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„Der Christ!. Grient": „Cs sind 2000 Juden hier: ein hübscher
Menschenschlag, im Äußern ganz verschieden von unfern euro¬
päischen Juden. Sk sind durchweg sauberer als die Muham¬
medaner. In einein Halste lebt gewöhnlich eine große Familie
beisammen: Vater, Mutier, drei oder vier Söhne mit Frauen
und Kindern, Großeltern und alte verwandle. Wenn das ehr-
würdige Gberhaupt der Familie die uralte Harfe von der wand
nimmt und zur Ehre Iehovahs ei,: Lied anstimmt, glaubt man
sich in die Zeit der Patriarchen zurückversetzt. Reich geschmückt
sind die wohlhabendereil Fraueii. Sie trageil ganze Ketten von
Goldstückeil im Haar, um deil Hals und an beu Armen. In
scharlachrote Geivänder gehüllt, bewegen sie sich graziös. Auch
die allerärmsten Töchter Levis tragen Arinbäilder und Ringe
in den Mhren und oft in der Rase." — In Abessinien
wurdeil in: vorigen Jahre sieben erwachsene Falascha getauft.
Bei einer Reise durch die Provinz Tschelga fielen einige Missio¬
nare der L. I.-M. Räubern in die Hände. Sie waren zuerst
in großer Sorge wegen ihres Lebens. Aber der Hauptmann
ließ sie gehen, als er von ihrem wirken hörte und ihre Bücher
sah. Cr bat sie sogar, sie möchten für ihn beten. Als sie ihm
und seillen Leilten mehrere Bibelstellen vorgelesen und mit
Kor. 6, 9a geschlossen hatten, sagte der Allführer: „Solche
Worte habe ich nie gehört. Zieht Euren weg in Frieden!"
— Line im Jahre ;9o; in Boston begründete Gesellschaft von
Indenchristell verallstaltete im Juli $03 eine größere juden-
christliche Versalnmlung.
Aus dev jüdischen Presse.
wir sehen klar, daß es die jüdischen Elemente sind, die das
Christentum in nlodernen Verhältnissen kulturfähig, kulturschntzend
uild -fördernd machen. (A. Z. d. I. *902, S. 569. In
Wirklichkeit ist das Christentunl der größte Kulturfaktor, weil
es die beengendell Fesseln des Iudentuins gesprengt und der
Welt einen neuen Geist von oben mitgeteilt hat.) — Nahe
sollte uns, mindestens so sehr wie der Korall, die Literatur
des Urchristentums liegen, wir kümmern uils kaum um das
Abc ihrer Theolog'e, sei es in religionsgeschichtlicher oder
apologetischer Abs.'cht. Soll der jüdische Theologe imstalide sein,
seine Gemeilide aus der geistlichen Umstrickung des Christentums
zu retten, dann hilft kein vocliehmes Ignorieren des letzteren;
er muß Bescheid wissen. (Cbd. S. 570.) — Cs gibt wohl
keineil deutschen Juden, der den Anspruch erhebt, als gebildet
zu gelten, der liicht unbedingt die Notwendigkeit anerkennen
wird, über die Lntstehulig des Christentums, über das Leben
und wirken seines Stifters orientiert zu werden. (; 903 , S.
Was weiter von dem Judentum als der Religion der Zukulift
und von den Worten Christi gesagt wird, beruht auf völliger
Verkennung des wirklichen Tatbestandes.) — wir verdammen
jede Missionstätigkeit, weil sie ihre Erfolge auf unsittlichem
Wege zu erreichen sucht. (Cbd. S. 69. Der Angreifer denkt an
Mat. \o,o% ff. Cr erkennt nicht, daß der durch die Sünde
hergestellte, falsche Friede bekämpft werden muß. Vgl.Ier.8,8—;;.)
— Der Karren des Judentums ist arg verfahren. Starke Hände
sind notwendig, ihn wieder ins richtige Geleise zu bringen.
(Cbd. S. J9?. welche Hände, lehrt Röm. \\, 23 .) —- Das Neue
Testa ment besitzt keine originale Idee. (Cbd. S. *98. vgl. S.
28^ f. Gegen Mat. p, 27—50; Ioh. 6 ; js, 7; * 6 , y*. 23 f.; 49, 30 .
und a. St.) — Mit dem Christentum ist eine neue Macht in
das Leben der Menschheit eingetreten. (Cbd.) — Stammes¬
gefühl und Missionsgedanke sind die Stützen des modernen
Judentums. (Cbd. S. 236 .) — Jesus war durch und durch
Jude, und wir hätten nicht das Recht, dem Urchristentum
unsere volle wissenschaftliche Aufmerksamkeit zu widmen? (Cbd.)
— Das Messiasbewußtsein Jesu bildet den schärfsten Gegensatz
zmn Gottesreichsbegriff der Propheten. (Cbd. S. 285. Gegen
die Wahrheit. (Vgl. Gehler, Theologie des Alten Testaments,
2. Auflage, S. 770 f.’| Auch im zweiten Teil des Aufsatzes,
S. 296 fs, versündigt sich der verf. vielfach an der Wahrheit.
Am meisten empört nns die Lüge, daß Paulus die Verwerflich¬
keit des Sittengesetzes gelehrt habe.) — Der jüdische Handels-
mann in der Levante ist auch ein Spitzbube. Cr hat das
Sprichwort: „wer von Gott wenig verlangt, ist ein Narr;
wer beim Menschen so verfährt, ein noch größerer." (Cbd. S.
