Seite
3? Einfluß des physischen Menschen auf dm historischen. Lit.Ankündigungen «.Bemerkungen. 38
ist allen jüdischen Volksklassen, ja in Wahrheit allen Indivi¬
duen zugänglich geworden, er wird sogar denen die ihn suchen
aufgcdrungen. So thut unser jüdisches Geschlecht es gegen¬
wärtig an Ittberfluß nutzbarer und benutzter geistiger Besitz-
thümer, an regsamer Wißbegier, an Lust und Fertigkeit zu
scharfem oder keckem, gründlichem oder seichtem Urtheil, an
lebendigem Ausdruck und Austausch der schnell vorübergehenden
Erfahrungen und Meinungen aller frühem Zeitalter bei vielem
zuvor. Es sind so unendlich viel geistige Potenzen in der letz¬
ten Zeit in Israel entbunden worden, und werden noch fort¬
während entbunden, daß unsre ganze Lebcnsatmosphäre mit
analysirenden und zersetzenden geistigen Agentien überla¬
den ist, daß wir es' kaum mehr zu einem handgreiflich
sichern, gediegenen reellem Gestalten und Thun bringen können,
sondern daß Alles, was an die Oberfläche unsrer Zustände zum
Vorschein kommt, alsbald sich in Gedanken, in Meinungen,
kn Literatur, ja sogar in Philosophem verflüchtigt.
(Schluß folgt.)
Literarische Ankündigungen.
In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und
Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen.
Mittheilurrg
Auf vielfache Anfragen bei der Redaktion des Orients,
in Bezug auf die Vollendung der Concordanz, er-
theile ich auf diesem Wege die Beantwortung: daß
bereits den 2. Januar 1841 das 12. d. h. letzte Heft
versandt wurde.
[6.] Bei M. I. Landau in Prag erschien soeben und ist
vom Unterzeichneten durch alle Buchhandlungen zu beziehen
-I ON m v Kerern Cheined, enthält
hebräische Briefe wissenschaftlichen Inhalts
von jüdischen Gelehrten. 5r. Bd. Preis:
f. Druckp. 1-1- Rthlr.
Der Talmud in gr 8, ist bis zum LJten
Bde. erschienen.
Vom Schulchan Aruch wurde das Lite
Heft fertig.
Leipzig, Januar 1841.
C. L. Fritzsche.
[7.] Bei Heinrich Franke in Leipzig ist erschienen und
durch alle Buchhandlungen fest zu beziehen:
■•n.'Nn.T
nana nöD npani
Kritische Vlätter
über die Schriften
I. S. Rapaport's und S. D. Lrrzzatto's,
N. I. Fischmann, M.°M. Mohr-, I. Bodek,
I. Meutsh.
Zweiter Theii. 8. Preis 1 Thlr.
Beme rkungen
über die Schrift des Herrn Dr. Geiger:
Die letzten zwei Jahre.
In der letzten Schrift des Herrn Dr. Geiger, betitelt:
„die letzten zwei Jahre," wird bemerkt, daß die Pflicht des
täglichen Zählens zwischen Pesach und Schebuot sehr schwan¬
kend wäre. Abgesehen davon, daß Maimuni, der doch den
neuem Theologen stets als Muster dient, dies für eine biblische
Pflicht erklärt *), und die Anführung des Tosasot (Gemara
Menachat 65b) einer besondern Erklärung bedarf, da dieser
in Widerspruch steht mit den Tosefot (Ketubot 72 a), wo aus¬
drücklich das Zählen der Jubeljahre als biblische Pflicht ange¬
führt wird, so ist die wahre Deutung des Zählens doch wie
folgend: Wo das Wort „Zählen" in der Bibel vorkommt,
wird es von der Tradition als buchstäblicher Befehl genommen,
und dessen genaue Befolgung als Pflicht aufgestellt; die Frage
ist nun diese: „Ist das Zählen in der Bibel in den angeführ¬
ten Stellen buchstäblich gemeint, und muß die Befolgung dem
wörtlichen Sinne nach geschehen; oder ist es nur bildlich zu
verstehen und das Gebot beziehe sich bloß auf die strenge Wahr¬
nehmung der Zeit von Seiten des Verpflichteten, und das
Zahlen selbst ist als Nebensache zu betrachten?
Nach der Tradition findet der Segenspruch nur dann bei
der Ausübung eines Gebotes statt, wenn dieses eine strenge
Pflicht ist. „Ist also das Zählen Pflicht, so muß auch ein
Segen vor dessen Ausspruch vorangehen; ist das Zahlen aber
nur Nebensache, so darf der Segenspruch auch dabei nicht aus¬
gesprochen werden." Da nun das tägliche Zählen im 3. Buch
Mos. Kap. 23, V. 15 und 16 ausdrücklich befohlen wird, und
keine bildliche Auslegung, nämlich durch tägliche Beobachtung
gewisser Observanzen dabei zulässig ist, so wird dieses als strenge
biblische Pflicht von Maimuni angenommen und selbst von
den andern Rabbinen als eine biblische Pflicht, die mit einem
Segm begleitet werden soll, betrachtet. Hingegen bei einer/)
1) Daß THD bieTTTDD nach der Meinung einiger Rabbinen
ist, ändert an ihrer Wichtigkeit Nichts, wie es auch Nie¬
mandem einfallen wird, die fiten abzuschaffen, die, wie viele
glauben, auch nur pTTl sind; wenn nun nach dieser Meinung,
die nten an die Stelle der Opfer eingerichtet sind, so hat auch
die TilD »7TSD in gleicher Beziehung ihre Bedeutung und Grund.
2) nämlich durch HpT, es bedarf aber keines Segenspruches,
da beim Eintritt einer neuen Unreinheit die Pflichterhaltung von
vorn beginnt. Uebrigens ist die »T'PDD ohne ungültig,
selbst auch die Meinung der Rabbinen , die die iTTDD bei TD
und PD1 als Pflicht (WO) annehmen. Rabbi Hurwitz hat so¬
gar das mündliche Zählen beibehalten wollen.
3 *