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Mittherlungm von M. Heß. Die spätere Abfassung des Ezechiel.
II.
Atitth eil«ngen
von
M. Heß
Im Kerem Ehemed 5, 1841 im fünften Briefe erklärt
der selige Nachmari Krochmal die Barajta in Baba Batra 14,
6. wo es heißt, die Männer der großen Synode schrieben Eze¬
chiel, die zwölf kleinen Propheten, Daniel und Ester. Daß
die Abfassung der zwölf Propheten einer spätern Zeit angehöre,
begründet derselbe S. 67 durch Maleachi 3, 10, wo es heißt
„Bringet alle Zehnten in das Schatzhaus, daß Vorrath sei in
meinem Hause". Dies war aber eine neue Einrichtung, die
Zehnten in das Heiligthum abzuliefern, die vor Esra und Ne-
hemia nicht war. Ferner durch Zachar. 9 — 14, das sich auf
die Begebenheiten bezieht, die unter Antiochus dem Großen,
vorsielen, als Palästina unter griechische Botmäßigkeit kam.
Unter Aschur 10, 11 sind nach demselben die Seleuciden und
unter Mizrajim daselbst die Ptolemäer zu verstehen.
Daß Daniel erst von jener Versammlung geschrieben sein
kann, findet Krochmal darin begründet, daß deutliche Anspie¬
lungen darin enthalten sind auf Alexander den Großeu, die
Seleuciden, Ptolemäer und bis auf Antiochus Epiphanes. Daß/
Ester erst von jener Synode redigirt sein kann, wird unter
andern Gründen auch durch die deutlichen Spuren von einer'
zweiten Version bewiesen, weswegen cs auch heißt 9, 29:
rvwn- ruvTn Dnisn rvuw
Warum aber jene Barajta annahm, daß Ezechiel erst
von jener Versammlung geschrieben sei, läßt derselbe unbeant¬
wortet, da selbst die Schreibart der Namen -in ohne Jud und
Daniel, der dreimal darin vorkommt nach älterer Schreibart
ohne Jud mit Zere unter dem Ales für das AlLerthum zeuge.
Nach dem Grundsätze aber, den Krochmal selbst S. 55. secj.
aufstellt, können wir jede Rede der Propheten ziemlich genau
beurtheilen, in welcher Zeit sie gehalten oder geschrieben wor¬
den, weil nie von den Propheten für die Zukunft etwas genau
Specielles angegeben ist. Welches wohl hoffentlich von keinem
vernünftigen Gelehrten in Abrede gestellt werden kann. Gibt
es nun in diesem Propheten speciclle Angaben über Dinge, die
sich genau so in einer spätern Zeit zugetragen; so können wir
mit Recht auf die spätere Abfassung dieses Stückes schließen,
besonders wenn andere Umstände es noch bestätigen. Nun fin¬
den wir mehrere Weissagungen in Ezechiel gegen Tyrus, welche
tl)eils allgemein gehalten sind und gewiß von Ezechiel herrüh¬
ren , andere hingegen drücken sich so bestimmt über Vorfälle
aus, die genau so ui einer spätern Zeit ihre Bestätigung er¬
hielten, woraus mit Recht der Talmud schließen konnte, daß
sie einer spätern Zeit angehoren und von jener Synode redigirt
wurden. Wir wollen uns dies zu verdeutlichen suchen. Ez.
26, 7 prophezeit Ezechiel, daß Nebukadnezar gegen Tyrus an¬
rücken werde. Es ist hier kein Grund, dieses dem Ez. abzu¬
sprechen. Eine andere Frage ist aber, ob Nebukadnezar Tyrus
wirklich erobert habe, welche nach den Untersuchungen v. Gesenius
zu Jes. 1, S. 712 verneint werden muß gegen die frühere ge¬
wöhnliche Annahme. Dies gebt auch ganz ungezwungen aus
Ez. 29, 18 deutlich hervor. Hier heißt es „Menschensohn,
Nebukadnezar, der König von Babel, hat sein Heer einen
großen Dienst thun lassen gegen Tyrus, jedes Haupt ist kahl
und jede Schulter abgerieben, rmd doch hat er keinen Lohn,
weder für sich, noch für sein Heer aus Tyrus, für den Dienst,
den er gegen sie gethan." Dieses würde nicht der Fall sein,
wenn er die reiche Stadt erobert hätte. Man wird daher
mit Ges. annehmen müssen, daß die Belagerung Tyrus mit
einem friedlichen Abkommen und Bündniß endete. Der Staat
bestand also noch fort und daher konnten die Tyrier in
Gemeinschaft mit lden Zidoniern zum Wau des zweiten Tem¬
pels Zedern herbeisühren vom Libanon mit Erlaubniß Cyrus,
des Königes von Persien Esra 3, 7. Aber später wurde es
von Alexänder dem Großen nach einer siebenmonatlichen Bela¬
gerung eingenommen, wo von den Feinden furchtbar ge-
wüthet worden. Hierauf bezieht sich nun die folgende Weissa¬
gung über Tyrus. Hierdurch erklären sich auch die Wieder¬
holungen, die hier Vorkommen, woran schon Abrabanel Anstoß
nahm, welcher ebenfalls die zweite Weissagung aus Alexander
den Großen deutete; nur ging er in seinem unkritischen Verfahren
noch weiter und laßt sogar Ezechiel selbst über die Bewohner
von Venedig, die Nachkommen der Tyrier, weissagen. Und in
der That lassen sich die einzelnen Ausdrücke ans der Geschichte
der Belagerung Tyrus von Alexander erklären. So deutet
27, 34 ganz deutlich auf die Ungeheuern Anstrengungen die
damals zu Wasser und zu Lande von beiden Seiten gemacht
worden. Auch sieht man aus dem Perfekt v. 34. 35. 36,
daß von einer schon geschehenen Eroberung die Rede ist, welche
nur durch Alexander erfolgt.
Was aber diese Ansicht noch bestätigt, das ist die Schrei¬
bung des Wortes welches in der ersten Weissagung ohne
Waw geschrieben ist, nach der altern Schreibart; in der zweiten
hingegen mit Waw, was auf eine spätere Abfassung hinweist.
Ans diesen Gründen sagt der Talmud mit Recht, daß jene
Synode auch Ezechiel geschrieben. M/ Heß.
III.
Jer. 17, 16. ton n!? wird im Targum wiederge¬
geben durch nvtöj/ N'b NlN'l. Im Meturgeman *) steht dafür
fehlerhaft. Hierüber bemerkt Elia Levita -£n irm
*) Zuerst erschienen zu Jsny in Schwaben bei Paulus
Fagius, damaligem Pastor daselbst, der unter Elias Beistand'
mehrere hebräische Schriften herausgab. Jahr der Welt 5301
=1541. Hiernach ist die gewöhnliche Angabe in den Litecar-
geschichten: Jsny 1541 zu berichtigen. Aus dem angehängten
Gedichte und der dabei befindlichen Nachschrift geht hervor,
daß Elia selbst den Druck leitete, ein alter Mann war und
sich entschlossen hatte nach Venedig zu seiner Frau zurück zu
kehren. In dieser Ossickn erschienen daß folgende Jahr die
sechs Psalmen mit dem vollständigen Commemtar des Kimchi,