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drungen, die dort in Kibuzim organisiert unter den schwersten Bedingungen
im Kampf mit Hunger und Kälte und chronischer Arbeitslosigkeit standhalten.
Es gibt auch manche neue Kolonien (insbesondere in der Saron-Ebene), die das
Prinzip jüdischer Lohnarbeit ziemlich standhaft im Leben verwirklichen. Doch
sind in den alten Kolonien nur sehr wenige Aenjdjerungen zum Besseren zu
verzeichnen und auch in den neuen (als ein eklatantes Beispiel sei die Pica-
koloniei Ben j aminah erwähnt) zeigen sich manch bedenkliche Anzeichen einer
Entwicklung, die den traurigen Traditionen älterer Kolonien nahekommt. Das
bekannte System des Verkaufs der Obsternte an arabische Händler ohne die
jüdische Lohnarbeit beim Pflücken sicherzustellen, ist trotz der lebhaften
Aufklärungsarbeit der Histadruth, die bereits mehrere Wo,chen vor der
Pflücksaison einsetzte, auch in diesem Jahre mehrfach angewendet worden und
hat an mehreren Stellen (Petach Tikvah, Chederah, Kfar Saba, Benjamina,
sogar das sonst mustergültige Ramat Gan) zu Zusammenstößen geführt, die
besonders in Chedera, wo die Polizei brutal eingriff, einen blutigen Verlauf
nahmen und die gesamte öffentliche Meiniung im Lande um sich konzen¬
trierten. Der Kampf hat übrigens teilweise die Kolonistenorganisation als
solche aufgenommen, die zu beweisen sucht, daß es vom wirtschaftlichen Stand¬
punkt aus unmöglich sei, die jüdische Lohnarbeit in den Kolonien sicherzu¬
stellen und die auch darüber hinaus mit der ganzen Schärfe gegen die Hista¬
druth als solche auftritt. So mehren sich denn Fälle von Bevorzugung jüdi¬
scher nichtorganisierter Arbeit, es wird auch mehrfach versucht, andere Ar¬
beiterorganisationen gegen die Histadruth aufzustacheln und wenn auch der*
Konflikt mit der misrachistischen Arbeiterorganisation in Petach Tikvah
durch ein gegenseitiges Abkommen geschlichtet wurde, so bleibt doch die
Gefahr von Zusammenstößen mit den Revisionisten weiter bestehen. Dem¬
gegenüber hat die Histadruth einen weiteren entschiedenen Kampf um Durch¬
setzung jüdischer Lohnarbeit in den Kolonien proklamiert, der im Interesse aller
jüdischen Arbeiter ohne Unterschied der politischen Ueberzeugungen geführt
werden müsse, sie hat auch gleichzeitig ihre Mitglieder aufgefordert, den
Kampf ruhig, und unter Vermeidung von Gewaltmitteln zu führen, da nur auf
diese Weise der Erfolg gesichert werden könfre.
Doch sind auch, abgesehen von diesen leider ziemlich alten Schwierigkeiten,
letztens noch manche neue dazugetreten, die die Sachlage zu komplizieren
geeignet sind. In erster Reihe ist der jüdische Arbeiter schwer durch den
gesunkenen Geldwert getroffen worden. In den letzten Jahren ist im Zu¬
sammenhang mit dem Herabgleiten der Unterhaltungskosten im Lande (der
Index der wichtigsten Nahrungsmittel sank in dem Jahrfünft 1926—1931 um
zirka 35 Prozent), auch das übliche Lohnniveau des jüdischen Arbeiters be¬
deutend niedriger geworden. Nun kam der Sturz des Pfundkurses mit seiner«
iunmittelbaren Wirkung auf die Preise, die bereits gegenwärtig schwer fühlbar
wird (so sind die Preise der wichtigsten Lebensmittel in Tel-Aviv um 13 Pro¬
zent, in Jerusalem um 10,3 Prozent gestiegen) und die sich in. den aller¬
nächsten Tagen noch mehr auswirken dürfte. Gegenüber dieser fatalen Ent¬
wicklung der Dinge ist der jüdische Arbeiter bisher ziemlich wehrlos geblie¬
ben. Es muß noch berücksichtigt werden, daß es gerade die für den Arbeiter
wichtigsten Lebensmittel (Brot, Kartoffel, Zucker Tee) sind, deren Preise,
weil es sich hauptsächlich um Importe handelt, bedeutend gestiegen sind.
Es wird jetzt der allergrößten Anstrengung bedürfen, um das gestörte Gleich-