Seite
JUDISCflf
Ksasfctioa, Verls« anal Ansät«««Verwaltung: linMiMi
t. O B 6«0; 5. JUn Jthnda Str., T«l*pSoe 107».
Fiir i)n*rrl»n«t* Manuakriftp wird k*ln* Garant!« üb#r-
n^mmen. J#d«r Kinaandunt: oder Anfrtf« iat «in iittf-
national»? AntworturriMn h<uiifü»>n Zutchrtft-n für 4I#
Redaktion wftdtn nicht an Ktn*'!»*r»oft«i. aonaVrn k PITRPTTAR IQ.ln
an 41, Reaktion. J#ru.al,.m. I*. O H. 6»* 5 HibKÜAK 1910
«lERIJSiMJsM
JAHRGANO 11 / Nr. »
ms ra
SCHAU
Brachalnt slnsial «teaaaUlcb: AutalzaBSunaJuna ftr
»IIa Lln««r" •ttM«h)l"««Uch Jaruaelem F.O.B. ei». —
Aturl(rnl««t* p»r t,uft|x>»t rr!.. l. n - - Di« Ana*l*»n H#U«
i*rfäM In Spalten, J<« 9.« an br*it Orundpr*!» 1 t*eh
,-.-a» <-m »h $/, j» Hp»U*. Mlstmalcrease l| lach
(3,75. cm) IUiMga»t»tM T»rfl Mal« am HeMttna d. ItlaitM
.Sfürmer-Melhoden in Prag Dunkle Mächte
Seit der Besetzung Böhmens und Mährens
durch die Nazi-Truppen übt /Jrvrftc/ibtfKi ch> tat¬
sächliche Gewalt in diesen Gebieten aus Alle» ;
ursprüngliche Gerede von einer „kulturellen Au¬
tonomie" der Tschechen war natürlich barer
Schwindel. Wenn man bedenkt, wie ein grosser
Teil der Welt sich von der deutschen Propaganda '<
Uber angebliche Unterdrückung der deutschen '
Minderheit in der CSR (später auch in Polen) i
tauschen und fangen lies», muas man fragen, was i
diese Kreise jetzt zu der Art und Weise sagen, |
wie Nazi-Deutschland »eint Minderheiten:
(Tschechen und Polen) behandelt.. Sie sind völ- ;
iig rechLlos, werden beraubt und vertrieben,
und auch ihre Kultur schreibt Naai-Deutech-
land vor, nämlich brutaler Zwang zur „Gleich-
scJuiltung", der da« tapfere tschechische Volk
mit. äiiAser.iter Energie Widerstand leistet. Sämt¬
liche tschechischen Hochschulen sind Jetzt ge-
sperr,, in allen tschechischen Gebieten wird rück-
äichtaio* germanisiert — da» ist da« Resul¬
tat der ..Verteidigung" der deutschen Minderheit
in der CSR, der es, verglichen mit der jetzigen
Lage der Tschechen, geradezu paradiesisch g«~
gangen ist.
Zu den Kulturgütern, die Deutschland den
Tscbechen aufdrängt, gehört auch der Antise¬
mitismus. Die Tschechen wurden mit Dro¬
hung, Gewalt und Zuckerbrot zur Annahm« des
brutalen Antisemitismus deutscher Prägung ver¬
halten. Mit welchen Mlüein mar. dabei arbeitet,
geh-c hervor aus der in Böhmen gegründeten an-
tisemitischen Presse Ks lohnt sich, einmal eine
Oberlicht über diese Machwerke zu geben.
Arn 12. Mai litt» erschien in Prag die erate
Nummer der Zeitung „Stit Nanoda", zu deiMSch
„Schild d*s Volkes". Der Chefredakteur Karel
Kaaanda weist darauf hin, das* das Blatt bereits
im Jahre 1919 zur Verteidigung der Intel eisen
des tschechisch-slowakisch arischen Verbandes
gegründet worden sei. Bezeichnenderweise wird
die ganze erste Sei;e des Blattes ausgefüllt durch
ein Bild HiUer*. das von einem Gedichte Ka¬
san das an den „Arischen Adler" begleitet wird.
