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des
IfTEellät
ncintzehuten Jahrhunderts.
Gine LÄschonschsift
für
Lrs KemsÄrrL WWv MsiÄvm vss ifVLZLrLsfchsst TsLesrs.
Untee der Mitredaction
von
. S. Holdheim, Rabbiner der Rcformgcnossenschast in Berlin.
Herausgcgeben von
DL'. M. Heß,
Großhcrzogl. Wcimar'schcm Land-Nabbincn Zu Eisenach.
Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 3 «f. Anzeigen für die gespaltene Zeile 6#»:
Diejenigen, welche Berlin näher sind als Eisenach und Frankfurt a. M., wollen ihre Beiträge an den Mitredakrcur Dr. Holdheim sen-
___ den. S chrif ten zurrtecension sind an die Verlagshandlung zu adressiren.
Är. 3. SvmrLag den LG. Janu-?^ LH-L8. ZX. Jahrgang.
Neberblicc.
Hanpt-Artikel: Theologisch-medizinisches Bedenken über die fernere Zulässigkeit der Beschneidung unter
den Juden. (Schluß.) — Geschichte VeS Tages: Vorn Main: Frankfnrlcr Zustände. — Schwerin: Die Judcnfrage
in Mcklcnburg. — Hamburg: Senats - Bescheid. — Ostpreußen: Jüoi'che Zustande.— Bayern: Rückblick auf 1847. Dessau:
vr. Löwenthal. — Aus dem Fürstcnthnm Birkenfeld: Berichtigung. — Hamburg: Literarische Notiz. — Litr. Anzeige.
Zheolsgisch - Medizinisches Bedenken über
die fernere Zulässigkeit der Veschneiönng
unter den Juden.
(Schluß.) -
Eher trägt in manchen Fällen der Gesundheits¬
zustand des Bcschneidcrs wesentlich dazu bei, daß die
Kinder nach längerer oder kürzerer Zeit andauernden
Siechtbum, ibr Leben auf bcjammcrnswerthe Weise
ausyauchcn, indem derselbe nach talmndischcr Vorschrift,
die geschnittene und gerissene Wunde gleich nachher mit
seinem Munde aussauge» muß, wodurch sein, etwa mir
einem ansteckenden ihicrischcn Gifte geschwängerter Spei¬
chel dem unglücklichen Kinde, im eigentlichen Sinne des
Wortes eingcimpft wird. Es ist bekannt, daß in ei¬
ner jüdischen Gemeinde Deutschlands eine Zeit lang,
alle ncngcbornen Knaben mir Symptomen venerischer
Ansteckung starben, weil, wie sich später ergab, der Be-
schncider mit venerischen Geschwüren im Munde behaf¬
tet war.
Daß cs giftige Beschaffenheiten des Speichels ge¬
ben könne, die sich freiwillig, ohne von Aussen über¬
tragen morden zrt sein, erzeugen und von keiner der den
Aerzten bisher bekannten Tyskrasiecn lwrrnhren, lehrte
mich das Beispiel eines Mannes, dessen Arzt ich über
dreißig Iabre gewesen bin, der zwar an einer, von
Jugend ans deutlich ausgesprochenen Neigung zur tu¬
berkulösen Lungen-Schwindsucht, aber sicher nie an ir¬
gend einer erkennbaren ansteckenden Krankheit gelitten
hat, und dessen eigene Kinder, eine anderweitig ableit¬
bare Anlage zur Skrophnlose abgerechnet, von Jugend
auf stets ganz gesund geblieben sind.
Unter zweihundert und zwei und sechzig Kindern,
die dieser, bestimmt keinem Laster und keiner großen
Leidenschaftlichkeit ergebene, übrigens sehr brave Mann
beschnitten hat, sollen Vierzehn, von denen ich selbst ei¬
nes auf gleiche Weise, unter großen Qualen sterben
sah, mit allen Zeichen vergifteter Hautwunden, allen
sorgfältigen wnndärztlichcn Beistandes ungeachtet, gestor¬
ben sein. Ein schlagender Beweis, daß cs, zuvor nicht