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2Ul£$emeine Zeitung des Oudentums
Wirklich Danaidenarbeit?
Von Or. Felix Goldmann (Leipzig),
Der Centralverein beschäftigt sich bereits seit drei und-
dreißig Jahren mit der Bckn m Pfung des A n t i s e -
m itis m u §, und selbst der Gegner muß anerkennen, daß seine
Leiter und Führer in dieser Zeitspanne unendlich viel
an materiellen und geistigen Kräften, an Eifer
und Energie a n f g e w c n d c t haben. Es drängt sich damit
ganz von selbst die Frage ans, ob so großer Mühe auch
rechter Lohn bcschjeden war, ob es sich gelohnt hat,
den Kampf aufznnehmen, vb Ergebnisse sichtbar geworden sind,
ob die Verhältnisse sich in dieser recht langen Periode gebessert
haben.
Daß der A n t i} e m i t i § m 11 § etwa auZgervttct sei,
wird in unseren Tagen gewiß kein Mensch behaupten.
Aus der Tatsache aber, daß wir heute mehr als je unter den
Ausbrüchen und Quälereien des Judenhasses leiden, ziehen die
Gegner des Centralvereins den Schluß, daß seine Ziele unerreich¬
bar, seine Methoden falsch und verderblich seien. Besonders
aus nationaljüdischer Seite kämpft man mit dem
Argument, daß die Unsummen an Mitteln und
Kraft, die der Feldzug gegen den Antisemitismus verschlingt,
viel besser im Sinne „positiver" j ü d i s ch e r Auf¬
gaben v e r w e n d e t werden müßten, und je nach Tempera¬
ment und Laune berennt man den Turm unserer Ideologie mit
den Sturmbvcken tiefgründiger Philosophie, dem ätzenden Sar¬
kasmus der Alleswisser oder der ehrlichen Grobheit, die nun
einmal von jeher charakieristische Ausdrucksform der Un¬
wissenheit war und ist.
Eine Zeitlaug war es freilich damit still, denn auch die
Nationaljuden empfanden angesichts der Fülle der feindlichen
Erscheinungen und ihrer Tiefe, unter dem Eindruck der Pogrom-
gesahr und der greifbaren Bedrohung des jüdischen Rechts
das Bedürfnis, im Antisemitismus eine bekämpfenswerke Gefahr
zu erblicken. Nun aber, da der auf den Gassen sich auSivbende
Judenhaß hier und da zurücktritt, erklingt wieder das alte Lied.
Und eine n a t i o n a l j ü d i s ch orientierte Zeitung
kann es sich sogar tvieder leisten, den A n ti sem it is m u 8
als „e i n S ch i ck s a l d e s j ü d i s ch e n B o l k e s" zu charakteri¬
sieren und die Widerlegung des Judenhasses eine
Da nai den a rb e i t zu nennen.
Wäre dem so, daß talsächlich der Judenhaß ewiges
.jüdisches Schicksal ist, so m ü ß te n iv i r d i e Arbeit
ein stellen! Aber es ist zunächst einmal eine falsche Aus¬
deutung der Geschichte, wenn man — ans engem Gesichtswinkel
urteilend — Erscheinungen, die sich in Jahrhunderten voll¬
ziehen, nach den Anslvirknngen von Jahren begreifen will. Daß
• der Antisemitismus eine ungewöhnlich tiefgehende und an¬
dauernde Wirkung auf die Geschichte gehabt hat, kann kein ehr¬
licher Kenner ihrer verschlungenen Pfade bestreiten. Daß serner-
hin der Tag, da er überwunden sein wird, noch lange nicht
?■ dämmern kann, ist jedem politisch geschulten Auge klar. Wohl
rübe? ist der Fortschritt unverkennbar! Das neun¬
zehnte Jahrhundert hat den Juden das bürgerliche Recht ge¬
bracht, und dieses hat in Tagen, da Haß und Verleumdung ihre
Wellen über die halbe Welt sandte», sich behauptet. Abgesehen
von dem gewiß furchtbaren „mnnonis clausus" in Ungarn, ist
das bürgerliche und staaisbürgerlichc Recht der Juden in
den K u l t u r ft a a t c n n i ch t a n g e t a st e t worden, und ein
Vergleich der europäischen Juden von 1750 mit denen von 1925
beweist auf das deutlichste, wieviel sich zum Guten geändert
hat. Nun denkt der Durchschnittsmensch genüß nicht historisch,
und jeder suhlt das Leid seiner Zeit. ES kann aber nicht be¬
stritten werden, daß wir — sofern mau die große Linie im Auge
behält — vorwärts gekommen sind. Und -venu das geschehen ist,
obwohl die Juden selber bis in die neue Zeit hinein eine recht
passive Nolle spielten und sich nur auf den Sieg des Rechts und
der Vernunft wie aus gute Freunde außerhalb des jüdischen
Kreises verließen, so darf man der Hoffnung sein, daß sie als
bewußte Träger des Kampfes um ihr Schicksal zur Beschleuni-
nigung der Entwicklung erheblich beitragen werden. Manchem
mag gewiß der Fortschritt zu langsam reisen, aber einen Grund
zum absoluten Pessimismus und zur Resignation bietet die
Betrachtung der Geschichte nicht!
In Wahrheit aber würde solcher Pessimismus auch den
Grundprinzipien der jüdischen Religion glatt widersprechen.
Wir sind keineswegs geneigt, den I » d e n h a ß l e i ch t
z u n e h m c n und ihn lediglich als eine Folge von Mißverständ¬
nissen und Böswilligkeiten zu betrachten. Wir wissen, daß er
tief in der Bulker und der Menschen Seelen wurzelt. Darum
ist er aber keineswegs unabwendbares Schicksal!
Denn Haß bleibt Haß, und die jüdische Religion glaubt mit
kusöemSnkartr
Wirklich Danaidenarbeit?
Von Dr. Felix Goldmann (Leipzig). Seite 9.
Wo ist der jüdische Wohlstand geblieben?
Seite n.
Der Hamburger Prozeß. Von nudolfMchael,
M. d. 25. (Hamburg). Seite 14.
Wahrend des Dreißigjährigen Krieges.
Von 25. Vosmthal (Mannheim). Seite 16.