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Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. ^hiii^^^^^^^lfej
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Frankfurt a. M.
6. Januar 19 38
4. Schebat 5698
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- »Jüaf
Das englische Weissbuch ist ersc
Anweisungen für die zweite Kommission u. neue Unklarheiten
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London, 6. Jan.
Das Weißbuch, von dem in der jüngsten
Nummer an dieser Stelle die Rede war, ist am
Dienstag abend als „Botschaft an den scheiden¬
den High Commissioner" erschienen und wird
seitdem in der englischen Presse starke und ver-
schiedentlich kommentiert. Die zweite Kommis¬
sion, : die demnächst zusammengesetzt werden
.soll; wird als eine „Technische Kommission" be¬
zeichnet, die die Aufgabe hätte, der Regierung
Vorschläge für einen Teiiungsplan im Einzelnen
zu unterbreiten. Es wird betont, daß die Regie¬
rung wokl "« allgemeinen, nach wie vor zum
Peel-Bericht halte, aber eine Verpflichtung
tinveränderten Durchführung der Vorschläge
n i c h t übernommen habe. Von einem z w a n g s-
mäßig e n "/Bevölkerungsaustausch
-wird nicht mehr gesprochen, und es könnte
sich auch als notwendig erweisen, der Anregung
der Ständigen Mandatskommission, zeitweise
•eine Teilung na cjir K antonen oder un¬
ter getrennten M'a nd a t e n vorzuneh¬
men, nachzugehen. Mit einer längeren Ueber-
gangszeit sei .auf alle Fälle zu rechnen, da die
Vorschläge vom Völkerbundsrate erst genehmigt
werden und die anderen technischen Vorausset¬
zungen für die Teilung geschaffen werden
müßten.
Die große englische Presse sieht zum Teile
in diesen Erklärungen ein vorsichtiges Abrücken
vom Peel-Bericht und macht darauf aufmerksam,
•daß im Weißbuch kauhi, noch von Staat e : i.
•sondern nur von „jüdischen und arabischen Gle¬
iteten" die Rede ist. „Daily Telegraph"^ meint,
-man könnte aus der Veröffentlichung eine Ab¬
lehnung des gesamten Teilungsplanes herauslesen.
„Daily Herald" sieht in der Erklärung den Ver¬
such, die Entscheidung solange als
möglich hinauszuziehen.
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Einige Zeitungen weisen darauf hin, daß die
in der ersten Regierungserklärung gemachte
jFeststellüng „ von der besten und hoff¬
nungsvollsten Lösung" im Weißbuch
Weht mehr vorkomme. Fast von allen Blättern
Wird der, Passus unterstrichen, wonach, gemäß
der Anlegung . der Ständigen Mandatskommis¬
sion, „die arabischen und jüdischen Gebiete
vorübergehend unter einem System der
Kantonisierung oder der separaten Mandate
verwaltet werden sollten", und dabei auf den
Protest der Zionisten gegen jeden Versuch einer
kantonalen Einteilung innerhalb eines einzigen
Palästinastaates hingewiesen. Auf alle Fälle hält
man das Schlupfloch in dem neuen Dokumente
für groß genug, um der Regierung freie Hand
auch für ganz neue Pläne zu lassen.
Die Stellung der britischen Zionisten.
Schon einen Tag vor Veröffentlichung des
Weißbuches hat die ZionistischeFedera-
t io uvon Großbritannien und Irland
unter Vorsitz von Lord M e 1 c h e 11, der Max-
quise von Reading und Rev, Perlzweig
eine Sitzung abgehalten, die einstimmig folgende
Entschließung annahm:
•trafc^:
„Der ' Zionistische Bund Großbritan^ep « ;^|d|||
sich unnachgiebig zur Opposition, »gegen }^^^2^3Ung
des Palästina-Problems entscUossen^ ^die^^daaacl;
trachtet, dem jüdischen Volk .den Staitw|^ln*el|p
ernden Minderheit in die s^m^Ib^n^
geben und der jüdischen. Einwanderung ,ünd
jüdischen Arbeit in Palästina Beschränkungen^^
erlegen. Der Bund bestätigt erneut' das hi&tansc
Recht des jüdischen Volkes auf die E r r. i^c/Jfife^
eines jüdischen Staates in Palä^S'trii
und gibt seiner Ueberzeugung Ausdruck, daßs?k^ifn||
andere Lösung den Bedürfnissen des jüdisjpei
dem Glauben, daßfcbr
Volkes entsprechen kann. In
tische und jüdische Ideale und InteresseninPalast^
Hand in Hand gehen, würde der.. Zionistischeres
Großbritanniens eine Lösung. begrüßen, die deni|5j|||j
dischen Staat einen Platz in dem Rähmenwerk'McK^
Britisch Commonwealth geben würde." ; -
<&^t^jfc&m
(Weitere Berichte aus üiid' v 'über : ;:;I^ld.^^^i
siehe auf Seite 8 und 11. Die letzten!
richten aus Rumänien befinden sich im
spondenzenteil und auf Seite 11.) .
