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er Israelit
Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum ([[ W
iMp /II rz& B i esFiza gegründet non Dr. Lehmann in ntainz es&ss \\\HK ^i
25. Januar 1923
64. Jahrgang. ®a© Sranhlurl a. M.. Oen
8. Schebat 6683
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„ Fm 3udes*taat der
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Inhaltsübersicht.
1. Leitartikel: B. Beermann: Orthodoxe und
„Gemäßigte". — 2. Wochenrundschau: Ruhig
Blut. — Ein Dokument des Lehrerelends. — 3. Auf¬
sätze: Zur Lage in Litauen. — 4. Homiletik: Rabb.
B. Cohn, Berlin: Gewalt und Friede. — 5. Stleine8
Feuilleton: Peinliche Verwechslung. — Eire neue
Sekte in der Ukraine. — 5. Korrespondenzen
und Nachrichten: Berlin (Tagung des zionistischen
A. C.) — München (Die Nationalsozialisten gegen
Terror.) — München (Eine überflüssige Erklärung.) —
Wien (Die israelitische Kuttusgemetnde gegen die
Leichenverbrennung.) — Wien (Der UniverstlätSskandal.)
— Warschau (Aus dem polnischen Parlamente.) —
Warschau (Polnischer Antisemitismus). — Warschau
(Statistik). — Warschau (Requisition der Synagogen).
— Riga (Die Studemenkrawalle in Lettland). —
London '(Die Religionsverfolgungen in Rußland und
die Sowjetregierung). — Jerusalem (Brief aus Pa¬
lästina.) — London (Die englische Palästinapolitik.) —
London (Das Ergebnis der Volkszählung in Palästina).
—. New-Iork (Der amerikanische Stedlungöplan.) —
New-Iork (Der Ruf nach den Emigranten.) — 6.
Personalien. — 7. Briefkasten. — 8. Ver¬
mischtes.— 9. Frankfurter Berichte. — 10.
VeretnSkalender. — 11. Gebetzeiten. — 12. Fa-
milienachrichten. — 13. Feuilleton-Beilage:
Die Reue des Pogrowhelden. — Kinderecke: Heinrich
Einstädter: Ner Tomid. — Sprechsaal.
Srihodoke und »Gemäßigte."
(Aus dem ttebräifchen.)
Von Benzion Beerrmrrm.
Toleranz ist die Schwester der Liebe, Eifer
der Bruder des Fanatismus.
Man pflegt den Orthodoxen als einen
Mann von engem Horizont dahinznstellen.
dessen 'Anschauungen über Religion und Leben
eng gezogen sind und niemals das Ganze um¬
fassen. Er wisse nur eines, nämlich, dast, wer
sich don den Geboten der Religion entfernt,
sich ' in gleichem Maße vom Gotte Israels,
vom jüdischen Volke entfernt und wie ein Ab¬
gefallener zu betrachten und zu behandeln sei.
Ans diesem Grunde komme es wohl, daß ein
Orthodoxer in 'glühendem Zorn über den kleber-
treter 'herfällt, ahne nach den psychologischen
Gründen des klebertritts und des Abfalls zu.
fragen.
Ter Tolerante, der „Gemäßigte" dagegen steht
in unseren Augen als M anu des weiten Horizon¬
tes da, der von einer höhern-Warte als die seines
orthodoxen Bruders das Ganze Übersicht, es
nach der Außen- und Innenseite beurteilt.
Wenn auch der Tolerante die Grenzen kennt
und ein tiefes Weh ob des Abfalls empfindet,
so ist er doch Psychologe genug, mit dein Abge¬
fall enen in des Herzens Schrein zu schauen
und nach dem Mischnastu?.' „Beurteile jeden
Menschen nach, der günstigen Seite" zu verfahren.
Ter Tolerante findet so viele mildernde Um¬
stände und Erklärungen für das Vergehen, das;
dieses mehr Mitleid, denn Erbitterung! bei ihm
erregt, ein Mitleid, das ih.n veranlaßt, nach
den besten und sichersten Wiegen zu suchen, um
dort Irrenden wieder in die Grenzen^' des In-
denlnms zu bringen. Ter so Denkende hat
das ganze Milien vor Angen, sieht auch die
Verkettung der Umstände, die die Abkehr herbei-
gesührt haben, ans welchem Grunde er nie
Fanatiker, nie Zürnender, sondern Erbarmer sein
muß. —
Wiederum wird eine Grenzschnur gezogen
zwischen dem Exkremorthodoxen und Toleran¬
ten mit dem Psalmworte j': Q^tsn löll 1
letzterer wünscht nur das Verschwinden der
Sünden, nicht aber der Sünder herbei, wäh¬
rend crsterer seinen 'daß gegen die D^toin
richtet, in Verleugnung des Wortes D'TX yafi
2722 Dieser Unduldsame kennt nur den
Schöpfer, aber nicht sein Geschöpf.
So pflegt man gemeinhin die Unterscheidung
zwischen orthodox und -/gemäßigt" zu machen.
Allein, s ,Freunde, auch der^ Orthodoxe hat
eine Seele und auch sein Handeln entströmt
einer inneren Quelle, 'Nicht die Orthodoxie trifft
der Vorwurf der Engherzigkeit und Kurzsichtig¬
keit, sondern den Beurteiler, der sie dergestalt
von engem Horizonte aus beurteilt, es an gutem
Willen oder an Fähigkeit oder an Ausdauer
fehlen läßt, ach in die Dinge zu vertiefen.
Würden solche Beurteiler die Gabe besitzen und
sich die Zeit und die Mühe nehmen, in die Seele
eines Orthodoxen zu schauen, so würden sie
mit Leichtigkeit daraus ersehen, daß es nicht
enger Horizont und auch nicht Mangel an Er¬
kenntnis seien, die ihn zu seinen Handlungen
veranlassen, sondern daß auch diese sich uatnr-
aemäß aus seelischen Vorgängen ergeben, die
hoch erbaben stehen über die Enge und Klein¬
lichkeit des Denkens und Sehens, deren man
die Orthodoxie zeiht. Gerade, darum, weil der
Eiferer zu innerst n.nd zu tiefst in die Dinge
und die Menschenseelen schaut, wird er znm
Eiferer inrb Kämpfer.
War et nur der Prophet Elia ein Mann von
beschränktem Gesichtskreise, da er in die Menge
schrie: „Ich eifere für den Herrn, den Gott
Zebaoths, denn sie haben deinen Bund mit den
Kindern Israels verlassen, deine Altäre zerstört
und deine Propheten schlugen sie mit dem
Schwerte. Rur ich allein bin noch übrig, nun
trachten sie auch mir nach dein Leben"; hat