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Das Buch Kuzari von Brecher. Jüdische Religionsphilosophie.
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Noch ein talmndisches Spiel, bleibt uns übrig,
das Spiel ^TUlpDN. oder, wie es in einigen Codd. ge¬
schrieben ist, Kidduschin 21,!). Nedarim 25, a.
Schebuot 29, a. Daß dieses ein Bretspiel sei, darin
stimmen die Glossatorm überein. Rasch! zu Schebuot
und Tosefot zu Nedarim erklären es durch n*D^nn
E'Oftp yv und deuten damit, wie es scheint, auf die
hölzernen Bretsteme, die man im Schachspiel auch arabisch
Eit^a el- Schatereng nennt. Zn Kidduschin
erklärt Raschi die Worte 'HtWk mnpD’JQ (da
spieltet ihr Jskunderi) von dem Bretspiele, das französisch
hieße, d. i. jeu des iVLerelles, ■ Mühl¬
stein spiel, die Mühle. Rabbi Chananel bei Aruch
versteht das Spiel mit den Hündchen (CTOpD also
das Nerd-Spiel. Nach einer andern Deutung bei
Aruch ist es ein Kinderspiel, bei dem gegen 30 Haufen
von Scherbenstücken in runder Form aufgeschichtet wer¬
den, Italien. Z diese Deutung steht aber isolirt.
Betrachtet man das Wort ^TUlpD^N/ so möchte man
zunächst an ein Jskender-Spiel denken, da zumal
der Name Alexanders durch eine gleiche Apharesis im
Persischen verkürzt zu werden pflegt, aber die zugäng¬
lichen persischen Wörterbücher wissen nichts von einem
solchen Alexander-Spiele. Wohl aber giebt es ein persi¬
sches Spiel S eg Hand er, und ein anderes, S egh an¬
der: ghezdom genannt(s. Hyde I!. S. 264. 273).
Beides sind aber Kinderspiele, im Freien zu spielen,
die nicht zu den obigen Talmudstellen passen, wo das
Zskunderi-Spiel als Kurzweil von Männern , über dem
das Studium verabsäumt wird, vorkommt. Wie wenn
dieses. ?Tij)pD& das Schachspiel wäre , dessen Erwäh¬
nung im Talmud prasupponirt werden kann. Kann nicht
vnyipptf aus dem sanscritischen Namen des Schachspiels
T s c h a t u r a n g asdasViergliedrige) entstanden und durch
Verstellung der Buchstaben aus 7p^NO zusammenge¬
würfelt sein? Für Schithreng finden sich auch arabische
Formen mit Sin und Ssad zu Anfang, so wie Tau
in der Mitte, und das emphatische Tha geht auch in
dem spanischen xedr6^. u. s. w. in den weicheren
Laut über. Die später/bei den Juden vorkommenden
Namen WpXpWX, WppWX, pttW) p)m / 'pxpü
sind offenbar erst den romanischen Scaccos, Scacehi,
Escacques, Ecbecs nachgeschrieben. Vielleicht führt
das fortgesetzte Studium der altpersischen Sprache auf
ein die historischen Mittelglieder der corrupten talmudischen
Form aufweisendes Aend- oder Pehlvi-Wort. Denn die
Pehlvisprache liegt bekanntlich nicht nur an der Grenz¬
scheide des Sanskritismus und Semiüsmus, sondern die
Zeit ihrer Blüthe liegt den Tatmuden so nahe, daß man
mit Recht von dorther manche Aufklärungen über dunkele
talmudische Wörter zu erwarten hat.
Franz Delitzsch.
Das Buch Kuzari
mit einem Eommentar herausgegeben
von
E. Brecher.
Erster Artikel.
(Fortsetzung.)
Erst als Israel eine Nation zu sein aufgehört hatte;
als es zerstreut ward über alle Länder der Erde, um
ein Räthsel zu werden in der Weltgeschichte, dessen Lö¬
sung nur Einer kennt; als es mit dem Verluste seines
heiligsten Gutes, des göttlichen Erbtheils, des reinen
Offenbarungsglaubens bedroht ward durch harte Stürme
und grausame Verfolgungen, die es von außen erlitt:
da erst begann es, um eine Darlegung und Rechtferti¬
gung seiner religiösen Principien, deren frühere Unan¬
tastbarkeit durch die Zerstreuung aufgehört hatte, geben
zu können, um den Streit vom Gefilde roher Körper¬
übermacht auf die Höhen geistiger Forschung hinüber zu
spielen, nach den Waffen sich umzuschauen, mit denen
es sein Palladium schirmen, seine ererbte Religion ver-
theidigen könne. Und um nun eine gemeinsame, den
Gegnern geläufige Form zu haben, ergriff es das Pan¬
zergewand der griechischen Philosophie, in das sich fortan
durch eine Reihe von Jahrhunderten der jüdische Glaube
barg, um durch die von aller Bildung jener Zeiten an¬
genommene äußere Form der herrschenden Ideen ein
ebenbürtiger Kämpe auch im Aeußern zu werden. Und
Israel war nie verwaist. So oft als ein Kampf der Art
nörhig ward fand es einen Mann in seiner Mitte, der
jener auswärtigen Wissenschaft und der väterlichen Re¬
ligion gleich kundig war, und zwar beider hinlänglich
mächtig, um ehrenvoll in die Schranken zu treten. Philo,
des synkretistischen Neuplaronismus kampfgewandter Jün¬
ger, eröffnet würdig die Reihe der hohen jüdischen Philo¬
sophen. In ihm zeigte sich historisch zuerst die positive, gvtt-
emsprosiene Lehre des Judenthums im Gewände eines
philosophischen Systems, und bald ward dieses in seinem
ganzen Umfange unveräußerliches Eigenthum des ersteren.
So aber wie in ihm das jüdische Element pravalirte
und wie die Verschmelzung desselben mit dem Heidnischen,
nur durch die Anklange -zwischen beiden möglich ward,
so mußte, als späterhin ein andrer Geistesfürst auf den
Wissenschaststhron erhoben ward, als die aristotelische
Philosophie mit ihrer starren Negation alles höheren,
göttlichen Einflusses, mit ihrer verstandesgemäßen Na¬
türlichkeit herrschend wurde, augenblicklich ein dreifaches
Bestreben im Judenthume sichtbar werden. Nämlich ent¬
weder ein Aufheben, ein Vernichten dieser Philosophie,
durch die ihr in den Principien einer Offenbarung,
eines Wunderglaubens u. s. w. schroff entgegen stehende
jüdische Lehre, oder ein Verschmelzen beider, wobei man
freilich die Sache der positiven Religion umzudeuten-, der
Philosophie zu accommodiren versuchte, oder endlich —