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Das Schach und die damit verwandten Spiele in den Lalmuden.
(Kleiderdieb) und lottrig (Räuber) auf (Ethik, Buch
IV.), und im Neuen Testament, welches für die Deu¬
tung der griechischen Wörter der Talmude ein unentbehr¬
licher Commentar ist, steht xvßslci Uttb TtavovqyiamhzXi
einander (Eph. 4, 14), wie in einer Stelle des Tal¬
mud (Sabbat 149, b. 148, a), die unerkennbar auf das
Würfel- und das damit zusammenhängende Lotterie-
Spiel deutet, wmp geradezu die Bedeutung unrecht¬
mäßigen Erwerbs hat. Es ist daher constatirt, daß der
talmudische uvßevxrjg, der als untauglich zum Richter¬
amte und zur Zeugenfchaft (Baba-Mezia84, a. San-
hedrin 24, b), sowie in Rosch ha - Schana als untaug¬
lich zur Zeugenaussage über die Neumondphase gebrand¬
markt wird, der W ü rfelspiel e r ist, der dieses Glücksspiel
zum alleinigen Subsistenzmittel macht (ryoDW )h pKW
und sich demnach mit Betrügerei forthelfen
muß. Der zweite Grund, womit Reggio seine Ver-
muthung stützt, ist die Tosefot Sanhedr. 26, b. befind¬
liche Glosse, die KDlp erklärt durch ‘TOptÄW plpW pH
(Tosefot Jom-Thob lesen ^pp^), d. i. 68ebee-
quier (echiquier), das Schachbrett Reggio hatte
noch für sich anführen können , daß nach den Voeabu-
lärs DÖIp im Syrischen das Schachspiel bedeuten soll,
und daß, während ha ah m Arabischen nur den Wür¬
fel bedeutet, doch der Name ei-Ktibe im Kamus
mit Nerd und Sch ath er eng erklärt wird. Aber das
Alles ist nur Beleg für das ungewisse Schwanken der
Erklärer, oder höchstens für die abusive Übertragung eines
ursprünglich festgepragten Wortes. Das talmudische
das aus der griechischen in die aramai¬
sche Sprache überging, ist nicht mehr als zvßeta, und
mit den arabischen la c äb bi-I-ka f ab identisch. Reg¬
gio erkennt dieß zuletzt auch an und annullier somit seine
eigne Hypothese.
Ein anderes im Talmud erwähntes Spiel ist pIW
pDSDDD (Sanhedr. 25, b.), und dies ist offenbar
TCEööeta, das Spiel mit den Steinen (tceggoIs) im
Drete, verschieden von xvßslci, obgleich beide mißbräuch¬
lich mit einander verwechselt werden. Der Verfasser des
Aruch irrt sich, wenn er unter WOD oder das
in Felder abgetheilte Bret selbst versteht; Musafia
verbessert ihn hier einmal wirklich, wenn er die Steine
des Bretes versteht. Das hebraisirte Wort ist das grie¬
chische zugleich aber TtEööog, wie auch in dem
arabischen Ii38 (knss) beide griechische Wörter zu-
sawwenfließen.2) Nicht das bei den Römern ludus
lalruncalorum , sondern das ludus duodecim scri -
plorum genannte Spiel wird verstanden, dessen Steine
2) Die Musivarbeit {'iprjQpo&ETrtficc) .'amal-el-
f ns u s; zugleich heißt aber auch der Bretstein fu s s
(tceggoq). S. die von Prof. Fleischer aus einem koptisch - ara¬
bischen Vocabulär gegebenen Excerpte: De Glossis Tlabich-
tianis S. 105 f.
auch im Syrischen ND£DD genannt werden. Dieses
Spiel heißt Ketubot 61, b. *WTtf, ein Wort, welches,
nach Jbn-Chalikan und El-Safadi, zusammen-
gezogen ist aus Nerd Ardeschir, d. i. das Nerdspiel
des Sassaniden Ardeschir Babekan, der für den
Erfinder ausgegeben wird. Der türkische Lexikograph
Ekteri sagt-. „Nerdschir ist das sonst Nerd ge¬
nannte Spiel, eine der Erfindungen Schaburs, des
Sohns Ardeschir's, eines der sassanidischen Könige."
Es ist dasselbe Spiel, welches gegen Ende des Kuzari
genannt wird, in Folge der den Arabern eigen-
thümlichen Verwechselung des Re und Zain in diesem
sassanidischen Königsnamen. Aruch hat also recht, wenn er
sagt, das Wort Nerde schir erklärend: K'iy ]ltß6n’ pip
d. i. in der arabischen Sprache heißen diel) a d i
(der italienische Name der teueres) obgleich der
eigentliche Name der Bretwürfel im Arabischen kn 8 ü 8 oder
kVab ist. In der oben angegebenen talmudischen Stelle
heißt es mm:
quas 1 udifc parvis catalis et nerdiludio. Was
sind das für kleine Hunde, die neben dem Nerda-
schic erwähnt worden? Denn fcTWDp wofür
eine andere Lesart NHvoDp, ist nichts Anderes
als diminutive Bezeichnung für wuvig, wie auch Aruch
bemerkt: „kleine Hunde, nach Arten der ‘PT^, 3 4 ) mit
denen man spielt." Es sind die auch bei ben Arabern
Kiläb genannten Triktraksteine, die hundsköpsig ge¬
formt zu sein pflegten, wahrend die der Perser die Ge¬
stalt von Löwenköpff.n hatten, wie denn Hyde den Na¬
men N e rd e sch i c lieber tnmculus leoninus über¬
setzen will. Das Wort nerd, welches mit dem sans-
krit. Appell, naräita (Klang) auf keine Weise zusam-
menzureimen ist, bedeutet wirklich , wie auch der König
Aude in seinem Lex. Heft Kulzum bemerkt, das
Mark und den Klotz eines Baumes. Diese Bemer¬
kungen mögen als Beweis dafür genügen, daß weder
das Pessos- Spiel noch das Nerdeschir oder
Triktrak-Spiel mit dem Schach identisch sind, sondern
beide sind Ein oder zwei Arten Eines Bretwürfelspiels,
welches, wie das Schach, kn Indien erfunden und durch
Vermittelung der Perser den Juden bekannt worden ist»
Die Glosse zu Ketubot 61, b., welche die hundsgestalti-
gen Figuren dem Schachspiel anweist, hat also nicht
das Richtige getroffen, sondern, wie dies auch den ara¬
bischen und türkischen Erktarern geht, Nerd und Schach
verwechselt, und wir haben also für das Schachspiel kei¬
nen erheblichen Beleg.
3) Gildemeister (!. 1. S. 139.) verbessert nad)
Satt Luna bei Hyde, in yitf'DTl, unb fälsch¬
lich für eine Variante der Glosse.
4) Bedeutet dieses Wort die Königin im Schachspiele, dis
sonst 'fers- oder kersin (bei Bianchi) mit einem altpersischerr
Worte genannt wird?