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Die Biuristen. Ueber das Princip der jüdischen Ehe von I. A. Frankel.
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scheu aufzudringen. Die italienische Paraphrase des
Jesaja von I. S. Reggio ist ernster und würdiger
gehalten. In seinen Excmsen zu Elia bet Medigo's
Examen religionis rügt er streng Levisohn, daß
er in seinen Schriften die heiligen, durch den heil. Geist
eingegebmen Bücher als menschliche betrachte, und mit
andern profanen in eine profanirende Parallele stelle.
Nur Einiges über den Charakter der Biurim oder
der eigentlichen Commentare. Die Literatur der neuen
Eregese ist so groß, daß ein Buch nicht hinreichen würde,
um jeden Commentar einzeln mit seinen Vorzügen und
Fehlem einer specialen Kritik zu unterwerfen. Ich nenne
nur die 5 Megilot von Ahron Wolfsohn und Joel Löwe
(1788. 1789), die kleinen Propheten ODnn) von Joel
Löwe, Moses Arnswald, Wolf Josefsohn und Israel
Neumann (jetzt Christ, Prof, in Breslau), Mincha The-
Hora 1805, die sammtlichen alttestamentlichen Schriften mit
dem Pent.-Commentar Ha-Korem von Herz Homberg;
die Propheten und Hagiographen unter dem Titel Kirja
Neemana von David Ottensoffer, Hermann Schwa¬
bacher und Salomo Kohen; Daniel, von Moses Arns¬
wald, mit dem Commentar Jbn-Jechija's (1808).
Ein Vorzug dieser Biurim ist, daß sie das Beste
der alten Commentare, als Jsaaki's, Kimchi's, Jbn-
Ezra's, Arama's, Jesaja di Trani's, Levi Gersoni's,
Mose Nachmani's und Anderer mit Angabe der Quelle
in sich ausnahmen, und daß durchgängig die aramäischen,
immer noch zu wenig beachteten Paraphrasen benutzt sind.
(Fortsetzung folgt.)
Ueber Las Prineip der jüdischen Ehe.
Von I. A. Frankel.
Cand. phil.
(Fortsetzung.)
-Bei dieser Verbindung wird keines Geldes oder Kaufes
gedacht, sondern die eine wahre Ehe bezeichnende Redensart
gebraucht: W. 39. Hnnp“? “IZTPI "in
rs^^5 die andere mit Michal kam aus eine sonderbare Weise
zu Stande, worüber wir spater Gelegenheit zu sprechen haben
werden. Hier mag uns genügen erwiesen zu haben, daß Michal
ihn liebte, und daß auf diese Liebe die Ehe zwischen ihnen sich
gründete. In 2. Sam. 2, 11 wird wieder von David, der
nun schon König war, erzählt, daß er sich in die schöne Bat-
Scheba beim ersten Erblicken verliebt, und dieselbe, nach dem
Tode ihres Mannes, geheirathet, nicht aber gekauft habe.
(Man achte auf V. 4 und 27 dieses Kapitels). Das Verhält-
niß zwischen Boas und Ruth kann eher für als gegen unsere
Behauptung dienen, da Boas als Goül, um den Namen des
Verstorbenen in dessen Gütern zu erhalten, durch die Herrath
mit Ruth Besitzer der Ländereien wird; also die Wittwe nicht
kauft, sondern durch die Vermahlung mit ihr noch an Reich-
thum gewinnt. S. Ruth Cap. 4, V. 9—14. — Endlich führe
ich zum Beweise den armen, jüngern Tobias an, welcher sich
mit des reichen Naguels Tochter durch irgend einen Vertrag,
vermutlich durch den Ehebrief n&ttf), verbindet: Tob. 7, 14
nock /laßwv ßißliov 1'yQdTps ovyyQacpijv , und nicht nur we¬
der Geld noch eine Sache von Wcrrh für den Erwerb des
Mädchens dem Schwiegervater giebt, sondern noch die Hälfte
des Vermögens sogleich von ihm erhält, Tob. 8, 21. %a\ zozs
laßovza ro tjiugv zcov vnaQ%6vzrx)v dvzov t roQSveöd'ai
fr’ vyuccg 7tQog zov ‘jtaz&Qa, nal zu loincc ozav dno -
ftavco, ymi rj yvvrj fiov.
Wir wollen die Eheverbindung, wie sie, nach unserer An¬
sicht, in der Bibel sich zeigt, kurz darstellen; nicht soll uns
Liebe zu dem Gegenstände hinreißen, die Schwäche der Orien¬
talen zu bemänteln, nicht der Gedanke, unsere Behauptung zu
begründen, etwa verleiten, fremde, moderne Begriffe der jü¬
dischen Ehe unterzuschieben, sondern strenge Wahrheit sei unsere
Führerin bei dieser, wie bei jeder Arbeit. — Zu jenen alten
Zeiten nahm (p\>h) der Vater, die größte Gewalt in der Fa¬
milie besitzend, dem Sohne eine Frau, und gab (jrü) die Toch¬
ter einem Manne: Gen. 34, 9. WiDm
cr 6 mpn wnim nai unn> Gm. 24, 4. EM. 34,
16. Deut. 7 , 3 . inm im 1 ? pn ^ im C 2 pnnn
-]32 I P ripn Der Sohu konnte zwar ohne den Willen der
Eltern eine Frau sich nehmen, nicht-aber das Mädchen ohne
der Eltern Einwilligung einem Manne sich geloben. Der
Jüngling wählte sich Eine unter den Jungfrauen des Lan¬
des (Spr. 30, 19. NObxil *123 TTTl), der Vater freite
für ihn bei dem Vater des Mädchens, willigren alle ein und
waren zufrieden, so beschenkte der Jüngling mit Kostbarkeiten
die Jungfrau, welche alsdann und eben deshalb
genannt wurde. Darum sagt der kühne Simson, ein reizendes
Mädchen erblickend und zur Frau begehrend, zu seinem Vater,
der die Ehe mit einer Filisiaer-Tcchter unerhört findet: „Diese
nimm mir zum Weibe, denn sie findet Wohlgefallen in meinen
Augen" (Acht. 14,3. vpjO ult^ tOM '2 'b npHim*),
darum bittet Ta mar, die als Mädchen keinen eignen Willen
hat, den leidenschaftlichen Amnon mit den Worten: (2. Sam.
Cap. 13 V. 18) „Sprich doch mit dem Könige (meinem Va¬
ter), er wird mich dir nicht vorenthalten," *0 HITi
"DD *6 O Die Ehe selbst wird durch
das Concubiuat9) vollzogen und legitim, weshalb auch die
Dichter das Brautgemach (H®in, thalamus nuptialis, nicht
8) gleich dem arab. , wovon jedoch nur das
Subst. ik.v? donumzgebrauchlieb ist; Gesenius führt t > u.
an, nicht beachtend, daß Elif und Ain wohl uurffelten
sich vertauschen.
9) Die Geschichte von Tobias, wo die Ehe durch den in
der Mischna verkommenden Ehebrief vollzogen zu sein
scheint, gehört ihrer Abfassung nach bestimmt einer sehr späten
Zeit an.
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