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Seit? Zi. Nr.. 6
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10. Februar 1938
Klärung in den Organisationsfragen der Agudas JisroeL
Ein Aufruf zur Arbeit.
Von der Londoner Exekutive der Agudas
Jisroel wird uns geschrieben:
Die Wiener Plenarsitzung des Geschäftsfüh¬
renden Ausschusses der- Agudas Jisroel-Welt¬
organisation hat erfreulicherweise in den Orga¬
nisationsfragen, die für die praktische
Aufbauarbeit in Erez Jisroel wichtig sind, die
notwendige Klärung gebracht,
Die Kompetenzen der einzelnen Organe —
Keren Hajischuw-Direktorium, Sochnuth, Poa-
lim — sind sorgfältig abgegrenzt, und eine har¬
monische Zusammenarbeit der an der Spitze
v dieser Organe stehenden Persönlichkeiten ist
gesichert worden.
Nun aber gilt es, die Formen mit Gehalt
-zu erfüllen und sich den schweren Aufgaben
gewachsen zu zeigen, die die Sorge um die Ret¬
tung des jüdischen Landes für G'tt und
seine Thora an jeden Einzelnen von uns stellt.
Die gesetzestreue Judenheit Deutschlands
wird dabei, wfe bisher, beispielgebend voranzu¬
gehen haben.
Der Keren Hajischuw unter der ener¬
gischen Leitung Dr. Isaac Breuers fordert
das Opfer erheblicher Geldleistungen, um
unserer eigenen Jugend
eine Existenz auf eigenem Boden, H i t h j a -
schwuth, in Kibbuzim.und Kolonien
als Einzelarbeiter oder in Koopera¬
tiven zu ermöglichen,
Schulen zu schaffen und zu unterhalten,
die der Jugend den wahren jüdischen Geist, den
Geist Jet* Thora und der Mizwoth vermitteln,
Einrichtungen ins Leben zu rufen, um
überall im öffentlichen Leben Erez Jisroels die
schwer bedrohten Interessen des thoratreuen.
Judentums zu vertreten und zur Geltung y.u
bringen. '
Jedes Land hat sich zur Aufbrin¬
gung einer bestimmten Minimal¬
st mme verpflichten müssen, die ge¬
deckt werden m U ß, soll nicht, G'tt behüte,
schwerster Schaden für die Gesamtheit ent¬
stehen.
Wir rufen alle Agudisten auf, ihre Pflicht zvl
tun und im Geiste der alten Schekolim-Lehre
zur Rettung des Heiligtums die ganze Summe
ihrer materiellen und moralischen Kraft für das
Sammelwerk einzusetzen.
Die Judenfrage im englischen Parlament.
London, 7. Febr.
Auf eine Frage von Col. Wedgewood erklärte
Mr. Eden heute im Unterhaus, daß die von den
jüdischen Organisationen beim Völkerbund ein¬
gereichten Eingaben, soweit Rumänien in Be¬
tracht kommt, nach dem üblichen Verfahren durch
ein Dreier-Komitee geprüft werden. Das Komi¬
tee werde für seine Arbeit keineswegs die
nächste Ratssitzung abzuwarten haben. Mittler¬
weile studiere auch die Regierung die Frage,
ob eine unmittelbare Aktion den Umständen
nach nützlich sei. t.
" -»
Die Vereinigten Staaten seien nicht Mitglie¬
der -des Völkerbundes und daher nicht in der¬
selben Lage wie England und Frankreich als
Mitunterzeichner der Minderheitsschutzverträge.
Wedgewood suchte alsdann nochmals die Re-
i gierung dazu zu drängen, mit den Vereinigten
Staaten in Beratung zu treten, die aus humani¬
tären Gründen an dem Schicksal der rumäni¬
schen Juden interessiert, seien, Eden erwiderte
jedoch, er glaube nach dieser Richtung nichts
tun zu können. Die englische Regierung habe
schon vor dem Zusammentritt des Völfrerbund-
rates völlig klar gemacht, welchen Standpunkt
sie in dieser Frage einnehme.
Der Teilungsplan nicht aufgegeben.
x London, 10. Febr.
Im Verlauf einßr Aussprache im Unter-
hause am 9. Februar gab Kolonialminister
O r ni s b y - G o r e ^ einen Ueberblick über die
gegenwärtige Lage ! in P a 1 ä s t i n a und stellte
fest, daß die bewaffneten Widerstände in den
letzten Wochen nicht abgenommen hätten. Da¬
gegen wären die Gefechte mit Freischaren in
diesem Zeitpunkt zum Stillstand gekommen. Die
Mandatsbehörden unternähmen in den Gebie¬
ten,; aus denen die Anwesenheit von Freischaren
gemeldet worden sei) weiterhin alles, um ih?e
Verstecke aufzuspüren. Die Polizei übe eine
strenge Kontrolle über den Waffenbesitz aus. —
Auf eine Anfrage erklärte der Minister, die eng¬
lische Regierung habe den im vergangenen Juii
in feinem Weißbuch bekanntgegebenen und im
September in Genf vorgelegten Teilungs¬
plan Palästinas nicht fallen ge¬
lassen.
Das Todesurteil gegen Jecheskel Altmann-
Jerusalem, 5. Febr.
Das Kriegsgericht hat den Polizisten Jeches¬
kel Altmann nach Vernehmung von 11 Belas-
tllilgs- und 5 Entlastungszeugen zum Tode ver¬
urteilt.
Sowohl Oberrabbiner Herzog als auch Ober¬
rabbiner Duschinski habe sich an den Ober¬
kommandierenden mit der Bitte um Begnadi¬
gung des Verurteilten gewendet.
