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Allgemeine Zeitung des Cuaentums
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Die Budapest er Francsälschungen haben in
der ganzen We!i der Beteiligten, der politischen Zusammen¬
hänge und ihres Umfangs wegen gewaltiges Aussehen erregt.
Wir sind in der Lage, von besonderer Seite, die sich
aus naheliegenden Gründen nicht nennen kann, die solgenden
Mitteilungen zu veröffentlichen, die zum ersten Male in deut¬
licher Zeichnung die grasten Politischen und inter¬
nationalen Zusammenhänge der Angelegenheit
würdigen. Die Bedeutung dieser Mitteilungen
wird jedem unserer Leser sofort klar erkenntlich sein.
Die Schristleitung.
B u d a p e st, 17. Januar 1926.
So große Sensationen die F ranc fäl s ch un g s -
äffäre schon gebracht hat, ist man doch noch immer.weit
entfernt von ihrer restlosen Aufdeckung, denn die große
Oeffentlichkeit kennt wohl die Namen von fünfundzwanzig
Fälschern, die inneren Zusammenhänge des Skandals, die
Organisation der Fälschers ihre eigentlichen Ziele und ihre
ausländischen Beziehungen werden aber noch streng geheim¬
gehalten. Als die Untersuchungsbehörde an diesem Punkte
rührte, kam sie mit der hohen Politik in Konflikt. Daß dem
so ist, geht schon daraus hervor, daß seit zehn Tagen in der
Francsälschungsassüre ausschließlich der Ministerpräsident,
also das oberste politische Forum, der Polizei und der Staats¬
anwaltschaft Weisungen gibt.
Die Francfälscher arbeiteten ein Jahr lang mit großem
Apparat im militärgeographischen Institut
s(das mit Rücksicht auf den Trianon-Bertrag jetzt karto¬
graphisches Institut heißt und budgetmäßig dem Finanz¬
ministerium untersteht). Von der Arbeit der Fälscher hatte
General Haits? der Leiter des Instituts, Kenntnis, und als
er in Pension ging, übergab er mit dem ganzen Institut auch
die Fälscherwerkstätte seinem Nachfolger, dem Obersten Kurz.
Die Fälscherarbeiten aber leitete Major Gero, der selbst
das Papier aus der in Deutschland gekauften rohen Papier-
masse herstellte und mit dem Wasserzeichen versah, die
Klischees zeichnete und Tag und Nacht in der „Notendruckerei"
anwesend war. Zur Durchführung der maschinellen Arbeiten
wurde ein Teil des Personals des kartographischen Instituts
kommandiert. Man kann also sagen, die Noten wurden von
Amts wegen gemacht, wie man etwa Landkarten herstellte.
Oberst Jankovics, der im Haag beim Wechseln
falscher Noten ertappt wurde, war, da er in der Slowakei
ansässig ist, bis vor kurzem tschechoslowakischer Staatsbürger.
Ehe er die falschen Noten ins Ausland schaffte, wurde er —
was sonst Monate in Anspruch nimmt — im kurzen Wege
nach Ungarn repatriiert und in den Ruhestand der
ungarischen Armee ausgenommen! er erhielt einen Kurier¬
paß, sein Gepäck mit den falschen. Noten wurde amtlich als
Kuriergepäck versiegelt (nota bene: Kurierpost hat er über-
Haupt nicht mitgeführt).
Die Falschmünzer wurden vom Feldbischof
Zadravec, dem obersten Priester der ungarischen Militär-
geistlichkeit, in Eid genommen und zum Schweigen ver-
pflichtet.
Finanziert aber wurde das Unternehmen von der
staatlichen P o st s p a r k a s s e.
Und über dem Ganzen waltete die schützende Hand des
obersten Hüters der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung
des L a u d e s P o l i z e i ch e f s N ü d o s h. Alan flüstert noch
von anderen hohen Staatswürdentrügern, die an der Sache
beteiligt sein sollen, doch für die allgemeine Beurteilung der
inneren Zusanrmenhänge der Francfälschimgcn ist es un¬
wesentlich, ob dem Skandal tatsächlich noch einige Prominente
zum Opfer fallen werden. Schon nuS dem, was bisher bekanni
ist, geht deutlich hervor, daß den Fälschern ein nicht unwesent¬
licher Teil des Staatsapparates- zur Verfügung gestanden
hat. Diese Feststellung erfordert scheinbar den logischen
Schluß, daß cs sich also um eine Regicrungsaktion handle.
Dieser Schluß würde vielleicht anderwärts zutreffcn, in
Ungarn nicht. In Ungarn steht der Staatsapparat
nämlich nicht unbedingt und nicht ausschließlich der offi¬
ziellen Regierung zur Bcrfüguiig. Aus einer Reihe von
Parlamentsdebatten ist bekannt, das; es in Ungarn
eine» Geheimbnnd gibt, Sein viele Staatsbeamte —
bis hinauf in ganz hohe Positionen — und sogar
Richter angehören, nnv das; Die Mitglieder dieses
Bundes — er nennt sich Blntbund Doppelkreuz —
einen Eid leisten, der jeden früher geleisteten Eid —
also auch den Diensteid — entkräftet und sie zum un¬
bedingten Gehorsam den Bnndesobercn gegenüber
verpflichtet. Wer den Eid bricht, verfällt dem Feme¬
gericht.
Als Präsident dieses Bundes aber wurde
immer — der L a n d e s p o l i z e i ch e f Nädosy ge¬
il a n n t. Der Zusammenhang ist klar. Nädosy hat einfach
Befehl gegeben, daß seine Bundesbrüder in den in Betracht
HusVemAKkQlrr
Die Vudapester Francsälschungen. Von v
Gleichberechtigung der spanischen Juden.
Von S.O. v. Vodino. Seite 4.
Mt oder Geist.
Von Or. Hugo Lachmansli. Seite 5.
Was ich den Juden verdanke.
Äon Herbert Sulenberg. Seite 6.