Page
59
Das Buch Kuzari von Brecher. Lebensskizze Jehuda Halvwy's.
m
und dem spanischen Ritus angehört) sehr schwer wurde.
Erst auf vieles Bitten der Frau begab sich Rabbi Jehuda
ms Wohngemach, und hier drang nun Jbn Esra mehr¬
fach in ihn, ihm die Ursache der langen Zögerung zu
sagen. Auf das fortwährende Weigern des .Rabbi Jehuda
über begab sich nun die Frau ins Studirzimmer und
brachte Jbn Esra von dort das Manuscript ihres Man¬
nes, woraus jener die Feder ergriff, und nach mehreren
Verbesserungen an einzelnen Stellen des Hymnus, die
Strophe -» niederschrieb (sie fängt an 'umh !wn nsn,
und findet sich noch in Handschriften dieses 5)ymnus im
spanischen Machasor). Darüber nun freuete sich R. Je¬
huda außerordentlich und erklärte ihm, daß er sein
Schwiegersohn sei, indem er hinzufügte: Jetzt erkenne
ich , daß du wirklich ein Ben Esra (ein Helfer) bist.
Darauf nun legte auch Jbn Esra seine Verstellung ab, gab
sich ihm zu erkennen und heirathete seine Tochter (Seder
Ha-Dorot 45, So schreibt auch Abravanel (Commen-
(ar zum Pentateuch B. 209. ev!. 3 u. 4.) folgender¬
maßen: „Ich neige mich zur Meinung des Jbn Esra
und andrerseits zu der des Rabbi Jehuda Halewy seines
443 einen unserrn Jehuda Haldwy gehörigen alfabetischen
Hymnus, in dem die Geschichte Esthers beschrieben sei, kennt
auch davon eine Ausgabe Venedig 1609 und sagt, daß er
außerdem noch mit italienischer Uebcrsetzung im römischen
Machasor (ecL Boiogn. kol.) existire. In !!!. 322 nun
unter Jehuda Lowy Ben Sabbatai (wo auch zugleich
für richtiger als -sNON erklärt wird) wird er auch wieder'die¬
sem zugeschrieben und die Venetianische Ausgabe (bei de
Gara auf 12 Sekten 8., der Commentar ist von R. Samuel
italienisch mit hebräischen Buchstaben) erwähnt.
Es wird jedoch hmzugefügt, wobei in Wolf statt Samuel
gelesen werden muß Jehuda, daß er von andern und wahr¬
scheinlich mit Recht unserem Jehuda Halowy vindicirt werde.
Und dann wird er auch diesem zngeschrieben und zugleich
angegeben, daß er mit dem Hymnus identisch sei, also
der Jrrthum von 1. berichtigt. In demselben Bande
darauf wird nun S. 741» Nr. 1625 unter Mosche Aschkenasi
(der, beiläufig bemerkt, in de Rosst wenigstens der Uebersetznng
fehlt) die Richtigkeit dieser Identität bestätigt und werden die
Aufschriften:
il ncn ^ nnn '2
so wie die erste Strophe
/>iri' bi ->ivn jhn
yuoi ny ts3D irma
bnb nj>D r>"N 2
)b "sä pm'b nDnDi
und die erste alcäüsche Strophe der lateinischen Uebersetzung
des Mosche Aschkenasi mktgetheilt wird. Es folgen darauf
nach Wolf noch 72 Strophen, so daß das Alfabct wohl drei¬
fach und noch ein Namenanhang zu sein scheint./ Von der
Amsterdamer Ausgabe wird noch bemerkt, daß sie auf 24 Sei¬
ten in 4. in ft 4 Colnmnen gedruckt sek. Der Titel ist:
.Jubilus iud. etc.
Schwiegervaters, des Verfassers des Kuzari. Man sieht
also, daß zwei Gelehrte, Schwiegervater und Eidam irr
ihrer Meinung überelnstimmen, ohne daß sich, da sie
Zeitgenossen waren, bestimmen ließe, wer der eigentliche
Urheber der Ansicht sei, und wer sie vom andern empfan¬
gen habe." Im Sifte Jefchenim heißt es: Rabbi Jehuda
Halewy verfaßte das Pijut piN zu Megilat Esther
in schönen Versen, und^) ein Buch Melek Rab, einen
Dialog zwischen der Weisheit und dem Reichthum, in
Sprüchen und Versen. Ferner ein Buch Minchat Jehuda
über einen Mann, der nicht heirathen wollte, in schönen
Versen, und endlich Gesänge fürs ganze Jahr.") Auch ist er
der Verfasser der Elegie^), die ansangt: 'pfitown N^n jpg"
und der poetischen Inschrift auf dem Grabstein des Rabbi
Jizchak Alsasi: rc. hm top i:m Seine Pijutim zahlt
W. Heidenheim in seiner Vorrede zum Machasor auf,
und aus dessen Worten in Abschn. 4. §. 25. scheint
hervorzugehen, daß er ihm ein Werk anatomischen In¬
halts zuschreibt. Ueber seinen Tod berichtet der Wer-
fasser des Seder Ha-Dorot Folgendes: In einem Alter von
50 Jahren reiste.Rabbi Jehuda nach Palästina, und
als er an Jerusalems Thore gelangte, zerriß er seine
Kleider, rutschte knieend auf der Erde, und recitute
die (schon erwähnte) Elegie „Zion Halo tischali. Ein
Türke aber, der von seinem inbrünstigen religiösen Eifer
sich geärgert fühlte, überritt ihn und tödtete ihn." So
weit reicht nun die vom Herausgeber uns gebotene Lebens¬
skizze, zu deren Vervollständigung unsre untergefttzten
nach Wolf und de Rossi gegebenen Noten dienen
sollen. Einzelne über Rabbi Jehuda zerstreute Notizen
wird uns wahrscheinlich S. D. Luzzatto in der von ihm
erst vorbereiteten Ausgabe einer Sammlung von Gedichten
unsres Jehuda Haläwy zusammenstellen.
6) Dieses Buch, das bei Wolf cmch TOiyW nt»nn norfcö
heißt (edit. Krakau 1546; Constantinopel mit Gedichten
andern Inhalts 1543; Frankfurt a. M. 1711, in 2 Seit.)
so wie das folgende (Venedig auf 23 und in Oppenher'mer's
Bibl. auf 20 Seit, beide ohne Jahr Saloniki) so werden
von Wolf I. 448 dem schon erwähnten Jehuda Halewy Ben
Sabbatai zugeschrieben, und zwar nach Autorität eben des
SifteJeschenim. De Rossi schweigt ganz davon, so daß wir,
da uns der Sifte Jeschenim eben nicht bei der Hand ist, den
Streit einstweilen suh judice lassen müjsen.
7) Diese finden sich im spanischen und irakischen RituS;
Conforti in Kore ha-Dorot will einen Codex gesehen haben, der
sie alle enthielt.
8) Am Schlüsse des Programms zur Mendelssohn'schen
Pentateuch-Uebersetzung wurde sie in poetischer Prosa von
Mendelssohn übersetzt und erschien erst in diesem Specimen
Amsterdam 1775 und dann mit der Berliner Pentateuch-
Ausgabe 1784. Auch Herder, Abbe Gregoire, S. Munk,
Dr. Philippson (Magazin f. isr. Predig.) haben sie mehr oder
minder gelungen übersetzt.
(Schluß folgt.)