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haßten und beleidigten, verzieh er. Später beteiligte
er sich an der Verbreitung christlicher Blätter, z. B.
der „Zeugnisse eines alten Soldaten," die General
von Viebahn herausgibt.
Der bekehrte Sträfling hat selber seine Geschichte
erzählt. Blau findet sie in der dritten Auflage des
von dem Lehrer Mühler verfaßten Buches „Dein
Glück" (Duttweida, polytechnische Buchhandlung;
Preis Mk. (,50). Auch an manchem Israeliten
erweist sich das Neue Testament fort und fort als
einen Wundertäter, indem cs mit seiner Predigt von
der Liebe des menschgewordenen Gottessohnes die
erstarrten Kerzen schmilzt und ein neues Leben
begründet.
Aus dem >14. Jahresbericht der L. J.-M.
Die Israeliten, mit denen die Mission zu tun
hat, vertreten die verschiedensten Denkweisen. Blanche
stecken noch Lief im Talmudismus. In London
brachte ein Mann eine in Papier gewickelte Geld¬
münze, um für dieselbe ein hebräisches Altes
Testament zu kaufen. Ts war ein Sonnabend, als
er sich mit diesem Wunsch bei denn Kolporteur
einstellte. „Ich habe das Geld in Papier gewickelt,"
sagte er, „weil ich am Sabbat kein Geld tragen
darf." Der Aolporteur wies nun darauf hin, daß
die jüdischen Überlieferungen das Gesetz Gottes ent¬
kräftet haben. In Liverpool antwortete eine Frau
auf die Frage, wohin sie beim Sterben zu kommen
denke: „Im Lhumesch (den fünf Büchern Moses) steht
geschrieben, daß man nach dem Tode an den Straf¬
ort kommt, wo Feuer und alles Böse ist. Aber ich
fürchte mich davor nicht, denn ich habe sechs Söhne,
die für mich Kaddisch (das Gebet für die Toten)
sagen werden. Nach vier Wochen werde ich dann
in den Garten Eden eingehen." Der Frau wurde
erwidert, daß nichts Derartiges in den fünf Büchern
Moses stehe. Gott sagt: „Die Seele, die sündigt, (
soll sterben," und „Das Blut bewirkt die Versöhnung !
für die Seele". Seit der Begründung des neuen !
Bundes gilt der Satz: „Das Blut Jesu Thristi, des !
Sohnes Gottes, macht uns rein von aller 5ünde." !
Die Eltern eines kranken Mädchens in Tunis wandten >
alle möglichen Buttel an, von denen sie sich Heilung
versprachen. Einmal versuchten sie die Krankheit
durch Musik und Tanz hinwegzuzaubern. Es
wurden Frauen bestellt, welche wie Beseffene umher- !
sprangen. Aber der Zustand der Kranken ver¬
schlimmerte sich nur, und endlich kam der Tod. !
Neben dem Aberglauben steht der Unglaube. In !
einer englischen Stadt sagte ein Jude: „Ich bin j
ein Freidenker aus Verzweiflung." Der Mann !
behauptete: „Während der sechs oder sieben Jahre, ?
die ich in England zugebracht habe, ist nicht ein ein- ;
ziger Rabbiner an mich herangetreten, uni über geist- ;
liche Dinge mit mir zu reden." Und doch findet die ;
Predigt des christlichen Glaubens inmitten Israels
! oft freundliche Aufnahme. Dies ergibt sich auch
! aus den nachstehenden Mitteilungen.
Der Seufzer des gekreuzigten Heilandes: „Vater,
i vergib ihnen!" usw. (Luk. 25,5^) entlockte einem
! Israeliten in London den Ausruf der Freude: „Jetzt
j weiß ich, daß meine Hände an dein unschuldigen
! Blut rein sind, und daß Gott mir verzeiht, denn er
| hört stets die Gebete seines Gesalbten." (£iu russischer
| Rabbiner beantwortete die ZuschriftIines in Bristol
wirkenden Missionars mit folgenden Worten: „Ich
weiß nicht recht, ob ich Sie für Ihren Brief segnen
oder verfluchen soll. Wein Friede ist dahin, ineine
Ruhe ist gestört. Ich kann weder essen und trinken,
noch schlafen, da ich beständig au das denken muß,
was Sie mir schriebeil. Meine Familie wundert sich
über liiich und hält niich beinahe für verrückt. Was
soll ich sagen? Wenn Sie recht haberi, so verdienen
wir Juden in der Meerestiefe ertränkt zu werdeil.
Aber ich kann kaunr glauben, daß unsere Rabbiner
so jänimerlich geirrt haben. Schreibeil Sie trotzdeiii
weiter an inich! Sie könneil dazu beitragen, mir
den Frieden wiederzugeben." Eill anderer russischer
Rabbiner schrieb all denselben Missionar: „Ihre
Flugblätter haben in unserer Stadt eine förmliche
Bewegung hervorgerufeil. Rönnen Sie uns nicht noch
mehr derartige Schriften senden? Viele meiner
Freunde haben das Neue Testainelit gekauft, versteheil
es aber leider nicht, da sie nienlaild haben, der es
ihnen erklärt. Ich bitte iloch einmal: Senden Sie
| uns mehr Bücher!" Beachtenswert ist auch folgendes
Schreiben eines jungen Mannes: „Wir gehöreil einer
Rabbinerschule an und schätzell solche Worte sehr.
Schreibeil Sie wieder, uild senden Sie uns mehr
Traktate, da wir nach der Wahrheit dürsten! Wir
erk'enlleil jetzt, daß der Gott Israels zugleich der
Gott der andern Völker ist. Wir leugnen auch nicht,
daß Jesus von Nazareth der Messias ist." Eill
wohlhabeiider englischer Jude in Swansea, welcher
dem Boten des Heils zuerst die Tür gewiesen hatte,
führte mit demselben später zahlreiche religiöse Ge¬
spräche. Als er krank wurde, war das Neue Testamellt
das einzige Buch, welches er las. Nach seinenr
Tode lag es unter feinem Kopfkissen. In Rotter¬
dam spie ein Fanatiker 5em Missionar ins Angesicht.
Nach eilliger Zeit bat er ihn um Verzeihung. Als
er dann voll öemfelbeu das Heil verkündigen hörte,
welches rnls Iefll Blut verschafft hat, wurde sein
hartes Herz völlig erweicht, unb er bat den Christen:
„Betell Sie mit mir!" Einige Männer, welche in
der gleicheil Stadt Neue Testamente erhielten, küßtell
die Bücher, tallztell vor Freude uwb riefen: „Gott
sei Dallk, daß wir jetzt frei sind und das Neue
Testalllellt lesen dürfell!" Eill Schächter in Tiberias
verlor sein Brot, weil er trotz aller Wariluilgen das
Lesell christlicher Schriftell llicht aufgebell wollte.
Man llahlll ihm seinen Erlaubnisschein weg und
llötigte ihll hierdurch, die Stadt zu verlassen. Aber
auch ill Akko, wohinlerssich nun wandte, wurde er