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Literarische Ankündigungen.
dern? Und wer aus Temperament, oder als Folge seiner Er¬
ziehung, sich zu irgend einem verabscheuungswürdigen Laste
zur Genußsucht, zur Uebermäßigkeit, zur Lüge, zum Hader,
zum Diebstahl, zum Stolze, zur Grausamkeit, zum Mord
geneigt fühlte, wird er wohl thnn, sein Inneres auch äußer¬
lich darzustcllen? Und wird etwa derjenige, der nicht das
Glück hat, von der Zweckmäßigkeit seiner Landesgesetze über¬
zeugt zu sein, wohl thun, praktisch im Gegensatz mit densel¬
ben zu leben?
Alles dieses beweist augenscheinlich, daß eine vollkom¬
mene Uebereinstimmung des inneren Lebens mit dem äußeren,
ein nicht Jedermann zugestandenes Gut sei, und daß der
Mensch, so lange er in der Gesammtheit lebt, sein prakti¬
sches Leben nicht mit seinen eigenen Ueberzeugungen, sondern
mit den Gesetzen der Gesellschaft, der er angehört, in Ueber¬
einstimmung bringen müsse.
Würde das gegenwärtige Judenthum unmoralische Hand¬
lungen vocschreiben, oder indirekt zu einer laxen Moral füh¬
ren, oder antisociale und antihnmane Gefühle einflößen, so
wären wir bereit, dasselbe zu reinigen, oder es abzuschwören.
Allein die Heiligkeit der Moral des Judenthums ist nur zu
sehrbekannt, und wir— u.wernicht? — kannten und kennen sehr
viele Beispiele von Männern, welche als strenge Beobachter
der Vorschriften des Judenthums . zugleich auch Muster jeder
seltensten geselligen Lugend sind, — Männer, deren Anzahl mit
dem Benehmen des religiösen Jwdifferentismus zum großen
Leidwesen der Gesellschaft täglich im Abnehmen begriffen ist.
Wir nehmen demnach keinen Anstand, unfern Glaubens¬
genossen, deren Ueberzeugungen mit dem Judenthum in Wi¬
derspruch sind, folgenden Rath zu ertheilen:
Brüder! Gewöhnet eure Hände neuerdings an die Uebung
der Gebräuche unsrer Väter- thut es zur Ehre unsrer Vor¬
eltern, die für dieselben ihr Blut vergossen; hoffet durch deren
Uebung jene Zufriedenheit, jene innere Be^.edigung, und
jene Freudigkeit zu erlangen, welche sie mitten unter Be¬
drückungen genossen, und die ihr im Schooße der Freiheit,
der Ehre und Vergnügungen vermisset. Lhut es und eure
Ueberzeugungen werden sich allgemach ändern, und ihr wer¬
det anfangen, die vortheilhasten Früchte der freiwilligen Opfer
zu fühlen, wodurch euer Geist über die Materie eine immer
wachsende Herrschaft gewinnen, und sich von der weltlichen
Moral, welche auf Klugheit oder Ehre, die beiden oft rrüg-
lichen Führer gegründet ist, zur himmlischen erheben wird,
welche auf der Vorsehung beruht, der heiligen Vorsehung,
welche, wenn ihr nur an sie zu denken beginnt, nicht er¬
mangeln wird, auch bald sichtbar zu werden, in den großen
Begebenheiten, wie in den geringsten, ja sie wird euch über--
zeugen, daß Nichts geringe sei, sondern daß das Geringere
vielmehr stets der Ursprung und die Quelle des Wichtigeren
sei. Euer Beispiel wird , eure Familie und eure Kinder zur
Religion und Lugend heranbilden, welche euer Leben und euer
Alter glücklich machen werden, und ihr werdet mit freudigem
Herzen Gott segnen, der uns erwählte, und uns seine Lehre
gab. Padua, 1. Sptbr. 1843. Luzzatto.
Literarische Ankündigungen.
In diesen Ankündigungen werden Anzeigen aller Art, besonders Ln so weit sie jüdische und orientalische Geschichte
und Literatur betreffen, gegen Sgr. für die gespaltene-Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen.
[160.] Durch C. L. Fritzsche in Leipzig ist zu haben und
durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
IDO
D H 1 3 "!
oder
Streitschrift
über
die Echtheit -es Sohar
und
den Werth der Kabbala
von
üeon Modenese*
Nach einer Handschrift zum ersten Mal herausgegeben
von
Julius Fürst
Zn 8. Herabgesetzter Preis 12 Gr.
Durch die „Redaktion des Orients" (Leipzig,
Lauchaer-Straße Nr. 26) ist zu haben:
1) fcOD^D, die Erhebung Israels unter Barak und
Debora. Ein Ln hebräischen Versen abgefaßtes biblisches
Drama in 2 Handlungen, von Nach. Js. Fi sch mann.
Lemberg, 1841. 8. Preis 12 Ngr.
2) iinru Perlenschnüre aramäischer ^Gno¬
men und Lieder, oder aramäische Chrestomathie mit Er¬
läuterungen und Glossar von Dr. Jul. Fürst, Red.
des Orients. Zu des Verf.'s aram. Lehrgebäude als
Uebungsbuch gehörig. Leipzig. Preis 15 Ngr.
3) jnä pN*, discussive Erläuterungen zu tz. 89
des Choschen Mischpat, als Programm eines großen
Werkes über den Choschen Mischpat, genannt: DÄ
Von R. Hirsch Kalifcher. Krotoschin, 1842.
4/Preis 5 Ngr.
Verlag von C. L. Fritzsche.
Druck von I. H. Nagel.