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208 nacn London mit dem Auftrage geschickt wurde, für den Bau des Mu¬
seums des Millionärs Rockefeller einen 21jährigen Ingenieur zu enga¬
gieren, der nicht mehr als ein einziges Jahr Praxis hatte. Dies
geschah zu einer Zeit, wo sich im Lande bekannte Ingenieure mit reichen
Erfahrungen befanden, die bereit waren, für das halbe Gehalt des Eng¬
länders zu arbeiten.
Auch das Vorgehen besonders hoher Vertreter der Regierung in der
vor nicht allzulanger Zeit stattgefundenen Auseinandersetzung des Hai¬
faer Stadtrates mit einem englischen Sanitätsbeamten in der Stadtver¬
waltung, in deren Verlaufe dieser auf einhelligen Beschlüsse seines
Amtes enthoben wurde, vermehrte nicht das Ansehen der englischen
Verwaltung. Die Regierung, die bisher die Beamtenschaft in das spärliche,
im Lande geltende Arbeitsschutzgesetz nicht einbezog, setzte sich dies¬
mal mit besonderer Vehemenz zugunsten des abgesetzten Beamten ein,
ergriff Druckmittel, finanzielle und juristische Maßnahmen, offene Drohun¬
gen, bis es ihr endlich gelang, die Stadtverwaltung zu zwingen, sich dem
Beamten zu unterwerfen.
Aus dem bisher Gesagten ergeben sich folgende hauptsächliche Fol¬
gerungen:
1. Die Beamtenpolitik der Regierung verlief zugunsten der Moslems.
Obwohl deren Anteil an der Beamtenschaft ihren relativen Anteil an
der Einwohnerschaft noch nicht erreicht, ist doch ihr starkes und stän¬
diges Eindringen in den Regierungsapparat festzustellen, was um so
schwerwiegender ist, wenn in Betracht gezogen wird, daß der Prozent¬
satz der Gebildeten und der Fachmänner bei den Moslems im Vergleiche
mit den anderen Gruppen ein sehr niedriger ist. Dieses Eindringen der
Moslems war einzig und allein möglich durch ein ununterbrochenes
Sinken des Anteiles der Juden.
2. Die Regierungsstellen erweitern ständig den englischen Stock inner¬
halb der hiesigen Beamtenschaft und bevorzugen in außergewöhnlichem
und ungerechtfertigtem Maße die christlichen Einwohner des Landes auf
Kosten der anderen Gruppen, was zu der Merkwürdigkeit führte, daß
die Christen — ein Zehntel der gesamten Einwohnerschaft — heute
nahezu die Hälfte aller Beamten ausmachen.
3. Der verhältnismäßige Anteil der Juden an der Beamtenschaft sank
im Laufe der letzten neun Jahre, trotzdem sich der jüdische Jischuw
in der gleichen Zeit 2 1 / 4 mal vergrößerte und obwohl er eine große Zahl
von Personen mit Mittel- und Hochschulbildung und solche mit reichen
Erfahrungen auf gesellschaftlichem und verwaltungstechnischem Ge¬
biete besitzt. Schließlich ist hierbei auch noch zu berücksichtigen, daß
der jüdische Jischuw und seine Steuerleistungen der hauptsächlichste