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: heori e. Itever Rasseudingc tvissen iw.
n cht vill Bestiinmtes. die wissenschaftliche Vor-
urbeit ist zum Teile noch nicht geliefert, in
dm Werdeprozcß dieser Dinge können wir
roch nicht htneinleuchten. Ader nationale
„Eigentümlichkeit" ist etwas historisch Ge
gebenes, Klares, faßbares und Greifbares,
Deutsche tcnd Franzosen, Engländer und
Spanier, ja .konservative und Sozialist.,, so¬
gar liaden liier für Sinn, nur d u Judei, und
Halbs udeu fehlt mertlviivdigerweise der -inn
kür diese „psychischen Geincinsamke tsinerk-
male", wie ich diese nationalen Eigentümlich¬
keiten schon im Programme der Jüdischen
Volkspartei genannt habe. Für Juden und
Halbsuden sind dstse Dinge eben auch in theo¬
retischer Begebung unangenehm. Auch in der
Wissenschaft spielt, nm nur Nietzsche zu reden,
das Menschliche, Allzumenschliche, das hinter
den Dingen geht, eine Nolle. Der Daldji.de
Herd wird mich schon perweheil.
Doch dies nur nebenbei. Der Staat, meint
Hertz weiter, kann mit solchen geistigen Ein¬
heiten nichts anfangen, er braucht ändere
Merkmale. Das ist die Sprache, und dieses
Merkmal fehlt bei den Juden. Hierbei ist nun
zweie,lei zu sagen: Erstens haben die menten
Inden eine eigne Sprache, zweitens braucht
ein moderner s-taat solche äußere Merkmale
gar nicht. ^ An dieser Stelle weiß Hertz nichts
davon, daß die Inden eine eigene Sprache
haben; Zum Schlüsse des Aufsatzes heißt es
wörtlich: „Aber selbst irn Osten, wo die be¬
sondere Sprach." nsw. Drei Viertel der
Inden Oesterreichs wohnen oben im Osten,
geehrter Herr, sprechen eben den sogenannten
jüdischen Volksdialckt. Und diese Sprache, die
manchen Inden, die selbst nur ellnd mauscheln,
so komisch vorkommt, ist eine gar wuchtige und
schöne Mundart, die sich viel besser liest als
jenes papierene Deutsch, das unsere Assim lan-
ren schreiben. Es klingt nicht schön, sagt inan;
nun, das ist Geschmackssache. Ich für meine
Person liebe jenes seltsame Nichtdeutsch, jenes
undeutsche Gemauschel der Wiener, mährischen
und deutsch-ungarischen Juden auch nicht. Aber
die Hauptsache ist und bleibt, daß zwei Drittel
ö eWJüdetMinOesierreich, wie Hertz selbst ein¬
mal zugibt, nun eine besondere Sprache haben.
Zweitens, ein wirklich moderner Staut braucht
diese äußeren Merkmale nicht. Im modernen
Staatswesen wird und soll nur darnach gefragt
werden: Will sich eine Gruppe von Menschen
ans einer solchen« nationalen Basis konsti¬
tuieren, daß dadurch etwa der Staat geschädigt
wird«? Die Iren haben auch keine eigene
Sprache, aber cs fallt den Engländern gar
nicht ein, ihre Forderungen abzuweisen, weil
das äußere Merkmal der Sprache fehlt, sou¬
denk an unsere Helene. Du weißt nicht, daß
sie in den Leutnant, der uns -- mich und die
Helene — stets auf der Promenade begleitet,
rein pernarrt ist. Wenn wir sie nicht einem
beliebigen hergelaufenen Juden geben, bleibt
sie zum Schlüsse noch eine alte Jungfer. Wenn
wir uns taufett lassen, wird aber alles anders.
Dann wird sich gewiß der Leutnant mit unserer
Helene verloben, denn das fatalste Hindernis
bei der ganzen Sache ist dann für immer be¬
seitigt. Wir müssen cs unserer Kinder halber
tun, denn haben auch wir genügend Leid als
Juden ertragen, so soll cs unseren Kindern er¬
spart bleiben." Die Frau siegte, Redlich
äußerte dem Pfarrer gegenüber den Wunsch,
sich taufen zu lassen.
Ter Pfarrer weihte sie mm irr die Ge¬
bräuche und Glaubenssätze seiner Religion ein,
bereitete sic zur Taufe vor und besorgte s löst
die Taufpaten.
Die .Nachricht von dem Glaubenswechsel
Redlichs wurde zum Stadtgespräch. Das hatte
die Stadt M. noch nicht gesehen, weil sich noch
nie ein Jude in ihrer Kirche taufen ließ. Und
pt diser Zeit war gerade Redlich der einzige.
Die Betschwestern überhaupt beschäftigten sich
nur mit diesenr Thema. „Das macht der Red-
Ich bloß des Geschäftes wegen," meinte ein
dickes Betschwesterlein zu ihrer Umgebung,
„aber der kann sich mit seiner Frau und seiner
Tochter sechsmal taufen lassen, so bleibt er
doch nur ein Jud; das heilige Weihwasser kann
ihm den Juden doch nicht hermltevwaschen.
