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Berichte, Studien und Kritiken
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Jüdische Geschichte und Literatur
1841.
Leipzig, den 5. Juni
M 23 .
Vorwort. —
Einlsttendes
Abhandlungen. Die Stimmen der ältesten, glaubwürdigsten Nabbinen über die pijuLim.
k E Chronologie, aus dem Arabischen des Bastami übers, von Dr. Wetzstein. Ueber die arabischen, syrornacedonischen, koptischen
ad abendländischen Monate. — Lit. Uebersichten. Ueber die neueste Ausgabe des Kusari, beurtheilt v. M. Sider. Die
^ ~ "rt« (cooftbia Gaon, von Dr. Haneberg. Notice sur Saadia Gaon etc, von S. Munk. — Lit.
Ab ha ndlungen.
Munk.
8aaäia
^vtice
Haneberg.
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salrnübersetzung von Saadla Gaon
nkündigungen
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Die Stimmen der ältesten, glaubwürdigsten Rabbinen
über die
P i j u t i m,
gesammelt und zu gerufen dem
Geschlechts dieser Zeit
von
Ißlani l>en Sclieutida* ! )
Einleitendes Vorwort► i
I. |
In einer Zeit, die an sich selbst irre geworden, in
der sich offenbar ein Bestreben kund thnt, besonders was
religiöse Angelegenheiten betrifft, nach eignem Gutdün¬
ken zu verfahren; in einer Zeit, in der man einerseits
an den Grundvesten des Glaubens zu rütteln sucht, und
wenn es möglich wäre, Alles gerne über den Haufen
werfen möchte, so daß man mit frecher Kühnheit Hand
ctn das Heiligste legt, unbekümmert darum, ob man es
damit ganz zerstört und für immer cmflöst, wahrend
andrerseits man blindlings fortfährt dem thörichten Wahne
zu huldigen, auch die billigste Forderung, wie gebieterisch
sie von der Gegenwart erheischt wird, unberücksichtigt zu
lassen; in einer Zeit, die eigentlich keine Stimmgeber
hat, weit es deren zu Viele giebr, indem Jeder es sein
will,, und man zu Keinem derselben völliges Zutrauen
1) Dieser Abhandlung, von einem der frömmsten rmd ge-
bildesten Rabbinen der neuesten Zeit mir übergeben, jwünscht
drr Redakter bei Nabbinen und Religionslehrern diejenige Auf¬
merksamkeit, die man sonst der ernsten Arbeit der Wissen¬
schaft und der Frömmigkeit schenkt; denn nur religiöser Ernst
und Wissenschaftlichkeit hat hier das Wort geführt. , R§d.
5« fassen vermag- weil man leider so selbstsüchtig gewor¬
den, überall kleinlich« Rücksichten vorastszusctzrn, und dem
frommsten Vorhaben erbärmliche, wo nicht gar die nie¬
derträchtigsten Absichten untcrzulegen, in einer solchen
Aeit thut es wohl noch, einem fahrlosen G-schlechte Spruch
und Urtheil, Lebensregel und Lehre der frommen echt
gottesfürchtigen Alten vorzuhalten, und diese gewichtigen
Stimmen bei dem Schwanken unsrer jetzigen Lebensge-
nvffen in die Wagschale zu legen. Wer nur überhaupt
hiermit übereinstimmt, wird erkennen, in wie weit größe¬
rem Maaße dieses vom Judenthume sich behaupten läßt.
Gott, wenn man da den Zustand der religiösen Ver¬
hältnisse in demselben betrachtet, wie auf der einen Seite,
und selbst von Lehrern und Führern desselben, darauf
hingearbeitet wird, die heilige Sprache aus dem Glau-
bmsgebiete, aus Schule, Tempel, auch vom Gottesacker,
dem letzten Erinnerungsplatzchen, gänzlich zu verdrängen,
wahrend auf der andern Seite gar nichts geschieht, um
die Betende zum Verständnisse des Gebetes zu bringen,
und noch immerhin das Unverständlichste ableiern läßt,
obendrein noch diejenigen verketzert, welche in dieser Be¬
ziehung einige Schritte zur Verbesserung g-than, indem
man, schmählich genug, zu arm an heiliger Gesinnung
geworden, um fromme, reine, aus innerer Religiosität
entspringende Beweggründe dahinter zu suchen ; wenn
man _doch wir brechen ab, um der Sache
nicht sorzugreifen, und gehen gleich zum bestimmten
Gegenstände über. Wer weiß nicht, wie viel jetzt in
den verschiedenen Gemeinden über die Pijutim hin- und
hergeredet wird, deßhalb weil so viele Rabbinen zu schwach
sind, das Richtige zu erkennen oder zu thun, weil die
Gemeinden zu wenig darüber unterrichtet sind, um von
ihren Geistlichen das zu fordern, was diese beigenauerer
Untersuchung vorzunehmen sich verpflichtet fühlen müs-