Zwei englisch-nichtjüdische Stimmen«
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In der letz'ten. Zeit sind in London zwei wert¬
volle Werke angesehener englischer Autoren er¬
schienen, - die dem akut gewordenen Palästina-
Problem tief dring ende Untersuchungen widmen
und die für die Juden aller Länder ein starkes
Interesse bieten.
• ; Das erste dieser beiden Wetfke hat den schon
der Ges c h i ch t e des neuen^'Palästina ange¬
hörig eri ehemaligen Gouverneur von Jerusalem,
Ron ä 1 d S t d r r s , 'zum Verfasser.*) Es ist eine!
umfassende Selbstbiographie, Beginnend mit des
Autors; Geburt im Jahtfe 1881 lind schließend mit!
dem Ende seiner sechsjährigen i: Amtsperiode als
Gouverneur von Cypern im Juni 1932. Heute
ist Storrs Gouverneur von Rhodesien.
Für einen vorwiegend jüdisch interessierten
Leser des Buches läge es nahe, seine ganze
Aufmerksamkeit auf diejenigen Teile des um¬
fangreichen Werkes zu konzentrieren, die sich
mit Storrs' Tätigkeit im heiligen Lande von 191?
bis 1926 befassen, zumal diese palästinensischen
Jahre auch dem Verfasser selbst offensichtlich
als Höhepunkte, ja als der köstlichste Inhalt sei¬
nes Lebens erscheinen, deren Schilderung er von
vornherein mit dem charakteristischen Motto,
aus dem 122. Psalm: ">b D'löisa' *rmatf einleitet;,
- -, -
• . - .8 .v-f.V;',;>'.$5
Dennoch wäre eine solche Beschränk^gl^ö^
gerechtfertigt. Denn man kann Storrs GharaKlfii
und sein Wirken in Erez Israel, — das hejfjai „
lieh manche scharfe Kritik und noch mehr Mlßi
• '' '"" }'"*'" " -* .--^
trauen von jüdischer, insbesondere zip^sjtisp||g^
Seite herausgefordert hat, nür\.-dann vjgerechti
würdigen, wenn man seine g a n zi e Entwicklü^gp
als Mensch und Verwaltungsbeamter .y.eri^i^jM
Ein gegenseitiges Verstehen ist aber für; 'HJeJ
ganze Zukunft der jüdisch-englischen Beziehuitip
gen, soweit sie Palästina- - berühren,. yjptt^iS6|ßjt^M
Bedeutung — das beweist gerade Storrs' B^ch^
mit seiner Ueberfülle von kleinen, aber charak^|i
teristischen Zügen, die sowohl die '$rsäckekm^*
i . ö * ;•.;..!, • \. ', ■ -••;»^äfcJ.t-j-'-»s
ler unnötiger Mißverständnisse . zwischen
Juden und der englischen Beamtenschaft^ Be-
leuchten, als zum mindesten auch den guten
Willen des Autors, die Gegenseite zu ver^^^
stehen. So erzählt er z. B. an einer Stelle seines ^
Buches, wie er jahrelang die Gereiztheit äeajll
jüdischen Publikums gegenüber einer harmlosen ^
Karrikierung jüdischer Eigenheiten auf einer /
Jerusalemer Bühne nicht begriffen habe, bis ev «|j
selber 1935 in Frankreich als Zuschauer eij^r ^
die Engländer verspottenden Satire den gleichen
Aerger verspürte, wobei do.cji noch, wie efr hin ¬
zufügt, die gesteigerte Empfindlichkeit einer seit
Jahrtausenden verfolgten Rasse mit in Rechnungj
zu stellen sei.
*) Orientations. By Ronald ;
L o n d o n. 1 9 3 7. Jäor Nicholson
son Ltd. 623 Seiten Gr. Okt.
Storrs..
& Wat-
; Storrs ist der Sohn eines etigiisef
liehen. Zu Juden und Judentum hatte
mals irgendwelche Beziehungen und
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