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3 Sit, Übersichten: E. I. Blücher's „aramäische Grammatik, beurth. v. Dav. Cassel/ 4
konnte auf eine erschöpfende Durchdringung, Zergliederung
und Verarbeitung des aramäischen Sprachschatzes um des-
senwillm sein Augenmerk nicht richten, da es vorzüg¬
lich bestimmt war, den Forschungen des Verfaffer's
über das VerhaLtniß des Semitismus zum Sanscritis-
mus zur Basis zu dienen, und, in den Regionen höherer
Sprachanalyse sich bewegend, in's Einzelne einzugehen
nicht immer vermögend war. ] ) Mit desto größerer Auf¬
merksamkeit .mußte der Blick des um Forderung des
Talmudstudium's bemühten auf jede Erscheinung sich
heften, die sich die Kenntnißnahme des talmudischen
Sprachelement's zum Ziel gesetzt, und um so weniger
konnten wir auch diese neue Bearbeitung der aram.
Sprache, welche das oben angezeigte Werk bietet, einem
so dürftigen Referate überlassen, wie interner früheren
Nummer dieses Blattes zu lesen war.
Gehen wir denn an eine nähere Betrachtung dieses
in hebräischer Sprache geschriebenen Buches, und
sei es uns erlaubt, nur das noch im Voraus zu bemer¬
ken, daß da, wo wir unsere Meinung als von der des
Werft abweichend bezeichnen, dies nicht aus Tadelsucht
geschieht. Vielmehr soll diese Beurtheilung dazu dienen,
den Standpunkt, den die aramaische Sprachwissenschaft
heute eimummt, erkennen zu lassen, und nebenbei zu
einzelnen Bemerkungen über mehre dahin einschlagende
Gegenstände Anlaß geben, die wir aber immer nur als
unsere individuelle Meinung betrachtet wissen wollen.
Nach einigen approbirendrn Schreiben des Nikols¬
burger und Pesther Rabbinen, so wie des Prof. Dr.
Karle m Wien (alle drei vom Jahre 4836p) einem
1) Mau vergl. die Vorrede zu diesem Werke.
2) Wir führen dieses deshalb hier an, weil das Werk
zwar die Jahreszahl 1833 tragt, laut einer Nachschrift aber
schon im Jahre 1836 vollendet' war, wie diese Approbationen
bezeugen Hessen. Da nach diesen Zeugnissen, die Ausarbeitung
des Werkes älter ist, als das Erscheinen des Fürst'scheu
Lehrgebäudes, fallen die zwei entgegengesetzten Beschuldigungen,
die man dem Verfasser .in Beziehung auf das Fürst'sche
Werk machte, von selbst, hinweg. Ohne diese Beweise wäre
es freilich schwer gewesen, in Ansichten, wie sie in den An¬
merkungen zu S. 18 und S. 30 sich kund thun , eine
Nichtkenntniß der Forschungen Fürst's zu finden* *).
*) Zu dieser Anmerkung sehe ich mich genöthigt, zur Steuer
der Wahrheit, noch eine hinzuzufügen, so ungern ich auch
zu Arbeiten Anderer meine Meinung hinzufüge. Herr
Cassel schließt aus der Nachschrift und aus den Ap¬
probationen ,... daß Blücher 's Grammatik 1836 schon
handschriftlich vollendet gewesen sein müsse; aber
selbst in diesem.Falle war mein Lehrgebäude schon zwei
Jahre früher fertig gedruckt, da es gerade zu Ende
des Jahres 1834 km. Druck beendet wurde- Aber es be¬
darf gar keiner Conjektur. Herr Blücher schrieb mir
selbst, als er an die Arbeit ging, daß er blos durch mein
Lehrgebäude zu dieser grammatischen Arbeit angeregt wor¬
den, und daß er nach diesem, theils excerpirend, theils über¬
setzend, sein Marpe arbeite. Als die Ankündigung mit den
freundschaftlichen Gedicht des Kustri-Editors, G. Brecher
(wo uns nur einige gramm. Ungenauigkeiten, als
im st. constr., ‘■prilDin auffielen); nach einem
Widmungsschreiben des Vers., nach einem Vorwort an
den Leser, worin auf bekannte Weise ein offener Kon¬
trakt mit jedem künftigen. Recensenten geschlossen,
zerfällt das Werk selbst in zwei Hauptabtheilungen;
1) nwiD tod; 2) mv }wb netd.