Das Arbeiterblatt „Dawar" weist darauf hin,
daß die Führer der jüdischen Gemeinschaft die
Jugend unausgesetzt zur Zurückhaltung ermahnt
hätten. Wenn Altmann dieser Mahnung nicht
Folge geleistet habe, so müßten doch die Ein¬
drücke der beiden vergangenen Jahre des Ter-
ror5 mit in Rechnung gezogen werden. Möge
man das Schicksal des unglückseligen Altmann,
so schließt der „Dawar", nicht schlechter ge¬
stalten, als dasjenige der zahlreichen Angeklag¬
ten, deren Todesurteil in mildere Strafen durch
den Oberkommandierenden umgewandelt wor¬
den sind.
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Jerusalem,?. Febr.
Der Oberkqmmandierende, Generalmajor A.
P. Wavell, hat das Todesurteil gegen Jecheskel
A 11 m a n n in lebenslängliche Gefängnis¬
strafe umgewandelt.
Der Hilfsverein zur Frage jüdischer
Einwanderung nach Kanada.
Zu der von uns veröffentlichten Nachricht
über die positive Stellungnahme Canadas zu
einer landwirtschaftlichen Einwanderung von
Juden schreibt uns der Hilfsyerein der
Juden in Deutschland unterm 31. Januar fol¬
gendes:
„Bis vor kurzem hat sich Canada* jeder jüdi¬
schen Einwanderung gegenüber fast völlig
abweisend verhalten; höchstens Landwirte
mit erheblichem Kapital oder ganz nahe
Angehörige in Canada Ansässiger konnten
unter Umständen einwandern. <Wir haben
die Möglichkeiten in Canada'nicht nur auf¬
merksam verfolgt, sondern" über London
mehrfache Interventionen versucht, tin*
dieses aussichtsreiche Land, mehr zu er¬
schließen. In allerletzter Zeit scheint sich
im Zusammenhang mit der Besserung . der
Wirtschaftslage eine Äenderung der canäidi-
schen Einwanderungspraxis anzubahnen —
wenn auch keineswegs klar ist, von was für
Einwanderungsbeamten die von Ihnen wie¬
dergegebene Erklärung tatsächlich stammt;
d. h, ob es wirklich maßgebende Beamte
waren."
Wir möchten unsererseits ausdrücklich er¬
klären, daß unsere kritische Bemerkung sich in
keiner Weise gegen den Hilfsyerein-;oder gegen
Stellen in Deutschland, die sich mit der Auswan¬
derung befassen überhaupt, gerichtet hat, sondern
ausschließlich auf den Schaden hinweisen sollte,
der den Gesamtheitsinteressen dadurch entsteht,
daß nicht längst in London oder New York ein
einheitliches jüdisches Wanderungsamt geschaf¬
fen worden ist. Ein solches Amt, wenn es vor¬
handen wäre, würde über die Lage in Canada
zweifellos rascher und genauer unterrichtet
sein, als es den zahlreichen Organisationen in
den verschiedenen Ländern der Natur der Sache
nach möglich sein kann.
Das neue Ausländergesetz
in Oesterreich.
W i e n~ 6. Febr.
Der Ministerrat überwies das neue
Ausländergesetz den vorbereitenden Or¬
ganen der Bundesgesetzgebung zu rascher Er¬
ledigung. Nach dem neuen Gesetz sind alle Aus¬
länder verpflichtet, sich sofort nach ihrer/Ein¬
reise nach Oesterreich eine „Erkennungskarte"
zu beschaffen, so wie sie künftig auch jeder: an¬
dere Einwohner Oesterreichs besitzen muß.'^Wer
sich ohne Erkennungskarte in Oesterreich auf¬
hält, kann nach dem Inkrafttreten des neuen
Gesetzes sofort über die Grenze abgeschoben
werden. '
Weiter wird uns darüber aus Wien ge¬
schrieben: '
In dem Entwurf hat man sich für die Lösung
entschlossen, daß nicht erst nach einem sechs¬
monatigen, sondern bereits nach Ö'inem dreimona¬
tigen Aufenthalt im Bundesgebiete jeder Aus¬
länder um die Aufenthalts K e w i 11 i g u n g;
ansuchen muß, gleichgültig, zu welchem Zweck
er in' Oesterreich weilt. Wer ^einem Erwerb¬
nachgehen will, ob er nun Unternehmer oder
Angestellter ist, muß unmittelbar*; nach der Ein¬
reise um die Erlaubnis einkommen. Dasselbe
gilt von allen Personen, die von der Unterstüt¬
zung anderer leben, welche nicht gesetzlich zu
deren Unterhalt verpflichtet sind. Mit dieser
Bestimmung soll dem längeren Aufenthalt poli¬
tischer Flüchtlinge ein Riegel, vorgeschoben
werden. Die Gesuche um die Bewilligung zum
Aufenthalt sind bei der Bundespolizei¬
direktion, bezw. bei der Bezirkshauptmann¬
schaft einzubringen. Die Entscheidung hierüber
trifft in Wien der Bürgermeister, sonst
der Landeshauptmann. Bei einer Abwei¬
sung des Gesuches besteht die Möglichkeit der
Berufung an das Bundeskanzleramt. Wird die
Berufung auch dort abgelehnt, dann hat der
Ausländer das österreichische Gebiet zu ver¬
lassen, andernfalls er abgeschoben werden
müßte.
Winter - Schluß - Verkauf
Günstige Einkaufsgelegenheit
für Auswanderer