307.) — Nirgends ist die Zerfahrenheit, der Indifferentismus,
die Taufwut größer als in oer offiziell konservativen Gemeinde
Wien, in der alljährlich mehr als 500 Inden zum Taufbecken
schreiten. (Cbd. S. 326 .)
ZSücherüericht.
Evangelisch-lutherischer Zentralverein für Mission unter Israel,
Leipzig: \) Ph. Gordon, Jom Kippur. Eine Erzählung
aus dem jüdischen Volksleben. \6 S. 30 Pf. ;oo Exemplare
— 20 Mk. 2) I. H. Lichtenstein, Kommentar zum Neuen
Testament mit besonderer Berücksichtigung von Midrasch und
Talmud. Das Evangelium des Markus. Übersetzt von P.
Fiebig. 36 S. 60 Pf. ;oo Exemplare = 45 Mk. 3) H. C.
Leitner, Die da tot sind, siehe, sie leben! ;8 S. 20 Pf. ;oo
Exemplare — ;o Mk. H) M. Leitner, Das jüdische Mädchen.
Line Erzählung. Aus dem Englischen. 6 S. ;o Pf. ;oo
Exemplare —5 Mk. — Buchhandlung des Ostpr. Provinzial¬
vereins für Innere Mission, Königsberg i. Pr.: 0 K. Kunert,
was lernen Juden und Christen von Dr. perlcs? C. Beitrag
zur Harnack-Literatur. ;6 S. 30 Pf. 2) Ders., Rabb. Dr. H.
Vogelsteins Vortrag „Die Anfänge des Talmuds u. die Ent¬
stehung des Christentums" beleuchtet. 20 S. 40 Pf. 3) Ders.,
Offener Brief an Hrn. Rabb. Dr. F. perles. 8 S. \o Pf. —
Westdeutscher Verein f. Israel: F. puaux, Ein ernstes
Wort an den verstand u. das Gewissen der Israeliten.
A. d. Französischen übers, von K. Kun ert. 20 5 . \5 Pf. —
Verl, der Rettungsanstalten, Diesdorf b. Striegau (Schief.):
w. Becker, Christ!. Reden an jüd. Fest- u. Fasttagen. VI u. 66
S. 30, mit Porto 55 Pf. _
Antwort.
wie das rabbinische Gesetz vielfach mit Gottes Gesetz
streitet und Betrüger erzieht, schilderte einst der Luxemburger
Rabbiner Sam. Hirsch, einer der Begründer des Reformjuden¬
tums, zunächst mit Bezug auf das Sabbathgebot in folgenden
Worten (D. L. M 5 , S. 5^): „wir sollen an diesem Tage
nicht arbeiten. Nun muß aber das Licht geputzt, der Ofen
geheizt, das Essen herbeigeschafft werden. Das geschieht durch
einen Christen. Allein wir dürfen ja auch nicht für uns
arbeiten lassen. Der Christ muß sich also beim Ofen wärmen,
bei Licht etwas arbeiten, vom Essen etwas bekommen, damit
er diese Arbeit nicht für uns, sondern für sich tue. Ich soll
nichts auf öffentlicher Straße tragen. Ohne Taschentuch aber
kann ich nicht sein. Ich binde es um um den Leib, und
Gott hat das Zusehen. Ich soll nur 2000 Ellen gehen. Nun
muß ich aber ^000 gehen. Ich weiß mir zu helfen. Ich
verberge auf der Hälfte des Weges ein Stück Brot und sage:
Ich wohne hier. So geht es fort in Spitzbübereien gegen
Gott. Gegen die Menschen waren die Juden nur Betrüger,
wenn sie durch verschließen einer rechtlichen Nahrungsquelle
dazu gezwungen wurden; gegen Gott aber waren sie wirkliche
Betrüger." Zu dem letzten dieser Sätze bemerken wir, daß
wahrhaft fromme Menschen durch nichts gezwungen werden
können, einen Betrug zu verüben.
Cmpfangsöescheinittttntt.
In deutscher Währung: Hr. P. Fl.-K. 0,60. — Hr. O.
A. R. S.-H. ;,20 -st- 6 . — Hr. L. H.-Fried. 2. — Frl. C. u. M.
I.-B. jo. — Frl. L. D.-Fellb. 36 , 20 . — 2. In österr. Wäh¬
rung: Hr. Sup. H.-L. u. Hr. P. Fl.-K. 3,5;. — Hr. Hauptm.
S.-S. 4 ,; 5 . — Hr. Sup. D.-I. ;o ,56 Herzlichen Dank!
Bitte. Die noch rückständigen Iahresgelder wolle man
baldigst an die Windolffsche Buchdruckerei in Berlin einsenden.
Herausgeber: Prediger w. Becker, Wien III/;, Hainburgerstr. 2 {. — Schriftleitung und Verlag: I. windolff, Berlin SW, \ 2 .
Charlottenstr. 88 . — Iahrespreis: 60 Pf. oder 72 H. ö. w.
Druck von I. windolff in Berlin SW., Charlottenstr. 88 .