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Kleidern, Werkzeugen, Möbeln, Saatgut mitgeben; man muss
ihn zeitig gentig auf sein Grundstück bringen, dass er es urbaren
und einsäen kann, und muss ihn bis zur nächsten Ernte unter¬
halten. Man kann diese Kosten per Familie auf nicht gut
weniger als 50—60 Pf. St. veranschlagen. Sind sie erst einmal
gemacht, so kann man allerdings die Existenz der Familie als
gesichert betrachten, und das Land wird wahre Bürger in ihnen
gewonnen haben.
Die neueren Ansiedlungen sind auf eine andere Weise an¬
gelegt worden; man hat gleich von vornherein in die neuen
Länder die Organisation der vorgeschritteneren Gesellschaften
einführen wollen, eine Organisation, deren Nutzen für diese
letzteren vielleicht noch fraglich ist, die aber jedenfalls für erste
Entwicklungszustände nicht günstig ist. Man hat anfangen
wollen mit der Investition grosser Kapitalien und der Ein¬
richtung von kapitalistischen Grossgütern, und man hat darauf
gerechnet dass ihre Erzeugnisse von dem Handel aufgenommen
werden würden, um in entfernten Ländern verzehrt zu werden;
fast immer ist man damit gescheitert. . . .
Junge Völker sind auf eine ganz andere Weise zur Blüte
gelangt: ihre Gründer haben an sich selbst, an ihre eigenen
Bedürfnisse, an ihren eigenen Konsum und nicht an den Handel
gedacht. Sie hatten zuviel damit zu tun, den Widerstand der
jungfräulichen Natur und die Unsicherheit der Jahreszeiten zu
besiegen, als dass sie sich auch noch den Wechselfällen des
Handels hätten aussetzen wollen. Sie haben von dem Boden
gerade das verlangt, was sie zum Leben gebrauchten, und sie
haben gelebt; jeder Fortschritt ihres Fleisses hat ihnen nicht
Exportwaren, sondern neue Genüsse und neue Bedürfnisbefrie¬
digungsmittel geliefert. Auf der anderen Seite müssen sie aller¬
dings ihre Genüsse auf das beschränken, was ihrer Hände
Arbeit hervorbringen kann; sie dürfen nicht auf auswärtigen
Märkten zu kaufen versuchen, sondern sie müssen ihre Aussaat
und ihr Gesamtprodukt an Nahrung immer dem Bedürfnis
ihrer wachsenden Familie anpassen. Sie müssen selbst ihre
Hütten bauen, ihre Kleider weben, ihre Werkzeuge anfertigen.
Wenn man uns nun fragt, wozu eine Kolonie nützen soll, die
nur das hervorbringt, was sie selbst verzehrt, die nichts expor¬
tiert und nichts kauft, so antworten wir, dass sie ihre Aufgabe
erfüllt hat, wenn sie glückliche Menschen hervorgebracht hat
So begannen alle Kolonien der Griechen in Kleinasien und Ita¬
lien, so entwickelten sich alle kleinen Völker des Altertums,
während die modernen Kolonien, aus Handelsrücksichten ge¬
gründet, fagt immer schwere Krisen durchzumachen hatten und,
wie Kanada und Neuengland, nicht eher angefangen haben, zu ge¬
deihen, als nachdem die Kapitalisten aufgehört hatten, mit ihnen
Spekulation zu treiben."
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