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475 Klänge aus dem Osten. Lit, Unalekten. Ueber ein persisch -arab. Wort in den Mafaot. 476
Warum Spaltung jetzt so groß
In des Islams Glaubensschooß?
Und euch, Eines Gottes Diener,
Doch das Bruderband verflicht?
Wird denn keine Seele kommen,
Welcher Edelmuth entnommen?
Hilft denn für die gute Sache
Niemand? Keiner für sie sicht?
Unter den übrigen Gedichten sind die Beschreibung
der Geliebten (S. 154) und das Lied eines blinden
Dichters (S. 168) auszuzeichnenz an mehreren vermißt
man ganz das orientalische Gepräge, an einigen auch
alle Schönheit und Tiefe der Gedanken. Unter den
Sprüchen überraschen nidjfr wenige durch ihre innere
Wahrheit, ihren treffenden Witz und ihre pikante Form z
anders, die im Arabischen nur durch Feinheit des Aus¬
drucks, Paronomasien u. dergt. imponicen, sind der Ueber-
setzung, insofern sie nichts jenen formellen Künsten Ebenbür¬
tiges aufbringen kann, nicht in gleichem Grade werth gewesen.
Diese kurze Darstellung wird wenigstens dazu bei¬
tragen, auf ein -Buch aufmerksam zu machen, in wel¬
chem des Nützlichen und Angenehmen gar Vieles sich
aneinanderreiht, und welches im Ganzen weit geeigneter
ist, Lust und Liebe zu arabischer und persischer Poesie zu
wecken, als so manche Uebecschungen, durch welche der
Sinn ihrer Originale kaum hindurchdämmert, so daß
er nur mühsam geahnet, geschweige verstanden werden
kann. Die Klange aus dem Osten, die Hr. Amthor
uns bietet, sind nicht solche unartikulirte Hammerschlage,
sondern vernehmliche Töne, in denen der Orient denOc-
cident bewillkommt. Wir hören, daß Hr. Amthor wil¬
lens ist, seine orientalischen Studien auf dem heimath-
lichen Boden seiner Lieblmgsspcachen fortzusehen, die
Aussicht auf die. Verwirklichung dieses Entschlusses be¬
rechtigt uns zu den schönstcn Hoffnungen, und drangt
uns zu dem sehnlichen Wunsche, daß auf den so liebli¬
chen bunten Blumenstrauß, mit dem er uns beschenkt
bat, recht bald noch reichere, Vollreife Garben von dem
Ernteertrag seiner gründlichen Studien folgen mögen.
Literarische Analekterr
I.
Aeber ein verschriebenes persisch-arabisches Wort
iti den Massaot Benjamins von Tudela.
Eüie Anmerkung zu der Recension der Asher'schen Aus¬
gabe des genannten Reisewerkes im LB. d. Oc. Nr. 29, Col.
443, enthält eine Aufforderung an mich, meine Ansicht über
das von Herrn Baron d'Ohsson als Irrenhaus gedeutete
■jNrßNTD ba "INT des gedruckten Textes der Maffaot, in
diesem Matte darzulegen. Ich thue dies um so lieber, da ich
dadurch Gelegenheit finde, einen Lextfehler der Asher'schen Aus¬
gabe zu berichtigen, mit welchem die obige, durch dm Zusam¬
menhang geforderte Bedeutung nicht bestehen kann. Um das
Wort nach der d'Ohssonschen Erklärung auf zurückzufüh¬
ren , müßte man erstens eine doppelte Verwechslung des o
mit D und des Jo mit n annehmen. Ferner hat
Gebundener, in terminologischer Anwendung nicht die Be¬
deutung: Wahnsinniger (etwa wie fuu h Wer) , sondern:
m i t man nlichen Unvermögen Behafteter, indem
man sich die Zauberoperatlon, durch welche jenes Unvermögen
bewirkt werden soll, als ein Binden, Fesseln, denkt (s.
Catal. codd. Orient, bibl. Sen. Lips, p. 410, col. l).
Endlich ist auch der Zweifel des Rec. an der Möglichkeit, die
grammatikalische Form jenes Wortes zu rechtfertigen, völlig
gegründet. Denn kann in der Mehrzahl unter keiner
Bedingung ^Uajf^o lauten, sondern nur
da die mehr substantive Pluralforiv
nicht gewöhnlich ist. Die Perser aber, auf deren Pluralendung
an der Rec. als auf einen fern liegenden Erklärungsgrund
hindeutec, hängen dieselben keiner der Pluralsormen, sondern
immer nur der den Singulären des Ar ad i scheu an, und'hier
in echt arabischer Verbindung mit dem .Artikel ul wäre eine
solche pleonastische Zwitterform doppelt unmöglich. Aber eben
so wenig ist an ein als Plural von mir
persischer Endung, zu oenken; denn abgesehen von der jchon be¬
merkten Unverträglichkeit eines solchen Persismus mit der ara¬
bischen Gestaltung des ganzen Ausdrucks, bedeutet
als Substantiv nichts anderes als 1) einen Soldaten, der einen
Posten besetzt halt oder irgendwo in Garnison liegt, 2) einen
Einsiedler, Asceten (auch bei uns nach französischer Aussprache
als Marabut bekannt), insofern beide nnverrückt an ihrem
Platze bleiben, was der Begriff des Zeitwortes ist. —
Nach allem diesen ist es keinem Zweifel unterworfen, daß
JNHDinD ein Schreibfehler für JttrmND ist, — dasselbe
Wort, welches in der Variante JNrcnD, nur nach 'vulgärer
Aussprache in der ersten Sylbe verkürzt, offen darliegt. Mü-
n'stnn aber, die gewöhnliche Aphaeresis des persischen Binul-
ristan (wörtlich: Krankcnsiond) bedeutet überhaupt Hospi¬
tal» besonders Irrenhaus. Bochtor im Biet, fran^ais-
arabe : „Uöpital, maison pour recevoir les malades,
les pauvres, Jes fous, —
plus vulgaii-Ement Dcrftlbe unter Maison!
„p « t i t e ü - m <r i 8 « n s, tiüpitul (Iss fous, ",
Marcel im Voeabuiaire frangais-arabe des diaiectus
rulgaires africains, unter Hupital: „HOpital des
fous, mourestün, moristän, mü-
restän 3 mönstan.“ Nach der vulgaren verkürzten Aussprache
schreibt auch Dombay in dem seiner Grammatico mauro-
>n JtcJ,
arabica angchangten Wörterverzeichnisse .1,
murstan.
Fleischer.