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das leider nicht zu Ende gediehen; zum Ergänzungsband haben sich
nur Notizen vorgefunden. — Seine Bibliothek zählt einige Tausend
Bände. In dieser Bibliothek vermisst man kaum ein Werk von wahrem
Werthe aus dem Gebiete der jüdischen Litteratur und enthält dieselbe
nebstdein sehr seltene Ausgaben. Diese Bücher sind dadurch noch
werthvoller, dass sie Randnoten von seiner Hand enthalten. Die Biblio¬
thek bildet ein Denkmal seltenen Sammelfleisses, gepaart mit Sach¬
kenntnis. — Am 24. Januar hielt er die letzte Predigt in der Synagoge.*)
Donnerstag, den 29. Januar hielt er einen wundervollen Vortrag aus
dem Stegreif über den Talmud in der Vereinsversammlung des Mendels¬
sohn-Vereins in Frankfurt a. M., der über V/2 Stunde dauerte und
mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Sonnabend, den 31. Januar,
wurde er in der Synagoge von einer Ohnmacht befallen, erholte
sich aber bald derart, dass er den weiten Weg nach seiner Wohnung
zu Fuss zurücklegte. Der herbeigerufene Hausarzt legte der Sache:
gar keine Bedeutung bei. Allein Dienstag, den 3 r Februar, Abends,
trat eine linksseitige Lähmung ein, der Mittwoch Abend eine rechts¬
seitige folgte. Am 5. war Nehemias Brüll, ein seltener Mensch und grosser
Gelehrter, unter den Toten. Sonntag, den 8. Februar, 9 tlkp^Jw^
man einen der edelsten Menschen. Die zahlreichen Kundgebungen der
Theilnahme von nah und ferne geben Zeugnis, welcher grossen Aner¬
kennung sich der Heimgegangene in seinem Leben erfreut hatte. Sein
Angedenken sei zu Segen!
*) Das Manuscript befindet sich im Besitze des Dr. Adolf Brüll.
Nachschrift an die Leser.
Nach dem Ableben des Red. fanden sich nur einige Artikel Hebraica und
Schluss des Artikels S 130. Dem Ersuchen der Verlags-Buchhandlung entsprechend
und aus Pietät gegen den sei. Freund habe ich die Iied. dieser Doppelnummer
übernommen und, da anderes Material nicht schnell genug zu beschaffen war, den
Nachtrag (S. 108) zur Ausfüllung der Lücke zwischen der Hebr. Bibl. und dem
Centralbl. von Hrn. Stud. Poznanski aus meinen eigenen Büchern aufnehmen lassen.
Berlin, im Juni 1891. M. Steinschneider.
Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein) in Frankfurt a. M.