obgleich es
vordem mit sigucirten Steinen gespielt wurde. Es
ist unser Damenspiel. Das Derivat OW"2p
(Chulin 91, b), DIvOD'Gp (Bechorot 5, a)-D©D^p
(Kidduschm 11. Baba-Batra 92. Jelamdenu) kommt
in seiner secundaren Bedeutung vielmehr mit dem grie¬
chischen xvßsvzTjs. (dem es entlehnt ist) und dem latem.
aieator zusammen. Diese Bedeutung des Wortes
■Kvßevxrig (Glücksspieler, und dann Betrüger- Taschen¬
dieb) gehört zwar der späteren Gracität an, für welche
die Talmuds eine leider von C. dü Fresne und I.
C. Suicer unbenutzt gelassene Ausbeute gewähren; wir
finden aber die Association beider Bedeutungen schon in
ältern Schriften vorbereitet. Bereits Aristoteles führt
den nvßcmrig in der Gesellschaft des Immövvpg
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