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überall in seinen Schriften wie in seinen Predigten
proclamirt. Der Stifter der christlichen Religion ist
ihm nichts Anders als ein Reformator des Juden¬
thums im Geiger'schen Sinne (man siehe die Bro¬
schüre: Sadducäer und Pharisäer, von Abr. Geiger,
S. 32), gegen den die heidenchristliche Partei, welche
die Siegerin blieb, sich in vollen Widerspruch setzte;
Geiger hält sich demnach für den conseyuenten Jünger
und Nachfolger Jesus, der das von diesem „erweiterte
pharisäische Resormbeftreben" zum rechten Ziele zu
führen berufen sei (l. c.)
Der moderne Nazarener zu Frankfurt a. M.
glaubt, nunmehr seine Mission erfüllen zu sollen; er
gründet „einen Verein für die allgemeinen religiösen
Angelegenheiten des Judenthums" ä einen Thaler die
Person; der Verein soll auch Lehr Institute (jüdisch¬
theologische Lehrstühle und Lehrerbildungsanstalten)
ins Leben rufen, die die Geiger'schen und Pyilippson'-
schen Doctrinen öffentlich lehren und die kommenden
Geschlechter vergiften sollen; einige unbedeutende Män¬
ner wie Adler in Kassel, Aub in Mainz, Wolfs in
Gothenburg rc. geben sich willig dazu her, als Apostel
zu den Füßen ihrer Meister zu sitzen und für die
neue Lehre Jünger anzuwerben; uns aber gilt das
Prophetenwort:
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Haltet Nath und er wird zerstört, redet Wort,
und es wird nicht bestehen, denn mit uns ist Gott
(Jesaias 8, 10 )
Zeitungsnachrichten und Correfpon
denzen.
Österreichischer Kaiserstaat,
Wien. Der k. k. Consulatsarzt in Galatz, vr.
A. Elbogen, und der österr. Handelsmann Jos. Schiff¬
mann in Smyrna wurden zu Rittern des Franz-
Joseph-Ordens ernannt. Beide sind Israeliten.
Wien. Die k. k. niederösterr. Statthalterei hat
an den Magistrat der Stadt Wien ein Jntimat in
Folge Auftrages des hohen Staatsministeriums erlas¬
sen, woraus Folgendes hervorgeht:
In einem Erlaffe des bestandenen Ministeriums
für Cultus und Unterricht in Betreff der Eheschlie¬
ßung der Ausländer in österreichischen Staaten wurde
in Aussicht gestellt, daß, in wie ferne die Gesetze ein¬
zelner Staaten des Auslandes zur Eingehung der
Ehe eine besondere obrigkeitliche Genehmigung nicht
vorschreibcu, dieses nachträglich werde bekannt gegeben
werden, sobald hinüber die Erklärungen vorliegen,
um welche die betreffenden Regierungen im geeigneten
Wege angegangen werden. Aus den nun vorliegenden
Berichten sämmtlicher im Auslande accreditirten k. k.
Gesandtschaften geht hervor, daß die englischen Staats¬
angehörigen und die Bürger der vereinigten Staaten
Nordamerikas, welche sich in Oesterreich zu verehelichen
gedenken, nicht verpflichtet sind, sich hiezu eins Ein¬
willigung ihrer bürgerlichen Heimathsbehörde zu er¬
wirken, und daß die von denselben im Auslande ein¬
gegangenen Ehen im Heimathslande als rechtmäßige
Verbindungen betrachtet werden, sobald sie in Gemä߬
heit der Gesetze des betreffenden ausländischen Staa¬
tes abgeschlossen wurden.
Auch die Angehörigen des Königreichs Sardinien
bedürfen keiner Einwilligung ihrer Heimathsbehörde.
Nur müssen Katholiken bei Eheschließungen die dies-
fälligen Vorschriften der katholischen Kirche beobachten.
Es werden demnach die Seelsorger, welche um die
Mitwirkung zur Eheschließung von Personen, die sich
als Angehörige obgenannter Staaten legitimeren, an¬
gegangen werden, lediglich darüber wachen, daß
dieselben nicht anders als mit Beobachtung dessen,
was das kirchliche Ehegesetz zur rechtmäßigen Eingehung
der Ehe vorzeichnet, zur Trauung zugelaffen werden,
wobei insbesondere die Vorschrift des § 68 der An¬
weisung für die geistlichen Gerichte im Kaisertham
Oesterreich im Auge zn behalten ist. Was die Ange¬
hörigen des Königreichs Belgien, des Kaiserthums
Brasilien, des Königreichs Dänemark, des Kaiserthums
Frankreich, des schweizerischen Kantons Genf, des Kö¬
nigreichs Griechenland, des Großherzogthums Hessen,
des Landgrafcnthums Hessen-Homburg in dem auf
der linken Rheinseite gelegenen Landestheile Meisen-
herm, des Königreichs der Niederlande, des Königreichs
Portugal, des Königreichs Preußen, des Königreichs
Schweden und Norwegen und der schweizerischen Kan¬
tone Tessin. Waadtland und Neufchatel anbelangt, so
bedürfen dieselben nach den vorliegenden bezüglichen
gesandtschaftlichen Berichten zur Eheschließung im Aus¬
lande auch keiner Hcimathsbewilligung; allein da hin¬
sichtlich derselben der bei den früher angeführten
Staaten bemerkte Beisatz über die Rechtmäßigkeit der
im Auslande geschloffenen Ehen, sobald dieselben in
Gemäßheit der Gesetze des betreffenden ausländischen
Staates abgeschloffen wurden, entweder gar nicht, oder
doch nicht unbedingt enthalten ist, bei mehreren aber
im Gegentheile angeführt wird, daß die Gesetzmäßig¬
keit der M Auslande geschloffenen Ehen nach den
eigenen Gesetzen des Inlandes beurtheilt wird, so ist
sich Behufs der Hintanhaltung ungesetzlicher Eheschlie¬
ßungen der Angehörigen dieser so wie aller andern
hier nicht genannten Staaten, wie bisher, nach üblichen
Vorschriften zu benehmen. Endlich geht aus gesandt¬
schaftlichen Berichten hervor, daß keine am österreichi¬
schen Hose beglaubigte Gesandtschaft zur Ausstellung
von Heirathslizenzeu für die Angehörigen ihrer Staa-