Seite
13.
Die toten Fische am toten Meere! Kleine nur haben meine
Augen erblickt, meine Füsse getreten. — Die grossen Fische, so
erzählte man mir, schmecken, der Mündung zuschwimmend, den
Untergang, und in aller Hast kehren sie zum Oberlauf, die Strö¬
mung überwindend; die schwächlichen Lebewesen nur werden
vom Strom ins Verderben gespült. — Und ich dachte, wie ist
es ähnlich im Menschenleben! Wie ist es ähnlich in Israel!
14.
Ich habe den Versuch gemacht, unterzutauchen in der Salz¬
lauge; unmögliches Beginnen, die Flut warf den Körper zurück.
— Geht es dir nicht ebenso, mein Voik? — Unmöglich ist es,
unsere nationale Existenz zu ertränken. Die See des Todes wirft
uns zurück, das Opfer verschmähend.
15.
Wunderbar wiederholt sich, was vor Jahrtausenden gewesen,
und der alte Kampf zwischen Esau und Jakob wird in unseren
Tagen wieder ausgefochten. — Die Eingeborenen sind wie Esau,
gutmütig und rauh, an Zahl und Stärke den Söhnen Jakobs
überlegen. Und wiederum strebt Jakob nach der Erstgeburt, die
Hand an der Ferse des Bruders. — Sei klug, mein Volk, und
wachsam! So lange du im Besitz der höheren Kultur bist, wird
dein Bruder dir dienen müssen.
16.
Und wie in alter Zeit, so fehlen uns heute nicht die Sama-
ritaner. Nachdem wir, ein zählig Häuflein, den Grundstein
zum Heiligtum gelegt gleich den Fünfzigtausend unter Serubabel,
kommen die Verläumder, die da halb Juden sind, halb Heiden,
die den Gott Israels anbeten, aber auch, aus schlotternder Angst,
vor den Göttern der Völker die Kniee beugen. Und sie suchen den
Tempelbau zu hindern nach bekanntem Vorbild: Abfall planen
heimtückisch die Judäer! — Seid ohne Furcht, ihr Brüder! —
Bauet, wie die Väter, das Schwert umgürtet, die Kelle in der
Hand; der Tempel wird errichtet, ob heute, ob morgen, ob in
Jahrzehnten. — Unsere Hand aber am Throne Gottes: Die Ver¬
läumder sollen mit uns weder Erbe noch Anteil haben!
3S§ä§
43