Der erste Theil spricht m 6 Kapiteln über Nutzen,
Wichtigkeit und Geschichte der aramäischen Sprache.
Was die ersten beiden Gegenstände betrifft, dürste es
überflüssig sein, hier noch ein Wort zu verlieren. Wir
weisen daher lieber auf einige Beiträge zur Kritik der
Targumim hin, die hier gegrben werden; z. B./p. 2, 8
sei zu lesen ip für 'DX ip, 8, 3 NDipJi für NDiDl
u. s. w.; zweifelhafter ist NWJN (np. 137, 5) für isOWD,
da letzteres dem Sinne gar nicht schadet, und das
fut. mit dem suii. norn sich schwerlich Nachweisen
läßt. Auch konnte für die Regel, daß man statt njn WN
sagen könne Njmv (S. 132 als Nachtrag zu 106)
eben nur dies Beispiel gebracht werden. -— Richtig wird
ü.) (Scheidebnef) mit der Wurzel 11 , yp (nicht st.l) , in
der Bedeutung trennen combmirt; weniger richtig ton
(A sien) mit D^NEn, Daß der Samaritaner Deut. 3,13
dwdn fuc cp&iH seht, beweist nur daß er ge¬
lesen, wie es der LXX Jest 26, 14. ip.SS, li ging,
wo sie D\s v Di mit iaTQol wiedergeben. — Wichtiger sind
Kap. 6 und 7, die über Geschichte der aram. Sprache
handeln, und wir können herbei die Bemerkung nicht
unterdrücken, daß, so viel uns bekannt, noch keine der
(hebr. geschriebenen) hebr. Grammatiken selbst etwas von
einer Geschichte der hebr. Sprache gewußt zu haben
scheint. Um desto erfreulicher war es uns, zu sehen,
Approbationen, welche ich habe drucken lassen, wie ich
überhaupt Hrn. Blücher für diese grammatische Arbeit
angespornt, niedergeschrieben wurden, war die Grammatik,
wie der Vers, mir schrieb, noch nicht fertig, nur das
JWfcOE TOD lag, nach dem Vers., für den Druck be¬
stimmt. Und wirklich hat der Vers, mein Lehrgebäude
mehr als stark benutzt. Es kam mir nie in den Sinn,
ihm das zu verargen, und selbst bei dem Tadel in der
erwähnten kurzen Anzeige seines Marpe bin ich ganz un-
betheiligt, obgleich es unklug genug war, das benutzte
Lehrgebäude noch dann zu verschweigen, nachdem er mir
selbst geschrieben, daß er es übersetze. Als der Druck des
Marpe begann, hatte Hw Blücher bereits seit drei
Jahren mein Lehrgebäude in Händen, und um so auffallen¬
der ist das angehängte iHyl "NN, zu welchem ihn erst
der Correkwr (St.) drängen mußte. Dennoch wünsche
ich sehnlichst, daß. Hr. Blücher in seinen begonnenen
Arbeiten aus dem Gebiete der aramäischen Grammatik
fortfahren möge; immerhin möge er die Arbeiten seiner
Vorgänger recht geschickt benutzen, das gedruckte Buch
gehört der Welt; aber dann unterlasse er auch nicht der
Wahrheit ihren Tribut zu zollen, da dieser Zoll erst über¬
haupt den Preis einer Produktion bestimmt. Red.