Kasanda veröffentlicht dann eine proe^anuna-
tiache Erklärung, worin es heisst: „...Die Juden
benutzten unsere Republik aU geeignet« Ba¬
stei gegen Hitler und die arischen Deutschen,
Ich bin Tscheche, Angehöriger eines grossen
Stammes der Sktven ich kann nicht und will
auch nicht ein anderer sein. Ich bin auch Arier
und die*« arische Verwandtschaft erlaubt mir,
wenn ich auch einer anderen Naüon ab der der
Deutschen angehöre, mit den arischen Deutschen
zu wetteifern. Der Mephisto, der Jude, iat ver¬
schwunden... Ich glaube, daes der Führer, der an
Gott glaubt,... auch ein Schutz Korr unserer na¬
tionalen und religiösen Getühie sein wird Ich
glaube nicht nur an den absoluten Huy de* Pan-
arvrmus, sondern auch an die Auferstehung der
(Sktven"
In der Niv 2 des „Stit Näroda" wird auf der
ersten Seite dieses Blattes die Karikatur eines
Juden gas* nach dem Muster de» .Würmer*'
veröffentlicht Wie sehr die Methode Streicher*
auf. Kasanda eingewirkt hat, beweist auch die
3. Nummer seiner Zeitung, denn hier seh*« wir
«in Bild unter dem Titel „Juden — Vampyre und
Verbrecher". Auf der Zeichnung erblickt man
einen Juden im Zimmer eines halbnackten Mäd¬
chens, Immer wieder wird auch in dieser Aus¬
gabe die Verständigung zwischen Tschechen und
Deutschen auf der Basis des Antisemitismus ge¬
predigt. Auch die KUualmordfrmge wird als anti¬
semitisches Kampfmittel in diesem Blatt« aur
Sprache gebracht In einem Artikel „Manaryk
und die Ursache der moralischen Zerrüttung des
tschechischen Volke«" wird dem großen Staats¬
mann vorgeworfen, er hnhc überall die Juden
begünstigt und «ein Amt su seinem eigenen Vor¬
teil verwaltet
Es wäre ermüdend, noch weitere Artikel die¬
ses Blattes zu besprechen, von dem acsi 16 De¬
zember erat die Nr 13 erschienen ist. Das Blatt
dürfte durch den Hinv/eU auf seine ersten Aus¬
gaben genügend charakterisiert sein
Die Tageszeitung ,.V I n j k »", zu deutsch ..Die
Fahne" ist das Butt; des „T.schechischen Nationa¬
len Lagers", der stärksten antisemitischen Grup¬
pe in Böhmen und Mahren, das ursprünglich
von Jon Ryn gefaltet wurde
Für XttrnbrrKcr (ivvtim
Wenn auch die Sprache der „Vlajka" nicht
mit dem „Stürmer"-Ton des „Sti:, Näroda" ver¬
glichen werden kann, so tst *ie nicht minder an¬
tisemitisch eingestellt als das Biati Kasanda*
Auch diesen Blatt verlangt immer wieder die
Einführung der Nürnberger Gesetze im Protek-
Und jüdische Aufgabe
Eft ist vielen aufgefallen, das« Chur-
c hMI in seiner grossen Kede, die eine Ab¬
rechnung mit Hitler war, unter den Opfern
der Hit ler- Barbrtrei /war die Tschechen und
Polen, aber nicht die Juden genannt hat. Ähn¬
lich verhüll es sich mit einer Hede Daladlers
aus den letzten Tagen. 80 wie da» englische
Blaubuch und das franz<ie»i»ehe Gelbbuch mit
ihrer Darstellung der Vorgeschichte des Krie¬
ges in einer Offenheit, die vor Kriegsausbruch
unmöglich war, neben der politischen auch
eine moralische Bewertung des Nationalao-
«ialismu» enthalten, so haben jetat die Ijeiden
StaaUsmänner ohne diplomutiache Rücksichten
Uber den kulturellen Aspekt dieses Kriegen
sprechen können. Hie haben da so manches
gesagt, aber nicht alles. Denn Nazi-Deutach¬
land hat zu einer fteit, wo es noch auf das
Aualand Rücksicht nahm, vor allem die J u -
den. die seine eigenen Staatsangehörigen
töi&t. in einem Artikel „Der dritte RituaJmord j ^ar-eri und daher keinen Sehuti genosuen, zum
la Polna" wird dieser birtbmii.Fall von n«uem( obj€kt t Grausamkeit gemacht, und hm
behandelt und du, Rltuaimord-Beschulchgung 1 ^ fc { Tag suchen sie die Juden al«
gegen die Juden erhoben .. *» , ... . .
^ « Uhren Hauptfeind darzustellen; sie verbreiten
1 k ST X UtU * » A r ' J * k a L r °# n m*" ' 8 °eTar in den feindlichen Ländern die Meinung.
