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schlossenen Geistes, ohne vorgefaßte Ideen, ohne fertige Pläne oder Entwürfe.
Ich bin Soldat und habe in vielen von einander verschiedenen Länlcfern Dienst*
getan, überall war ich bestrebt, Kultur und Wohlstand zu vermehren.
Unter Berufung auf Aussprüche des zweiten High Commissioners für Palä¬
stina, Feldmarschalls Lord Plumer, der ebenfalls vom Heeresdienst zum Ver¬
waltungsdienst kam, erklärte General Waudhope: Erstes Grundprinzip der
Verwaltung sind Gesetz und Ordnung; Wohlstand und Frieden, guter Wille
und Verständnisbereitsdhaft sind das zweite Grundprinzip; gegenseitiges Ver^
trauen, Glaube und Zuversicht zwischen der Regierung und der Bevölkerung
sind die dritte Grundbedingung.
Der Oberrichter Palästinas, Sir Michael Mac-Donnell, richtete an den High
Commissioner eine Anspradhe, in der er erklärte, Palästina sei ein „un¬
glückliches Land", sehr oft ein Schlachtfeld; um hier erfolgreich zu sein, müsse
man außer allen anderen Qualitäten noch die Geduld eines Hiobs haben. Dieses
kleine Land nimmt einen großen Platz ein in den Gedanken von Millionen
Menschen in der ganzen Welt, jede hier unternqmmene Aktion wird einer
mikroskopischen Prüfung unterworfen und es wird scharf aufgepaßt, ob
irgendeine Abweichung vqn irgendeiner Norm vorkommt. Palästina wird von
Anhängern von einander abweichender Konfessionen und Angehörigen ein^
ander bekämpfender Nationen bewohnt; dies erregt die Leidenschaften und
schafft Gefühlgegensätze; deswegen ist die Aufgabe des High Commissioners
in diesem Lande eine besonders ernste.
Abgesehen von der Zitierung der Kabinettsorder, betreffend die Ernennung
des High Commissioners, wurde in den bei der Zeremonie gehaltenen Reden
kein Hinweis auf das Palästina-Mandat oder das jüdische Nationalheim ge¬
macht. Die Reden wurden englisch gehalten und weder ins Arabische noch ins
Hebräische übersetzt. Nur das königliche Ernennungsdekret wurde in allen
drei offiziellen Sprachen des Landes verlesen. Die ganze Vereidigungszeremonie
verlief sehr schlicht und entbehrte des bei den Vereidigungszeremonien an¬
läßlich der Einführung der bisherigen High Commissioners entfalteten Prunks.
Bei dem Empfang im Regierungshause waren von jüdischer Seite anwesend:
Oberrabbiner Kook, der Kanzler der Hebräischen Universität Dr. J. L. Magnes,
die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Chaim Arlosoroff,
Dr. Maurice, B. Hexter und Dr. Werner Senator, dieor Leiter des Jüdischen
Nationalfonds M. M. Ussischkin, und die Mitglieder des Waad Leumi, der Ar¬
beiterführer J. Ben-Zvi, Dr. David Yellin, Joseph Meyuchas.
Wauchope in Amman. Der Oberkommissär begab sich nach Amtsantritt
nach Amman, um sich als Oberkommissär auch für Tranjordanien einzuführen.
Der neue Oberstaatsanwalt. Als Nachfolger von Bentwich wurde Mr. Harry
Herbert Trusted, früher Oberstaatsanwalt in den Leewards-Inseln ernannt
Der neue Kolonialminister. Mr. Thomas behielt im neuen englischen Ka¬
binett das Ministerium für Dominions. Jenes für Kolonien übernahm Sir
Philipp Cunliffe-Lister.
Der diu seimanische Kongreß. Der vom Mufti für 7. Dezember einberufene
Kongreß hat stattgefunden. Die Regierung forderte die Organisatoren auf,