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arbeiter zu werden, schon in seinem Geburtsland (Rußland) ein Führer und
Lehrer der Jugend und der neuhebräischen Renaissance gewesen war. 18 Jahre
lang, bis zu seinem Tode (1922), war er in Palästina in verschiedenen Kolo¬
nien als Arbeiter tätig, zuletzt in Daganiah, er wurde der Schöpfer und Führer
der Hapoel-Hazair-Partei, die in Gordons Gedanken und der persönlichen
Wirkung, die er auf seine Anhänger ausübte, ihre Wurzel hat. — Die Wirkung
seiner Persönlichkeit wird ungeschwächt weiter bestehen wegen des Wahr¬
heitsgehaltes seiner Gedanken und des Beispiels, das er durch seine Lebens¬
führung gegeben hat. Es ist eine dankenswerte Tat des Jüdischen Verlages,
daß er A. D. Gordon, diese zentrale Figur der jüdischen Wiedergeburt, in
Erez Israel, auch dem nicht hebräisch Lesenden durch die Publikation einiger
seiner wichtigsten Aufsätze vor Augen führt. ad. bm.
Juden und Araber in Palästina. Von Dr. Alfred Wiener. Phil overlag,
Berlin. 53 Seiten. — Der Verfasser, dessen Buch „Kritische Reise durch
Palästina" wir im Jahrgang 1928 (Seite 203) seiner parteiischen Haltung halber
ziemlich ablehnend besprechen mußten, zeigt in dieser neuen Publikation
eine bemerkenswerte Objektivität. Die Schrift ist eine sehr gute Material¬
sammlung. Allerdings ist auch aus ihr der Standpunkt des Verfassers durch-
zumerken. Wozu dient in einem solchen Buch der Nachweis, daß in Deutsch¬
land die Nichtzionisten dreimal stärker sind als die Zionisten (Seite 36,
Anmerkung), daß die Jewish Agency nicht das ganze Judentum erfaßt
(Seite 37, Anmerkung)? Bezeichnend ist auch die fortwährende Heranziehung
und Belobung des Buches von Topf, das, wie hier ausgeführt wurde, gerade
im Abschnitt „Palästina" kaum mehr als ein Pamphlet ist, und jenes von
Schwarzenberger, das keinen einzigen neuen Gesichtspunkt enthält. Immerhin
ist die Schrift im wesentlichen, das heißt in der Hteranholung (weniger in
der Auswahl) des Materials, sowie in seiner Tendenz, den pazifistischen Geist
unter den Juden zu stärken, und einer friedlichen und offenen Verständigung
mit den Arabern das Wort zu reden, begrüßenswert. Es ist auch sehr er¬
freulich, daß die Haltung des Verfassers gegenüber dem Zionismus eine viel
objektivere und wohlwollendere ist, als in seinem ober wähnten, vor zwei
Jahren erschienenen Reisebuch. f. m.
Herausgeber und veranlwortl. Redakteur: Adolf ftöhm, Wien, XVi,, Wühelrninenstreße 28. Eigentum u. Verlag:
C. ßarih, Wien, I., He6g. 7. - Druck: Josef Hajtk's Nflg, Fiiedr. Hoher & Co., Wien. XVü„ Kalvarienbergg. 32