Page
aller jüdischen Gewerbearbeiter in den letzten Produktionsstufen, besonders
als Schneider, Hutinaeher usw., also viel mdhr in der Urproduktion entfrenn
«Jeten oder in besonders schlecht bezahlten Berufen beschäftigt sind, in Palä-*
stina dagegen nur 20.7 Prozent. Umgekehrt in den ersten Produktionsstadien
(Metall-, Holz-, Bau-, Steiiigewerbe, chemische und Elektrizitätsindustrie) sind
in Polen nur 12,6 Prozent, in der Ukraine 23,5 Prozent, in Palästina hingegen
56 Prozent der jüdischen Arbeiter beschäftigt Es gibt wohl kein schlagenderes
Zeugnis für die Bedeutung des Umschichtungsprozesses der Juden durch die
Konzentrierung in Palästina als diese Ziffern. Erwähnenswert ist weiterhin,
daß gegenüber 1921 die Zahl der jüdischen landwirtschaftlichen Lohnarbeiter
in Palästina von 11,1 Prozent auf 21,5 Prozent gestiegen ist. Die berufliche
Struktur der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ist heute der der nichtjüdi¬
schen Polens viel ähnlicher a.ls der der jüdischen, und zwar fast in allen Be¬
rufen, ein Zeichen für den sozialen Gesundungsprozeß und das Eindringen
der Juden in die Urproduktion und die ihr angenäherten Berufe. Eine im
Jahre 1926 durchgeführte Untersuchung der beruflichen Gliederung der Ein*
wanderer vor und nach der Uebersiedlung, zeigte, daß vor der Uebersiedlung
nur 28,8 Prozent in Landwirtschaft, Industrie und Handwerk beschäftigt waren,
nach der Uebersiedlung dagegen 67,6 Prozent; 38,8 Prozent waren zu produk¬
tiver Arbeit neu übergegangen!
Die Tabellen 69—72 enthalten ausführliche Angaben über Lohn- und Arbeits¬
zeit der jüdischen Arbeiter, die wir hier nicht zur Darstellung bringen können)
(es sei nur erwähnt, daß 66,8 Prozent aller Arbeiter 8 Stunden und weniger
arbeiten; in Landwirtschaft, Industrie und Baugewerbe sogar 75 bis 80 Pro¬
zent); die Tabellen 73—74 bringen einige Angaben über die Wohnungsverhält¬
nisse; die Ergebnisse in dieser Hinsicht sind wenig erfreulich. Es ergibt sichl,
daß 3988 Arbeiter (unverheiratete und Familienväter) in Baracken und 583
in Zelten wohnen; von 23.830 Arbeitern insgesamt wohnen bei 1838 — 5 un4
mehr, bei 2170 — 4, bei 5374 — 3, bei 5792 — 2 Seelen, bei 4116 — 1.5 bis 1 und
weniger Seelen in einem Zimmer. Für 4492 fehlen die Angaben. Diese Ergeb¬
gebnisse sind ziemlich erschreckend, wobei aber in Betracht gezogen werden!
muß, daß das warme Klima die Wohnungsbedingungen erleichtert und das die
meist vorhandene offene Veranda in dar Zählung nicht als Zimmer gerechnet
wurde, obwohl sie sehr oft ein Zimmer ersetzt. Trotzdem bleibt auf dem Ge¬
biet noch recht viel zu bessern. 36 der Lohnarbeiter geben 5 bis 9 Prozent
ihres Lohnes für Miete aus, 24 Prozent 10 bis 14 Prozent und 26 Prozent
15 bis 24 Prozent (der Rest teils weniger, teils mehr); fü«r die Angestellten
sind die Zahlen 15, 23 und 40,5 Prozent (der Rest gibt größtenteils mehr aus).
Die Tabelle 75 zeigt, daß in den fünf größten Kolonien des Landes bei der
Bearbeitung der Orangengärten zur Hauptsaison nur 47 Prozent jüdische Ar¬
beiter, dagegen 53 Prozent arabische, davon 12 Prozent festangestellte, be¬
schäftigt sind. Nur 24 Prozent aller Orangengärten werden durch rein jüdische
Arbeit bestellt. Die Tabelle 77 bietet hierzu das Gegenstück: Im Juni 1930
beschäftigte die Regierung bei öffentlichen Arbeiten 1210 arabische und 70
jüdische Arbeiter. Fügt man hinzu, daß jüdische Arbeiter von Arabern so gut
wie überhaupt nicht beschäftigt werden, so erübrigt es sich wohl, noch weitere
Details zu geben, um den Wunsch der jüdischen Arbeiter, wenigstens in den
rein jüdischen Siedlungen hundertprozentig Arbeit zu finden, begreiflich zu
machen.