Nanoualzeiuing
bern sw fürchten, daß dir Iren zu sehr ein
Staat im Staate werden. Kein veuiuiussigee
Mansch wird, sei es in Rußland, sei cw in
Oesterreich, fürchten, daß d e Juden die zen trale
Gewalt des Staates irgendwie schädigen
könnten.
Hertz verkennt eben das Wesen des mo¬
dernen Staates, und deshalb kann er auch die
nationale Autonomie fälschlicherweise auf-
sasseu als das, was sie gar nicht ist, als ein
„Provisor.nur". Er schreibt wörtlich: „Es
ist nicht eine dauernde Einführung, sondern
Zn vorläufiger Waffenstillsland." Ja, so Uellt
si'w Moritzchcn die nationale Autonomie vor,
so sprechen eben nur Inden und Halbjuden
davon. Diese nat onal Entfremdeten, diese
Entwurzelten reden von nationalen Klassen
wie der Blinde von Farben. Für sie hat nur
das Individuum ein Recht, zu bestehen, die
nationale. Individualität mag umcrgehen.
Ab.r sie will eben n.cht untergehon. Aus
diesem Grunde haben eben Masaryk und
die Ruthenen eine andere Vorstellung von der
nationalen Autonomie, als der Halbjude Hertz
und die verschiedenen Inden, die, als Italiener,
Slowenen nsw. verkleidet, als Nationalauto-
nom-isltn auftreten. Für Wese Inden und
.Halbjuden handelt cs sich um ein Provisorium,
für Masaryk und die Ruthenen aber um
Erbaltung des Volkstums, um die Konser¬
vierung der nationalen Individualität, die sie
trotz oder gerade wegen ihres modernen So¬
zialismus anstreben. Ans di-ssem Grunde
treten auch Masaryk mH die Ruthenen und
andere nichtjüdische Amonomistcn! für die na¬
tionalen Forderungen der Juden offen und mit
beherzten Worten ein!!! Ja, lieber Hertz, die
nat onale Sache ist reckt unbequem, aber die
Wabrheit läßt sich -einmal nicht aus der Welk
schaffen. Tann meint Hertz, daß das politisch.'
L'ystcm, das wir anstreben, für wie Inden liu
vorteilhaft sein würde. Ja, um Gottes willen,
ist denn das heutige vorteilhaft? Wo ist heute
die politische Macht der Inden? Man sehe
in dieser Beziehung die Haltung der meisten
Abgeordneten angesichts, der Rede Luegers.
Ob es sich um die Ausführungen eines lie-n
Schwätzers hierbei Handel: oder rieht, ist
gleichgültig, mau merkt die Absiclu der Po¬
litiker, für die Juden nichts zu tun, und wird
mit Recht verstimmt. Im. Osten kann mau
bei dem hcut'gen System von einem politischen
Einfluß des Judentums gar nicht reden. Sic
sind Knechte des Polenklubs und werden von
den Ruthenen mit Recht politisch verfolgt.
In Mähren stehen heute die Dinge trostlos,
wie selbst die „Union" zng'bt. Die Juden
sind Wohl große Politische Naivlinge, aber daß
cs ihnen heute in politischer und wirtschaftlicher
Solche Getaufte sind zwar fromm, aufrichtig
aber sind sie dann weder zu unsereins noch znm
Juden."
Auch im Milüärkasino bildete der Fall
Redlich den Gesprächsstoff, nur mußte diesmal
der Dragoner leutnant die Zielscheibe so
mancher Witze seitens seiner Kameraden ab¬
geben. Es wurde hin- und hcrgen.ckt und
daun einmütig beschlossen, es als „Ehre" zu
betrachten, daß ihr Kamerad mit einem „g e -
tauften" Judeu'mädcheu Reklame reißen
kann. Dem Dragoncaleutnant selbst war der
Glaubenswcchsel nicht einmal angenehm, denn
nur die Unterhaltung mit einem Judenmädchen
verschaffte ihm« Passion. Er suchte daher nach
Gelegenheit, seiner Bekanntschaft iu t Helene
ein Ende zu setzen und dachte über einen sensa¬
tionellen Knalleffekt nach.
Ter Taufakt war vorüber. Redlich erhielt
in der Taufe den Namen Franz, seine Frau
wurde Marie und seine Tochter Anna getauft,
während Leo seinen Namen behielt.
Frau Redlich hatte sich bald in das neue
Leben hercingefuicken und vergaß nie, an
Sonntagen die Kirche zu besuchen. Natürlich
begleitete sie nun auch Helene, die wir nun
Anna nennen wollen, stets dabei, und gemein¬
sam gingen sie nach der Messe einige Male auf
der Promenade auf und ab. Tn schloß sich
ihn.n zum rüsten Male nach der Taufe der
Leutnant au. „Haben Sie heute auch schon
für mich gebetet, Fräulein Helcno?" frug sie
Dr. <
Beziehung gut geht, das wird ihnen niemand
weisnmchcn können.
