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Zweiter
Jahrgang.
Berichte, Studien und Kritiken
fit
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allen solid. Buchhand¬
lungen auf ein Jahr.
jüdische Geschichte und Literatur
Herausgegeberi
von
Br. Julius F u t st.
Von dieser Zeitschrift
erscheinen wöchentlich,
dasMeraturblattwit-
gerechnet, zwei Bogen,
und zwar an jedem
Samstag regelmäßig.
2O. Leipzig, den 15. Mai Ä84A«
Orient. (Kaukasien. Das jüdische Dorf Ar ach in. Tlemsen, 'die Verjagung der Juden daselbst. Ben-Aissa. Hama-
b an. Denkmäler auf Elwend und Bi - Suttun.) — Großbritannien (London, die Feierlichkeiten, die verschiedenen
Predigten; Meid ola; de Sola; Barnard; Mayer; Lindenthal u. A..) — Deutschland (Berlin. Schluß des
Berichts üb. die Schule des Dr. Stern. Leipzig, die Gothaer Bank und ihre Mitglieder mosaischen Glaubens. Posen. Re¬
plik gegen den Correspondenten Kz. Schweidnitz. Ausrand der dortigen Gemeinde. F e r n b a ch). — Böhmen (Prag, der
Verein ,,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".) — Ungarn (P e h st, Forts.) — LB. des Orients.
Orient.
Kaukttfien. In einer Beschreibung der rus¬
sischen Provinzen im Kaukasus- m den literarischen und
kritischen Blattern der Börsenhalle (in den neuesten Num¬
mern), wird auch, so weit ein flüchtig gleisender es zu
thun vermag, der Juden gedacht, und da die Juden da¬
selbst so ganz abgeschieden sind, so ist schon die bloße
Nachricht von ihrem Dasein ein historischer Gewinn.
Die gleise, welche der Beschreiber machte, ging von
Tiflis aus durch Daghestan nach Derb ent und
Baku; als er über Ru tut nach der Stadt Acht i
und von da längs der User des Arach reiste kam er nach
dem jüdischen Dorfe Arachin. Es ist aber nicht das
einzige jüdische Dorf in dieser Gegend, vielmehr sind sie
hier zahlreich umhergestreut; in Arachin aber ist eine
Poststation. Obgleich diese Gegend nun ganz unter der
Botmäßigkeit Rußlands ist, so sind die Juden dennoch
nicht so willfährig gegen die Anordnungen der Regierung;
ebenso die feindlich-gesinnte Umgebung. Dem Gesetze, dem
Reisenden Transportmittel von einem Orte zum andern
zu verschaffen, wird von ihnen nickt Folge geleistet. —
Tlemsen. Das neueste Heft des Journal
de la Marine (Set. bis Der. 1840) bringt die
verbürgte Nachricht, daß Abd-el-Kader die Juden aus
Tlemsen habe verjagen lassen, so daß jetzt keine mehr
da wohnen. Schon bis jetzt hat die Tyrannei Abd-el-
Kaders schwer auf der Gemeinde gelastet, wie noch jetzt
in Miliana und Mascara, und die Verjagung ist
nur diegrausameFolgederbegonnenm fanatischen Herrschaft.
Als Vorwand der Verjagung hat er angegeben, daß sie fort¬
dauernde Verbindungen mit den Franzosen Algiers un¬
terhalten, was vielleicht bei dem schweren Drucke, unter
welchem sie geseufzt, möglich ist. Abd-el-Kader hat
aber die Juden nicht blos verjagt, sondern er hat noch
befohlen, daß man sie nach der Provinz Benismic,
drei Tagemärsche südlich von Tlemsen, transportt'cen
solle, damit sie mit den Franzosen nicht zusammen kom¬
men. Wenn diese Befehle, pünktlich ausgeführt werden,
so läßt sich kaum ihr Untergang bezweifeln, denn gegen
die Reiche wird der Dolch und gegen die Armen der
Hunger ausstehen; jedoch ist die pünktliche Ausführung
nicht bekannt. — Die Nemesis wird gewiß diesen fana¬
tischen, übermüthigm Emir über kurz oder lang erreichen;
seine Verwegenheit hat schon in diesem Augenblicke die
Langmuth der Franzosen gebrochen und den Vernich¬
tungskrieg eröffnet, und schon dieser Feldzug dürste leicht
mit der. Wiederbesitznahme von Mascara, Miliana und
Tlemsen enden, wodurch mancher gedrückten Gemeinde
die Freiheit gebracht werden wird. Hat doch der grausame
Häuptling Ben-Aissa, der 1837 bei der Erstürmung
Konstantine's so viele Juden bei den Arbeiten an der
Bresche opferte, endlich den Lohn seiner Grausamkeiten,
indem er jetzt eingefangen und zu 20jahriger Gefangniß-
strafe verurtheilt ist! —-
^crmadan. Zur Ergänzung des in Nr. 18
über Hamadan mitgetheilten möge hier noch Folgendes
einen Platz- finden. Das schon erwähnte Heft des
Journal de la Marine hat eine ausführliche „Mit-
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