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Monatsausgabe
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Wege zum inneren Frieden.
Eine machtvolle Kundgebung des Lenlralvereins.
Reden vonOr.Ludrvig Haas, M.d.R.,Dr-LudwigHoüSnder,Or.msä. Friedrich Bcoünih.
Die Hauptversammlung des Eentralvereins wurde durch
eine machtvolle Kundgebung am Sonnabend, den 6. März, im
Uenarsitzungssaal des Neichswirtschastsrats eingeleitet. Weit
über 500 Delegierte und Gäste füllten den festlich-stimmungs¬
vollen Saal. Viele Ministerien hatten ihre Vertreter ent¬
sandt; so war Ministerialrat Kaisenburg für den Reichs¬
minister des Innern, Staatssekretär Weißmann als Ver¬
treter des Preußischen Ministerpräsidenten, Regierungsrat
H i r s ch s eld für das preußische Innenministerium,
Dr. Alfons Steiger in Vertretung des Reichsjustizmiinsters
und des Ministeriums für die besetzten Gebiete erschienen.
? Oberpräsident Dr. Maier hatte den Oberregierungsrat Dr.
: Ahrend ts, die Stadt Spandau den Bürgermeister Herz
entsandt. Der Vorsitzende der Deutschen demokratischen
Partei, Reichsminister a. D. Erich Koch, und der Vorsitzende
des Bezirksverbandes Berlin der Deutschen demokratischen
Partei, Oberregierungsrat Otto Merten, waren der Ein-
ladung gleichfalls gefolgt, ebenso zahlreiche Mitglieder des
Reichs- und Landtages aller Parteien. Für die evangelische
Stadtshnode war Pfarrer B i t t l i n g e r anwesend, und
neben ihm sah man zahlreiche Vertreter der evangelischen,
katholischen und jüdischen Geistlichkeit. Der Ausschuß der
Studentenschaft und die einzelnen deutschjüdischen Korpo¬
rationen hatten zahlreiche Delegierte entsandt, viele Schulen
waren durch ihre Leiter vertreten, und zahlreiche Angehörige
von Kunst, Wissenschaft und Industrie saßen in den Reihen
der Gäste.
Die Eroß-Berliner Tagespresse und die größten Zeitungen
aus dem Reiche hatten Berichterstatter entsandt, so daß das
offene Bekenntnis' zur Mitarbeit an Deutschlands innerem
. Frieden weit über den Saal hinaus im ganze» Reiche Wider-
hall finden wird.
Feierliche Ruhe trat ein, als der erste Vorsitzende des
C. V'.. I u st i z r a t D r. Julius Brodnitz, die Zuhörer
begrüßte, den Behörden für die Entsendung der Vertreter
dankte, und dann in ernster Rede den Geist der C. V.-
Arbeit beleuchtete und seine neuen Ziele auszeigte.
„Ich heiße Sie", so führte Justizrnt Dr. Brodniü aus, „die
‘ Delegierten des Centralvereins ans allen Teilen des Reiches, am
Vorabend unserer Arbeit herzlichst willkommen. Ganz besonders
- danke ich den zahlreichen Vertretern hoher Behörden. Korporationen
-- und Vereinigungen sür ihr Erscheinen. Wir, die Vertreter des
: .Centralvereins, finden uns morgen zu einer Tagung zusammen.
»■ In inehr als dreißigjähriger Tätigkeit haben wir die Aufgabe zu
: erfüllen gehabt, Unrecht abzuwehrcn. Aber wir haben diese Arbeit
stets in der Einstellung geleistet, daß »vir nicht egoistisch für
' unser persönliches Wohl k ä in p f e n, daß unsere Ar-
b e i t n i ch t a l le i ns ü r d i e I »i d e n i st, s o nd e r n d e m W o h l e
- u n s e r e s g e s a in t e n V a t e r l a n d e s d i e n t . daß c s s i ch
. au ch in u nf er em K amPfe „u m die h vch ste n Gü te r d er
-.Nation" handelt. Wir glauben, ein Recht darauf zu haben, in
vi diesem Kampfe nicht konfessionell getrennt zu m aschieren. sondern
I auf die Unterstützung aller derer rechnen zu dürfen,
denen der deutsche StaatSgedanke eine leben-
di ge Kraft dar stellt. Wir sind in unserer Arbeit niemals
beim Abwehrgcdaukeii stehen geblieben, denn mir notgedrungen sind
wir in eine Abwehrstellung geraten. Unser positives Pro-
g rn in in i st d i c © r f c n'n t iii § d eS dent fche n I »den in
seiner wertvolle» E i g e n- a r t, mir erklärlich tmrcl) seine
mehr als tausend Jahre alle Verknüpfung mit dem Deutschtum und
der liebevollen Beschäftigung mit »userem ehrwürdigen Schrifttum
und unserer alten Geschichte. Wir stellen die Bereinigung aller derer
dar, die deutlich in sich ihr Deutschtum und ihr Judentum suhlen,
die eines nicht vom anderen loslösen können. Wir bekennen
uns z u unsere m Dcutscht n in und Judentum als z u
den Elementen unseres Lebens, und wir bedauern, daß
das. was die deutschen Juden wirklich sind, in den nichtjüdischen
Kreisen zu wenig bekannt ist. Aus dieser Einstellung heraus emp¬
fanden wir den Wunsch, unsere Tagung in der heutigen Kundgebung
nicht mit Fragen der Abwehr und des Kampfes zu beginnen, und diese
Kmidgebinig, 'sowie auch sonst unsere Arbeit, im hellsten Lichte der
Oesscntlichkeit zu veranstalten. Wir treten vor unsere Mitbürger,
welchem Glauben sie auch angehören mögen, mit der Frage» „I st
diese Vergiftung, die augenblicklich in Deutsch¬
land herrscht, notwendig? Gibt cs in unserer Zeit
bitterster nationaler und wirtschaftlicher Not leinen Wog zur Ent¬
giftung des Politischen Lebens, gibt es keine Möglichkeit des inneren
Friedens?" Im vollen Gefühl der Verantwortung bejahen wir diese
Frage, wir bejahen sie als Männer des politischen Lebens in Kennt¬
nis der Schwere dieser Aufgabe, Möge der heutige Abend dem gegen¬
seitigen Verstehen gewidmet sein und möge aus ihm gemeinsame Ar¬
beit erblühen im Dienste imfcres Vaterlandes, mit dem wir deutschen
Juden im Glück und noch mehr im Unglück unlösbar verbunden
Brausender Beifall dankte dein verehrten Vorsitzenden
für sein Bekenntnis, das allen Delegierten aus dem Herzen
gesprochen war.
MrsSemSnkaltr
Wege zum inneren Frieden.
sKeden von Or. Ludwig Haas, Dr. Ludwig
Holländer, I)r. med. Friedrich Lrodnih.
Aus dem Frankenlande. Seite 20.
Die Friedhofsschändung in Erfurt. Seite 21.
Dürfen die Juden nach dem Talmud die
Christen betrügen. Von Äezlrkörabbiner
Dr. Deermann (Heilbrorin). Seite 24.