Zum Schlüsse spricht Hertz von der Hoff¬
nungslosigkeit d.ffer Bestrebungen und meint:
„Wenigstens hat eine Konferenz jüdischer Ver¬
trauensmänner aus ganz Galizien die Idee
a bgelehnt." Man reibt sich ganz erstaunt die
Augen und sagt: „Das hat ein Mitisch unter-
rchtctcr Mann wie Hertz geschrieben?" Weiß
denn Hertz wirklich nicht, daß diese Versamnw
lang nur eine Konferenz der B h k scheu
Clique war? 16 b s 20 abhängige Kultus-
vorsläude, von denen zwei Drittel aus einer.
-Ltadt, aus Lemberg, waren, das waren in
Wirklichkeit die jüdischen Vertrauensmänner
aus ganz Galizien! Hat der Sozialdemokrat
Hertz plötzlich seinen Katechismus vergessen?
Weiß er nichts mehr von der Schlachta, von
den Inden des Polenklubs? Plötzlich, wenn
cs sich um die Judenfrage handelt, wird Herr
Hertz, der sonst so gut Informierte, zur politi¬
schen Unschuld, Byk und Konsorten erscheinen
ihm plötzlich als die natürlichen Führer des
jüdischen Volkes im Osten. „Mama, was ist
ein- Leutnant, wer sind Schlachziz.n, wer ist
dem, eigentlich Byk?" fragt die politische Un¬
schuld Hertz. Wahrlich, solche Gegner machen
uns den Kampf leicht. Wenn das so fortfährt,
beginnt der Kampf gegen die Afsimilat on
langweilig zu werden.
Das sind die geistigen Waffen der assi¬
milatorischen Blüte. Dann kann man sich Vor¬
sichten, mit welchen Argumenten ein Byk
kämpft. Die ältesten Ladenhüter müssen her
halten: Natürlich sind die Juden n u r eine
Religion usw. nsw. Allerdings, ein neues,
köstliches Argument hat der Byk doch .ge¬
funden) man höre und Banne: „Die Jubelt
sind keine Nation, weil cs Lei ihnen so viele
v.rschiedene soziale Klassen« gibt." Ergo sind
auch die Deutschen keine Nation, weil es im
Deutschen Reiche Soz'ald«elnoktatcn und
Junker gibt! Wer lacht da nicht?
Ties ist das geistige Rüstzeug unürer
Gegner. Hiermit kann man freilich nicht
siegen. Ich hege auch die feste Ueberzeugung,
daß diese Waffen bald in die Rumpelkammer
werden wandern- müssen. Die anständigen
El:mente wie Hertz werden sich bald über die
Frage in Schweigen hüllen, die änderet, aber
werden ihre alten Waffen hervorhoten: Kein
ferenzen bei geschlossenen Türen, Denun¬
ziationen und Verleumdungen werden sich bald
über unsere Häupter ergießen. Die Polen
knechte werden die Pollin gegen uns aushetzen.
die Deutschnationalen jüdischer Konfession die
Deutschen. Aber das alles wird ihnen nicht
viel helfen. Unvorbereitet wie wir sind, trotz
unserer unzureichenden Mittel können wir schon
etwas schnippisch der Marsjünger. „Bitte,
Anna nennt man mich seit kurzem," antwortete
Anna, stolz, den Kopf hebend, „und als Neu¬
ling in Ihrer Religion gibt es für mich in der
Kirche so viel Schönes zu sehen, daß ich ans
Bell» ganz nick gar vergesse." Eitrige Male
promenierten sie nun auf und ab, die Mutter
schweigend neben den,. Paare, im Stillen den
Leutnant schon als ihren Schwiegersohn be¬
trachtend. Der Leutnant verabschiedete sich
diesmal kühler als sonst, mit der Bemerkung,
daß er jetzt ans einige Zeit verreisen müsse.
Doch in Wirklichkeit hatte er heute bereiten
noch bemerkt, daß ihn die Frau Redlich in ihr
Netz locken tritt, und gebrauchte deshalb diese
Ausrede, um. sich ganz aus der Schlinge zu
ziehen. Nach ein gen Wochen braucht er rann
Fräulein „Anna" nicht zu kemreu, denn nur
Fräulein „Helene" bereitete ihn, Spaß. Ja,
er ging noch weiter. Er verlobt, sich mit einer
anderen Dame und nahm sich die Freiheit,
seine Verlobung auch der Familie Redlich an
zuzeigen. Nicht wenig Bestürzung verursachte
diese Nettigkeit. Frau Redlich, deren Luft¬
schlösser wie ein Kartenhaus zusainmeiffielen,
war wie aus allln Himmeln gefallen, während
Anna sich um ihren Leutnant die Augen wund
weinte. Wie mngedreht ging jetzt alles in,
Hanse wie auf der Straße zu. Niemand
grüßte, niemand kümmerte sich um sie, und
zum ersten Mal empfanden Mutter und
Tochter den Einsatz der Nette über die Tat, zu
der sic Redlich bewogen hatte. _
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