Är^Ä,T. Sr ^i ai »^ pftcn ^ c vo ; a,, T Kc r r r en
Zeitung nahesteht, hat der Prager Regierung! und * is Ä1 ' M?n (li<lBe die g^'hoimnisvollen Erre-
immer wieder Vorschläge unterbreite, die dara»tf! S** diese» Krieges. England selbst hat In
hinzielen, uie Judenfrage in Böhmen und Mäh- j seinem Weisshuch von Oktober 1939 die Bo¬
ren zu einer radikalen Läsung zu •bringen. Da*» (••richte seiner Konsuln über die Behandlung
zu den Punkten des Programme* diese» Ver- j der Juden im November 1938 veröffentlicht,
bände» die Einführung der Nürnberger Gesetze Warum also erwähnt Churchill diese MiMhand-
gehört i*t selbstverständlich. In ein«m Artikei i , ungen und die3e Täuschungsmanöver mit
:d!: ÄÄiSsr;^ r i «^»« r «v isn5 f
erbittuche Kampf gegen die jüdischen Parasiten, j * ber hftt Ursache in Jener bewußten
die unser Volk su tragischen Abenteuern ver- ' unbewussten Scheu, jüdische Angelegen-
führt haben Das Motto des Arischen Kultur- ' heilen in politischen Reden zu behandeln; die
Verbandes ist: „Geyen die Juden bim tum letzten j demokratischen Staatsmänner des Westens
Juden". ! anerkennen natürlich nicht die Einteilung der
Auch die antisemitische Tageszeitung , Nas tu p Menschen in , .Arier" und Juden, und sie be-
Cer venobi ly ch" trägt einen symhoüschen i trachten als politische Kategorie zwar Völker
Namen Er bedeutet nämlich „Dvr Au(»ti f »j de, \ Wle Po i cn und Tschechen, die gerade erflt ihres
Rot.WeU«*'; d h aiao derjenigen, die sich j» iStaatM berauht Worden „ ind nichJ aber die
d>* rot-weisse tschechische fahne schare«. \ Juden. Auch will man offenbar alle« vermei
dakteur dieses BlaUes. das ebenfalls in Prag er¬
scheint, ist Dr. Zd Zäsfera Mit kleinlichsten wa» den Eindruck erwecken könnte, als
ob man um der Juden willen diesen Krieg
führte. So wie früher in manchen Ländern
sofort jede staatliche Unterstützung und die ihnen Mitteleuropas liberale Parteien Angst davor
hatten, als ..Judenschutzparteien" zu gelten
Mitteln wird auch in diesem Blatt gegen die Ju¬
den operiert. Auch wird verlangt, dfws den Juden
zustehenden Pensionen entzogen werden.
Von der Konjunktur getragen, erschienen tn und sich daher lieber nicht zu deutlich für die
Prag und auch in anderen böhmischen und mäh
riacben Städten noch weitere derartige Zeitungen,
von denen wir «ur noch die „S a r o d n i V y s -
v a " („Voikaaufruf') Prag und die ... N h r o d n \
Tabör" «„Voikslager") Brünn nennen woilejn
Juden exponierten, so ähnlich verhält es sich
heute im internationalen Leben. K» zeigt un»,
wie stark die suggestive Kraft de» Antisemi¬
tismus selbst Uber seine Gegner ist. Und hier
Jaroslav Veverka, der Autor dt* im Sommer 1936 beginnt die Sache für uns interensant zu wer-
in Prag erschienenen Buches „Odbidovsffci", zu , f lcn. Wir wissen m nicht, aber wir können
deutsch „Mnifuden", setzt ihm das Motto voran:; vermuten, da»s selbst in England, wo die un-
„Soll ein Garten bHihen. muss man das Unkraut ent.; terirdigehe Nazi-Propaganda besonders aktiv
fernen- In der Binleitang erklärt er, er sei auf die ^ die Tendenz vorhanden Lst, den Hörern zu
Ida« daa^n^dens-oaiÄderTragödi« des uche-1 ^ wa « die Hitlerherrachaft auch abge-
ehUehen Volke, gekcz^men, er hake die Ursache , h y bekannten Schandtaten yeywi
dtesss Unglücks gasucht und sie auth gefunden.: . . ... . . r .^ r , ... , r , . * < m
So wie ehT Haus, das «inen schiechten Unterbau:^'» bedeutet. Denn du- Bekämpfung .ler
hat. zusammenfällt, so bricht das Volk zuaam-1 Juden geben die Nazis zu, ja aje rühmen sich
man. dessen GrundJagen schlecht und morsch; ihrer; durch deren Brandmarkung also Lh\
sind. „Die Juden wissen warum" meint er. 1 der Feind in den Augen vieler nicht hlostfge-