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XXX. Jahrgang. ' m* X M SA.
Israelit«»»Jeschurun.
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Gentrak-Hrgan für das ortöodore Zudenlhum.
Herausgegeben von vr. Lehmann in Mainz.
Donnerstag, den 11. April 5649 (1889).
Leitende Artikel
Kagadaß schel Ueßach.
Vierte Serie.
X.
Mainz, 8. April,
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„Und zahlreich, wie es heißt (Jecheskel, C. 16,
V. 7): Zu Myriaden, wie des Feldes Sprößlinge,
ließ Ich dich werden und du nahmst zu und wur¬
dest groß, und gingest einher in höchstem Reiz;
herrlich an Gestalt, und dein Haar lang gewachsen,
aber du warst nackt und bloß."
Nach einer andern Lesart wird auch noch der
vorhergehende Vers vorgeführt:
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„Und Ich zog an dir vorüber, und Ich sah
dich beschmutzt mit deinem Blute, und Ich sprach
zu dir: durch dein Blut sollst du leben; und Ich
sprach zu dir: durch dein Blut sollst du leben."
Die Hagadah führt hier einen, oder nach der
andern Lesart, zwei Verse aus dem Propheten
Jecheskel an, um den Ausdruck der heiligen Schrift
„und zahlreich" zu erklären, unterläßt es dagegen
sich auf den schon angeführten Vers 2. B. M.,
Cap. 1, V. 7 'ijn iavi wram vtb '3m zu be¬
ziehen. — Das 16. Kapitel des Buches Jecheskel
schildert die Jugendgeschichte Israels, aus wie
kleinen Anfängen das Volk hervorgegangen, wie es
schon bei seiner Entstehung von den Egyptern ge¬
knechtet und mißhandelt wurde und wie es durch
Gottes wunderbare Errettung groß und herrlich ge¬
worden. Nur zwei Gottesgebote hatte Israel in
Mizrajim: das Blut der Befchneidung und daS
Blut des Peßachopfers. Und als Gott die Egypter
strafte, da verschonte Er um dieser beiden Mizwoth
willen die Israeliten. „Und Ich zog an dir vor¬
über, und Ich sah dich beschmutzt mit deinem Blute,
und Ich sprach zu dir: durch dein Blut sollst
du leben; und Ich sprach zu dir: durch dein Blut
sollst du leben."
Diese beiden Mizwoth wurden die Grundsteine
zu dem erhabenen Aufbau des israelitischen Volkes.
Die Beschneidung ist ein Symbol der Sittlichkeit,
das Opfer ist ein Sinnbild des Gehorsams gegen
Gott. Ungezügelte Leidenschaftlichkeit und unbe¬
zähmbare Auflehnung gegen das Gesetz pflegen die
charakteristischen Merkmale der vom Joche befreiten
Sklaven zu sein. Dem Volk Israel aber wurden
nach der Befreiung vom Sclavenjoche Sittlichkeit
und Gehorsam gegen das Gesetz als Grundlagen
seines Volkslebens gegeben.
In der heiligen Schrift finden wir wiederholt
drei Bezeichnungen für die Volksmenge Israels an¬
gegeben: wie die Sterne am Himmel, wie der Sand
am Meere, wie der Staub der Erde. Jede dieser
drei Bezeichnungen weist auf besondere Eigenschaften
hin. Die Sterne des Himmels glänzen und leuch¬
ten ; unbehindert wandeln sie ihre Bahnen, berühren
sich gegenseitig nicht und können auch von Menschen
nichtt erreicht werden. So ist Israel, wenn es in
Gottes Wegen wandelt; jeder einzelne Israelit ist
eine ganze Welt. Keiner ist dem Andern im Wege,
und Verfolgung und Unterdrückung vermögen Nie¬
manden aus Israels Mitte zu erreichen. — Der
Sand am Meere wird mit Füßen getreten. Wohl
liegen die Sandkörnchen nebeneinander und berühren
sich, aber sie verbinden sich niemals miteinander.
Der Sand am Meere ist ein Bollwerk gegen die
heranstürmenden Wogen; bergeshoch brausen die