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jüdische Geschichte und Literatur
Leipzig, den 28. August L841.
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Abhandlung. Die PfcMnüberschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung Dritter Abschnitt. I. Namen
von Männern in den Überschriften. — L i t. Ue der sichten. Die Landau'sche Pracht - )Lusgabe des Talmuds in Octav-Format.
Der Umfang der Ausgabe. — Der Charakter Esau's, von H. Hochheimer in München. Mit Bezug auf ein altes Vorurtherl. —
Lit. Anzeigen. —
Die Psalrrmb erschriften,
in kritischer, historischer und archäologischer
Beziehung.
Dritter Abschnitt.
Wir behandeln in diesem dritten Abschnitt die Psalm¬
überschriften, in. sofern sie Beiträge zur Archäologie der
Hebräer, und zwar vorzüglich zur Kenntniß des Gottes¬
dienstes derselben liefern. Deswegen haben wir hierher auch
die in den Ueberschriften genannten Männer gezogen; aber
diese können hier nur in so fern erwähnt werden, als sie
in Verhaltniß zu der (religiösen) Poesie der Hebräer
stehen, während die Kenntmßnahme dieser Männer in
sonstiger Hinsicht der Geschichte der Hebräer anheimfallt.
Um so mehr aber glauben wir diese Eintheitung recht-
fertigen zu können, als em großer Theil der in den
Ueberschriften genannten Männer- eben nur in denselben
und, wo sie sonst Vorkommen, nur in Beziehung auf
den Gottesdienst Vorkommen. Unser Stoff läßt sich
alfo. hier in folgende vier Rubriken bringen: 1) Namen
von Männern; 2) Namen von Liedern; 3) Namen
von, Instrumenten; 4) Namen und Bezeichnungen, die
auf Melodieen oder Bestimmung des Liedes für irgend
einen Zweck hindmten.
1) Namen von Männern.
In den Ueberschriften werden genannt: Moses, Da¬
vid, Salomo, Asaf, Heman, Elan, Jedutun, Sohne Korach.
Es fragt sich nun zuerst, wie man die Beziehung zu
verstehen habe, in welcher, nach dem Sinne des Ueber-
schreibers, der überschriftliche Name zum Inhalte stehe.
Äie einfachste und natürlichste Auffassung ist die, nach
welcher die überschriebenen Namen den Verfasser bezeich¬
nen sollen; daß also die mit nrb überschriebenen Psal¬
men von David, die mit von Asaf herrühren sol¬
len. Diese Auffassung wird nicht nur von dem hebräi¬
schen Sprachgebrauch überhaupt, und durch Parallelen
(z. B. Hab. 3, 1. nbsri, Gebet des Habakuk
u. dergl.) gerechtfertigt, sondern geht auch aus gewissen
Psalmüberschristen (wie 7, 1 'rb iw im.irh {W*
18, 1. riNin rnw nm dn 'nb m im mb] vgl.
besond. die historischen Ueberschriften) mit Nothwendig-
keit hervor, und berechtigt uns daher überall, wo wir
den Namen eines Mannes mit b in der Unterschrift
vorsi'nden, anzunehmen, daß dieser Psalm von dem Ge¬
nannten herstammen solle. Nur in gewissen Fällen
könnte man sich veranlaßt glauben, diesen Sprachgebrauch
zu verlassen und an eine andere Beziehung zu denken.
Keineswegs rechnen wir aber hierher diejenigen Fälle,
wo es selbst dem oberflächlichsten Leser auffallen muß,
daß der Psalm von dem überschriebenen Dichter um
Jahrhunderte entfernt sei (wie 51, 20. 69, 36. 79, 1
rc.), wo man also meinen könnte, der Vers, des Psalms
habe dieUeberschrift imSinnevon „aufDavid", „nach Art
Davids" hinzugefügt. 1 Denn da wir uns klar zu machen
gesucht, wie so viele Ps. zu falschen Ueberschriften gekom¬
men sind, so kann uns jene Jnconvenienz nicht veran¬
lassen, eine zweite zu begehen und dem Sprachgebrauchs
mittelst solcher Auffassung Gewalt anzuthun; auch wird
sie schon dadurch widerlegt, daß der Ps. einerseits ge¬
wöhnlich in der 1. Person spricht, von sich klagt, für
sich betet, und andererseits die unbekannten Verfasser
sich nicht die mindeste Mühe geben, sich in die Person Da-
vid's hineinzudenken. Höchstens solche Psalmen, wo der
Vers, eine Person anredet (20. 21. 72.), könnte man
— im Sinne des Ueberschreibsrs — als an die Person..
1) Joel Löwe zu Ps. 74, 1. 42, 1, und m der Einleitung
zu seinem Commentar. #>-
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